Aktuelles

Blick Auf Die Championship Games

BLICK AUF DIE CHAMPIONSHIP GAMES

In der Divisional Round am vergangenen Wochenende, konnten wir klare Siege aber auch Partien auf Messers Schneide verfolgen. In der AFC konnten die Buffalo Bills von der Verletzung des Spielmachers ihres Gegners profitieren. Lamar Jackson (24) und seine Baltimore Ravens mussten sich schließlich 17:3 geschlagen geben. Im Championship Game der AFC treffen die Bills nun auf den amtierenden Super Bowl Champion, den Kansas City Chiefs. Die Chiefs konnten sich gegen die Cleveland Browns nicht so souverän durchsetzen wie gewohnt. Hätte Star Quarterback Patrick Mahomes (25) das Spielfeld allerdings nicht verletzungsbedingt verlassen müssen, wäre das allerdings nie eine solche Zitterpartie geworden.

Nach 18 Jahren Abstinenz führte Tom Brady (43) seine Tampa Bay Buccaneers zurück ins Championship Game der NFC. Im Duell der NFL Opas konnte keiner der beiden wirklich glänzen. Die Defense der Bucs ließ Drew Brees (42) mit seinen New Orleans Saints allerdings nicht den Hauch einer Chance und zwang diesen in seiner vielleicht letzten Partie zu drei Interceptions. Der Gegner Tampa Bays ist kein geringerer als ein Stammgast der Championship Games, den Green Bay Packers. Im Gegensatz zu den Seeräubern standen die Packers seit 2002 ganze fünf Mal im letzten Playoff Spiel. Angeführt vom zweitbesten Aaron Rodgers (37) aller Zeiten können wir auch hier auf eine tolle Partie hoffen.

Wer wird Champion der AFC

Im AFC Championship Game dreht sich natürlich alles um eine Personalie. Im Laufe der Woche stellte sich nur eine Frage: Spielt er oder spielt er nicht? Die Rede ist natürlich von Patrick Mahomes. Der Passgeber hat gleich mit zwei Verletzungen zu kämpfen. Eine davon zwang ihn das Spielfeld am vergangenen Sonntag vorzeitig zu verlassen. Nach einem Tackle von Browns Linebacker Mack Wilson (22) blieb Mahomes erst kurz am Boden liegen. Sichtlich angeschlagen und stark benommen kam er taumelnd zurück auf die Beine. Bei solchen Bildern denkt, besonders im Football, jeder zuerst einmal an eine Gehirnerschütterung. Angeblich war allerdings ein eingeklemmter Nerv dafür verantwortlich. Ob es sich hier um eine Schikane handelte, um das Concussion Protocol zu umgehen, oder Tatsache ist, werden wir wohl nie erfahren. Schlussendlich musste auch Mahomes in dieser Woche alle Stufen des Concussion Protocols überstehen, um gegen die Buffalo Bills auflaufen zu können. Am Freitag atmeten dann sämtliche Chiefs Fans auf, Mahomes selbst lies verlauten am Sonntag auflaufen zu können.

Embed from Getty Images

Ich selbst musste bei dieser Bekanntgabe etwas schmunzeln, wurde hier mit zweierlei Maß gemessen? Hätte eine Gehirnerschütterung irgendeinen einen Defensiv Akteur erwischt, welcher nicht das Gesicht der neuen NFL ist, hätte dieser mit Sicherheit keine Freigabe bekommen, schließlich ist das Concussion Protocol nicht auszutricksen. Auf dem Feld selbst wird ihm seine zweite Verletzung ebenso zu schaffen machen. Früh im zweiten Quarter zog er sich eine Blessur am großen Zeh zu. Der sogenannte „Turf Toe“ ist eine sehr unangenehme Geschichte, am ehesten ist sie wohl mit einer Verstauchung des großen Zehs zu vergleichen. Für Akteure im Football, wo es beinahe immer auf den ersten schnellen Schritt ankommt, ist das dann besonders schmerzlich. Besonders bei improvisierten Spielzügen außerhalb der Pocket hat Mahomes heute Abend also einen kleinen Nachteil. Dennoch bleiben die Kansas City Chiefs der Favorit gegenüber den Buffalo Bills, einzig und allein ein Ausfallen von Patrick Mahomes hätte das Blatt zum Wenden gebracht.

