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Cincinnati Bengals – McVay 2.0?

CINCINNATI BENGALS – MCVAY 2.0?

Gefühlt kommt es mir so vor, als schreibe ich seit Jahren immer dasselbe wenn es um die Cincinnati Bengals geht. In den vergangenen drei Jahren dreht man sich mehr oder weniger immer wieder im Kreis. Man startet mit den Ambitionen es wieder in die Playoffs zu schaffen, nach wenigen Wochen ist man dann aber meist auf dem Boden der Tatsachen angelangt. 6, 7, 6, dass sind die Siege der Mannschaft aus den vergangenen drei Jahren. Auch den Verantwortlichen ist nicht entgangen, dass man stagniert. Der Grund hierfür wurde nun von Seiten des Management gefunden und entsprechend reagiert.

Aus Nach 16 Jahren

Marvin Lewis (60) stand insgesamt 16 Jahre für die Cincinnati Bengals an der Seitenlinie. Hier einen Cut zu ziehen ist sicherlich keinem der Beteiligten leicht gefallen. Trotzdem musste man aus Sicht der Verantwortlichen der Franchise diesen Schritt nun gehen. Wenn man mich fragt, ein Schritt der schon spätestens vor einem Jahr hätte passieren müssen. Grundsätzlich bin ich niemand, der wenn es bei einer Mannschaft nicht läuft, sofort auf den Coach zeigt. Den Misserfolg stets beim Head Coach zu suchen erscheint mir all zu oft zu einfach. In diesem Falle gab es aber aus meiner Sicht keine andere Alternative.

Lewis übernahm die Bengals 2003 und formte das Team nach seinem Interesse. Insgesamt schaffte er es in dieser Zeit sieben Mal in die Playoffs. Dies ist in meinen Augen eine ordentliche Leistung. Bemerkenswert ist aber auch, dass man bei allen Playoff-Teilnahmen bereits im ersten Spiel scheiterte. Um die Kehrseite der Medaille etwas hervorzuheben: Unter Marvin Lewis gelang den Cincinnati Bengals, in seinen 16 Jahren, kein einziger Playoff-Sieg! Trotz der sieben Teilnahmen! Als man es von 2011 an fünf mal in Folge in die Playoffs schaffte und trotzdem keinen Sieg holte, hätte man in meinen Augen schon reagieren müssen.

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Das man nach einer so langen Zeit seinen Coach nicht nach dem erreichen der Playoffs vor die Tür setzen möchte, kann ich menschlich nachvollziehen. Allerdings ist die NFL auch knallhartes Business. In anderen Franchises der Liga wäre der Kopf mit Sicherheit schon gerollt. Als man 2016 und 2017 mit 6 bzw. 7 Siegen die Saison beendete, war für mich das Kind schon in den Brunnen gefallen. Während der wichtigsten Phase der Saison, schaffte es Lewis nicht, dass sein Team die Leistung abliefert, zu der es meist während der regulären Saison im Stande war. Als dann auch noch Rückschritte hinzu kamen, war für mich klar, dass man keine größeren Erfolge mehr haben wird. Zum Schutz muss man auch sagen, dass die Bengals häufig vom Verletzungspech geplagt wurden. Für die Kaderbildung und das Schaffen einer ausgewogenen Balance in den Mannschaftsteilen, ist letztlich aber auch der Head Coach verantwortlich.

Marvin Lewis ist zweifelsohne ein guter Coach. Vor allem für seine offene und ehrliche Art wird der sympathische Übungsleiter gelobt. Das Man-Management gehört sicherlich zu einer seiner herausragenden Fähigkeiten. Aber letztlich war es vor allem seine akribische Arbeit mit der Defensive, welche ihn die Tür für die NFL öffnete. Nun musste er nach 16 Jahren die Segel in Cincinnati streichen. Sicherlich ein Neuanfang für ihn, aber auch für die Franchise. Diese hat den jungen Zac Taylor (36, HC, Bengals) als Nachfolger auserkoren.

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Á La McVay?

Das man auch mit einem jungen Head Coach erfolgreich sein kann, zeigten die Los Angeles Rams. Sean McVay (33) löste im zarten Alter von gerade mal 30 Jahren den erfahrenen Jeff Fisher (61) ab. Er änderte den Spielstil der Rams auf Anhieb und führte sie letzte Saison sogar in den Super Bowl. Dort verlor man nur knapp gegen die New England Patriots. Die Entwicklung seiner Franchise ist jedoch musterhaft. Seine Person löste nun einen neuen „Baby-Boom“ in der NFL aus. Urplötzlich scheinen Altmeister an der Seitenlinie ausgedient zu haben. Immer mehr Verantwortliche sind nun gewillt auch jungen Trainern eine Chance zu geben. Zac Taylor ist einer dieser jungen wilden!

