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Cincinnati Bengals – Viel Zeit Notwendig

CINCINNATI BENGALS – VIEL ZEIT NOTWENDIG

Die Cincinnati Bengals befinden sich seit letzter Saison in einem Neuaufbau. Nach 16 Jahren unter Head Coach Marvin Lewis (61) entschieden sich die Verantwortlichen für eine Änderungen vor der letzten Saison. 7 mal führte Lewis sein Team in den Playoffs, wobei man stets in der Wild Card Round scheiterte. Nach mehreren Jahren der fehlenden Entwicklung, wollte man einen neuen Weg gehen. Dafür holte man einen Jungspund. Dieser hat sich bei den Bengals eine unglaublich schwere Herausforderung aufgeladen, für die sicherlich viel Zeit notwendig sein wird.

Viel Arbeit Für Den Jungspund

Der Verjüngungswahn, welcher seit dem unglaublichen Erfolg von Sean McVay (34, HC) mit den Los Angeles Rams umsichgreift, machte auch im US-Bundestaat Ohio nicht halt. So wurde der gealterte Lewis gegen den mittlerweile 37 jährigen Zac Taylor eingetauscht. Taylor erlangte als verlängerter Arm und Quarterback Coach unter McVay Berühmtheit. Er half maßgeblich bei der Transformation der Rams von einem schwachen Team zum Super Bowl Kandidaten mit. Ähnliches erhoffen sich die Verantwortlichen der Bengals nun für ihre Franchise. Mit der Ernennung von Taylor zum neuen Hauptverantwortlichen ist den Offiziellen der Franchise sicherlich klar gewesen, dass eine erfolgsbringende Veränderung nicht über Nacht passiert. Mit der Ernennung eines neuen Head Coaches geht ein oftmals jahrelanger Prozess mit einher.

Kaum ein neuer Coach hat in der NFL auf anhieb großen Erfolg. Zumindest nicht, wenn er die Franchise so vorfindet, wie es bei den Bengals der Fall war. Am Kader muss nämlich defacto viel gearbeitet werden, um diesen wieder auf Playoff-Niveau zu bekommen. Somit ist das letztjährige Abschneiden von 2 – 14 – 0 zwar enttäuschend, aber Taylor sollte noch genügend Kredit verspüren, um diese katastrophale Saison unversehrt zu überstehen. Der Druck für ihn wird erst in den folgenden Jahren erhöht werden. Schätzungsweise könnte er sich auch noch eine suboptimale Saison 2020 erlauben, ohne Angst um seine Position haben zu müssen. Wenn man den Weg eines neuen Coaches geht, der vor allem auch sehr jung ist, sollte man als Verantwortliche auch entsprechend Vertrauen und Geduld mitbringen.

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Natürlich weiß auch Taylor, dass er nicht ewig Zeit bekommt, um in dieser Liga Erfolg zu haben. Trotzdem kann ich auch keinen Youngster, der gerade mal sechs Spielzeiten in der Liga, auf diversen Assistenz- bzw. Positionscoaching Stellen verbracht hat, auf einen Chefposten setzen und erwarten, dass dieser innerhalb weniger Wochen und Monate mein gesamtes Team von einem mittelmäßigen zu einem Playoff-Team umgestaltet. Sicherlich muss auch Taylor erst noch seinen Platz in diesem Zirkus finden. Das erste Jahr dient allgemein auch erst mal dazu, sich gegenseitig zu beschnuppern. Jedes Team muss die Idee seines Trainers erst mal kennenlernen. Egal in welcher Sportart, geht dies dann manchmal schneller oder kürzer. Der Trainer lernt im Gegenzug, welche Spieler mit dem System zurechtkommen und auf wen er sich verlassen kann.

Win-Win Situation

Wenn der wichtigste Spieler einer Franchise hinzukommend die gesamte Saison verletzungsbedingt pausieren muss, ist das natürlich wenig hilfreich. A.J. Green (31, WR) ist seines Zeichens einer der besten Wide Receiver der Liga. Jahrelang konnte sich das Team auf dessen Fangsicherheit verlassen, wenn er nicht verletzt war. Das ist genau genommen nämlich die Achillesferse von Green. Immer wieder hat er in den letzten Jahren verletzungsbedingt gefehlt. Trauriger Tiefpunkt 2019, wo er kein einziges Spiel machen konnte. In den vergangenen zwei Jahren war er somit gerade mal bei neun Partien auf dem Feld gestanden. Spielt Green liefert er verlässliche Zahlen und unterstreicht damit seine Wichtigkeit, ihn wird das Team auch 2020 brauchen um wieder erfolgreicher sein zu können. Um das Augenmerk auf eine bessere Saison 2020 zu legen, hatte Taylor zum Ende der letzten Saison bereits den Grundstein gelegt. Nach überwundener Verletzung hätte der Star Receiver laut Insidern wohl sogar noch zum Ende der abgelaufen Spielzeit eingreifen können. Auf Anordnung des Head Coaches persönlich, soll Green jedoch nur mit dem Team trainiert haben.