In der Regular Season konnten die Chiefs im Vergleich zur letzten Saison nicht ihre komplette Schlagkraft aufs Feld übertragen, hier sucht man aber nach dem Haar in der Suppe. Denn Tyreek Hill (26), Travis Kelce (31) und Co. stellten am Ende dennoch die sechstbeste Scoring Offense. Ihr heutiger Gegner belegte hier den dritten Rang mit insgesamt 60 Touchdowns. Egal ob durch die Luft oder am Boden, die größte Waffe der Bills steht under Center. Josh Allen (24) spielt dieses Jahr jenseits aller Erwartungen und Hoffnungen. Der Quarterback hatte nach zwei eher mäßigen Spielzeiten endlich seine Breakout Season. Knapp über 4500 Passing Yards, 37 Touchdowns und 69,23 Prozent angekommene Pässe sprechen ganz für sich. Mit obendrauf kommen 421 Rushing Yards und acht weitere Touchdowns. Und auch in den Playoffs macht Allen bisher genauso weiter. In der Wild Card Round schickte man erst die Indianapolis Colts mit 27:24 nach Hause, bevor man am vergangenen Sonntag den Ravens keine Chance ließ und die „Bills Mafia“ zum Feiern brachte.

Embed from Getty Images

Zusammen mit Star Wide Receiver Stefon Diggs (27) bildet Allen ein Traumduo. Der Ballfänger konnte sage und schreibe 127 Pässe für 1535 Yards und acht Touchdowns in den 16 Spielen der regulären Saison fangen. Mit diesen Überflieger Statistiken stand er über allen anderen Receivern der NFL. Und Diggs befindet sich noch immer in bestechlicher Form. In den beiden bisherigen Postseason Partien konnte er jeweils über 100 Receiving Yards und einen Touchdown für sich verbuchen. Offensiv wird den Bills einzig und allein das Laufspiel Sorgen bereiten, hier rangiert man im unteren drittel der Liga. Hinter Devin Singletary (23) kristallisierte sich Rookie Runningback Zack Moss (23) im Laufe des Jahres immer mehr als besserer Runner heraus, auf ihn muss man allerdings verzichten. Gegen die Colts zog er sich eine Knöchelverletzung zu und musste anschließend operiert werden.

Auf der anderen Seite des Balles können beide Teams ähnlich starke Defenses vorweisen. Beide profitieren von ihrer guten Secondary. Auf Seiten der Chiefs muss man besonders den „Honey Badger“ Tyrann Mathieu (28) hervorheben, welcher mit einer Interception und einer insgesamt richtig starken Leistung ein entscheidender Faktor für das Weiterkommen gegen Cleveland war. Die Bills hingegen bilden ein Defensive Backfield mit enormer Qualität. Safety Jordan Poyer (29) spielt die Saison seines Lebens. Neben ihm spielt mit Micah Hyde (30) ein weiterer Safety, mit unfassbarer Vielseitigkeit und jeder Menge Erfahrung, er ist das Schweizer Taschenmesser der Secondary. Und dann sind da noch zwei Star Cornerbacks die sich extrem gut ergänzen. Josh Norman (33) ist seit seinem Draft 2012 ein Shutdown Cornerback wie er im Lehrbuch steht. Tre´Davious White (26) muss sich hier aber alles andere als verstecken. 2017 wurde er in der ersten Runde des Drafts von Buffalo ausgewählt und ist auf dem besten Weg einer der drei besten Spieler seiner Position zu werden.