Eine neue Trainerzunft, die auch bereit ist Risiko zu gehen und einfach eine neue, modernere Art des Trainings mit sich bringt. Während die NFL lange Zeit bekannt war für ihre „Alten Hasen“ am Spielfeldrand, gibt es mittlerweile acht(!!!) Head Coaches die sogar jünger sind als Tom Brady (42, QB, Patriots)! Nun hofft natürlich jeder, der es mit den Bengals hält, dass Taylor ähnliches vollbringt wie Sean McVay für seine Rams. Nicht zuletzt weil er auch unter McVay assistierte.

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Taylor verbrachte die letzten beiden Jahre bei den L.A. Rams und konnte somit die Transformation unter seinem Freund und Förderer Sean McVay hautnah miterleben. Jetzt versucht er das Ganze auf die Bengals zu übertragen. Ein Rezept oder eine Garantie des Erfolgs gibt es hierfür natürlich nicht. Selbst gibt er sich auch ganz bescheiden: „Ich versuche mein Bestes, würde aber nicht darauf Wetten, dass wir in zwei Jahren ebenfalls im Super Bowl stehen.“ Die Erwartungen sind zwar hoch, aber der Druck kaum höher als anderswo auch. Wenn die Fans auch von McVay 2.0 träumen, ist Taylor sein eigener Herr. Die Verantwortlichen wissen, dass ein neuer Sportlicher Leiter auch Zeit braucht, um seine Spielphilosophie zu entfalten. Auch die Kaderbildung wird sicherlich in den kommenden Jahren einige Veränderungen durchleben. Der ganz normale Prozess eben.

Was Passiert Mit A.J. Green?

Eine dieser Personalien ist A.J. Green (31, WR). Der Wide Receiver gehört wahrlich zu den Besten seiner Position. Trotzdem befindet sich sein Arbeitgeber in einer Zwickmühle. Mittlerweile befindet sich der Spieler in seinem letzten Vertragsjahr. Eine Vertragsverlängerung scheint aktuell nicht realisierbar. Green fordert zu viel Geld. 2019 macht er allein über $15.000.000! Für einen Spieler der bereits jenseits der 30 ist, muss man sich schon drei mal überlegen, wie viel Geld man auf den Tisch legen möchte. Allen Anschein sind die Bengals aktuell nicht bereit auf die Forderungen des Spielers einzugehen. Außerdem hat A.J. Green bei all seinen Fähigkeiten auch eine große Liste an Verletzungen.

Lediglich in vier Spielzeiten konnte er alle Spiele in der Regular Season bestreiten. Im Moment erholt er sich von einer Fuß OP und wird noch vier bis sechs Wochen ausfallen. Ein weiterer Grund für ein Dilemma der Verantwortlichen. Die derzeitige Verletzung drückt natürlich auch den Preis für einen potenziellen Trade. Falls überhaupt ein Team bereit ist, für einen verletzten Spieler zu Traden, dann sicherlich für die Vorstellungen der Bengals. Welche Optionen hat man also in diesem Fall? Man könnte entweder einen Kompromiss mit dem Spieler finden und sich auf eine weitere Zusammenarbeit einigen, ebenso wäre ein Trade, für wahrscheinlich weniger als man haben möchte, eine Alternative falls man an eine Einigung nicht mehr glaubt. Oder man bringt die Saison standesgemäß zu Ende und geht danach getrennte Wege.

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Ausblick auf 2019

Interessant dürfte die 8. Woche werden. Am 8. Spieltag gastiert man bei den Los Angeles Rams, wo es ein Wiedersehen mit Sean McVay geben wird. Ein Spiel, welches für beide Head Coaches sehr wichtig sein wird. Ansonsten gilt es zunächst die Arbeit der Vorbereitung auch möglichst gut umzusetzen. In diesem Jahr wird man die ein oder andere Niederlage verschmerzen können, so lange die Art und Weise des Spiels stimmt. Probleme wird es sicherlich hier und da geben, das ist völlig normal und einkalkuliert. Am Ende wird entscheidend sein, was unter dem Strich herauskommt.

Für 2019 erwarte ich keine Wunder von den Bengals. Ein neuer Head Coach benötigt Zeit, welche er auch bekommt. Die Playoffs als Ziel halte ich für unrealistisch und übertrieben. Unabhängig des Kaders, müssen sich die Spieler erst mal auf die neue Situation und Spielphilosophie einstellen. Außerdem erachte ich weder das Mannschaftsgefüge, noch die individuelle Power der Bengals als so stark, dass sie mit dieser Situation problemlos umgehen werden. Es werden wohl kaum mehr Siege wie letzte Saison heraus kommen. Natürlich hoffe ich für Taylor und sein Team nur das Beste, aber auf eine gute Saison der Bengals würde ich nicht Wetten.

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