Alles in allem steht ein angeschlagener Patrick Mahomes mit phänomenalen Receivern einem extrem starken Defensive Backfield gegenüber. Auf der anderen Seite wird es Josh Allen aber ebenso alles andere als leicht haben. Insgesamt deutet dennoch alles auf einen Shootout hin und hier sehe ich die Chiefs knapp vorne. Sie wissen einfach wie es funktioniert und wie man die letzte Schippe drauf packt. Das beste Beispiel konnten wir letzte Woche sehen, als Head Coach Andy Reid (62) mit seinem Backup Quarterback Chad Henne (35) den Sieg im Entscheidenden Spielzug sicherte und die Browns nichtmehr an den Ball kommen ließ.

Wer wird Champion der NFC

Wie bereits erwähnt schafften die Buccaneers zuletzt 2002 so tief in die Postseason zu kommen. Damals gelang der ganz große Wurf. Beim Sieg über die Oakland Raiders reckten am Ende die Bucs die Vince Lombardi Trophy in den Nachthimmel von San Diego. Heute könnte dieses Team erneut Geschichte schreiben. Denn noch nie gelang es einem Team in den Super Bowl einzuziehen und dort ein Heimspiel zu genießen, der diesjährige Super Bowl findet nämlich in Tampa Bay statt. Mit der Verpflichtung von Tom Brady holte sich die Franchise das nötige Gewinnergen in die Mannschaft. Um Brady herum bildete man in der Offseason ein wahres All Star Team. Mike Evans (27) und Chris Godwin (24) waren bereits unter Vertrag und lieferten schon letztes Jahr enorm ab. Mit dazu kamen Tight End Rob Gronkowski (31), Runningback Leonard Fournette (26), sowie Skandal Receiver Antonio Brown (32). Insgesamt ein beneidenswertes Waffen Arsenal.

Embed from Getty Images

Und die Bucs brachten die PS voll auf die Straße. 4633 Passing Yards von Brady waren in seiner langen Karriere die viertbeste Leistung, die 40 Passing Touchdown Marke konnte er bisher nur ein einziges weiteres Mal passieren, und zwar 2007 als er ganze 50 Mal in die gegnerische Endzone passte. Dieses Jahr warf Brady das lederne Ei am liebsten zu Mike Evans, welcher das Kunststück vollbrachte in jedem seiner sieben Jahre in der Liga über 1000 Receiving Yards zu sammeln. Dahinter verteilte Brady die Pässe auf viele weitere Akteure, ganze zehn unterschiedliche Receiver fand er für sechs Punkte in der Endzone. Auf Brown muss er gegen Green Bay allerdings verzichten, dieser laboriert an einer Knieverletzung.

Die tollen Leistungen Bradys in den Schatten zu stellen ist alles andere als einfach, seinem heutigen Gegenüber, Aaron Rodgers, gelang dies allerdings mit Bravour. Rodgers konnte in der regulären Saison mit 121.5 das zweithöchste Passer-Rating aller Zeiten abliefern. Das drittbeste Rating lieferte Peyton Manning (44) 2006, es betrug 121.1. Auf Platz eins, dreimal dürft ihr raten, natürlich wieder Aaron Rodgers, 122.5 ist der unangefochtene Rekord aus dem Jahr 2011. Vor der Saison wurde die Offseason der Packers von vielen Seiten als nicht schlagkräftig abgetan, sämtliche Kritiker straften ARod, Wide Receiver Davante Adams (28) und Head Coach Matt LaFleur (41) Woche für Woche Lügen. 4299 Passing Yards, 48 Passing Touchdowns und 70,7 Prozent angekommene Pässe sind eine Klasse für sich und sollten Rodgers definitiv den Titel des MVP´s einbringen. Seinen zweiten Ring hätte dieser aber wohl lieber. Adams kam trotz zweier verletzungsbedingter Spieltage auf Karrierebestwerte in beinahe jeglicher Hinsicht. Als kongenialer Partner seines Quarterbacks sammelte er 115 Catches, 1374 Yards und 18 Touchdowns.

Embed from Getty Images

In den 19 Jahren Championship Abstinenz der Bucs schafften es die Cheeseheads fünf Mal in das Finale der NFC, den letzten Schritt ins ganz große Endspiel konnte man aber nur ein einziges Mal gehen. Besonders für Rodgers wäre ein weiteres Ausscheiden vor dem Super Bowl ein Schlag ins Gesicht. Für den Quarterback ist das heutige Spiel um den NFC Titel bereits das fünfte, keines der vier zuvor konnte er zu Hause im Lambeau Field bestreiten. Die Prämiere in der Frozen Thundra ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Packers. Wenn wir ein Jahr zurückblicken und das Championship Game gegen die San Francisco 49ers betrachten, bekleckerte sich Green Bay nicht mit Ruhm. Dem überragenden Laufspiel der 49ers hatte man nichts entgegen zu setzen und flog verdient aus dem Playoff Rennen. Die Laufverteidigung zeigte sich mit Fortschreiten dieser Saison hingegen aber immer weiter verbessert. Pünktlich zur Postseason kam die gesamte Defensive in Form, von den vier verbleibenden Mannschaften stellen die Packers momentan die wohl beste Defense.

In Woche sechs trafen die beiden Franchises schon einmal aufeinander, damals war das Ganze eine glasklare Sache. Ein Sahnetag der Bucs Defense bescherten Rodgers einen unvergesslichen Tag, allerdings im negativen Sinne. Zwei Interceptions in einer Partie, das sieht man von ihm extrem selten. Am Schluss konnten die Buccaneers nach 10:0 Rückstand mit einer 38:10 Schmach für sich entscheiden. Seitdem hat sich bei beiden Teams einiges getan. Defensiv konnte Tampa Bay mit einer Ausnahme gegen die Detroit Lions nichtmehr annähernd an die Leistung in Green Bay anknüpfen, offensiv spielten sie bis zuletzt ihren Stiefel herunter. Die Packers hingegen schienen aus dieser Niederlage sämtliche Schlüsse zu ziehen, die es zu ziehen gab. In jeglicher Hinsicht verbesserte sich das Team seitdem. Die Offensive wurde effektiver als alle anderen der NFL, besonders in der Redzone. Knapp 80 Prozent der Spielzüge innerhalb der gegnerischen 20 Yards enden mit sechs Punkten für Grün und Gold. Defensiv stabilisierte man die Schwächen gegen den Lauf und konnte in Woche 16 sogar Derrick Henry (27) bei unter 100 Rushing Yards halten. Das Defensive Backfield rund um Shutdown Cornerback Jaire Alexander (23) wird auch zukünftig abliefern wie kaum ein zweites. Das Schlüssel-Matchup sehe ich beim Blick auf die Linebacker der Bucs. Devin White (22) und Lavonte David (31) sind das beste Linebacker Duo der gesamten NFL, in Woche sechs waren sie die Beiden Verantwortlichen für den Kantersieg.

Resumee

Jeder Football Fan kennt wohl den Spruch: „Offense wins games, defense wins Championships“. Immer öfter scheint dieser allerdings nichtmehr zu passen. Alle vier Teams der Conference Finals sind offensiv unter den Top Sechs der Regular Season. Doch von den besten Defensiven, wie den Pittsburgh Steelers, den Los Angeles Rams oder den Indianapolis Colts ist keiner mehr vertreten. Interessant ist außerdem, dass es sich bei den vier Verbleibenden, meiner Meinung nach, auch um die vier besten und vor allem konstantesten Teams handelt. Ein großes Favoritensterben konnte man dieses Jahr nicht beobachten. Die fehlende Konstanz wurde besonders den Seattle Seahawks sowie den lange ungeschlagenen Steelers schlussendlich zum Verhängnis. Heute Abend können wir uns also auf zwei spannende Partien auf Augenhöhe freuen, die myNFL.de Redaktion wünscht euch viel Spaß.

To Top