Hintergrund war hier wohl die vollständige Genesung des Superstars. Taylor wollte in einer ohnehin verkorksten Saison sein wichtigstes Puzzleteil nicht unnötig opfern um am Ende vielleicht zwei Siege mehr auf dem Konto zu haben. Damit hat Taylor natürlich nicht das Rad neu erfunden. Auch andere Coaches handelten so bereits in der Vergangenheit. Schließlich hat man durch die Tatsache, dass kein Team 2019 schlechter war als die Bengals, zur Versüßung das erste Auswahlrecht beim diesjährigen Draft erhalten. Star geschont und den ersten Pick erhalten. Eine klare Win-Win Situation. Diese Tatsache lässt den Teamaufbau im Sinne von Taylor natürlich voran bringen. Das Auswahlrecht nutzte man schließlich um Quarterback Joe Burrow (23) auszuwählen. Burrow kommt mit viel Lorbeeren in die Liga und stand bei fast allen Scouts und Experten sehr hoch im Kurs. 2019 wurde er zum besten Collegespieler des Landes gewählt. Seine Auswahl ist fast schon eine logische Konsequenz. Zumal sich der bisherige Strippenzieher mit wenig Ruhm bekleckert hat.

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Seit 2011 wurde das Team von Andy Dalton (32, QB) angeführt. Dalton konnte immer wieder vielversprechende Ansätze zeigen, mehr jedoch nicht. Auf eine gute Partie folgten dann wieder zwei durchwachsene. Auf einen Ausnahme Pass folgten drei schwache. Es war ihm leider nie gänzlich möglich, dem Team seinen unantastbaren Stempel aufzudrücken. Den größten Vorwurf, welchen sich der Spielmacher wohl gefallen lassen muss ist, dass er es nicht schaffte die Fehlerquote zu verringern. Nach anfänglichen Rookie-Missgeschicken, konnte er auch seine Turnover-Quote nur gering verbessern. An seine bislang beste Saison 2015, die er mit einem starken Rating von 106.2 beendete, konnte er bei weitem nie wieder anknüpfen. Ein Wechsel auf dieser Position, wenn ein junges Talent wie Burrow zur Verfügung steht, erscheint daher nur wenig überraschend. Nach dem Draft wurde Dalton zügig entlassen und hat nun bei den Dallas Cowboys einen neuen Arbeitgeber gefunden. Dort wird er wohl als Back-Up fungieren.

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Aussichten 2020

Ich traue den Bengals für 2020 definitiv eine bessere Rolle wie 2019 zu. Trotzdem ist der neue Quarterback auch noch sehr jung und in seinem ersten Jahr. Dies sollte man nicht unterschätzen. Mit Kapitän A.J. Green kehrt eine gefährliche Offensivwaffe zurück. Trotzdem weist das Team für meine Begriffe noch weitere tiefe Löcher auf. Die Franchise befindet sich in einem neuen Aufbau, welcher sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Den Hauptkern wird dabei aber tatsächlich der junge Burrow bilden. Je nach dem wie schnell er sein Spiel in der Liga findet, sehe ich auch die Entwicklung der Franchise erheblich betroffen. Zumal die AFC North, durchaus auch einiges an Konkurrenz zu bieten hat. Man trifft schließlich zweimal in der Saison auf den Haudegen Ben Roethlisberger (38, QB) und seine Pittsburgh Steelers. Ebenso wartet mit Lamar Jackson (23, QB) nicht nur der amtierende M.V.P. sondern auch ein ernstzunehmender Super Bowl Kandidat. Seine Baltimore Ravens werden sicherlich auch 2020 einige heiße Eisen im Feuer haben. Auch die Cleveland Browns sollte man nicht unterschätzen. Zwar enttäuschte das Team 2019 auf ganzer Linie, auf dem Papier hat man trotzdem eine der besten Offensiven der Liga.

Man tut also gut in Cincinnati auch für 2020 nicht zu viel zu erwarten. Falsche Vorstellungen können schnell zu Enttäuschungen führen. Dies wirkt sich auch negativ auf die Moral der Spieler aus. Unglückliche Spieler können einen schnell an einem Projekt zweifeln lassen. Jenes lässt sich aktuell bei den Browns hervorragend beobachten. Nach den grandiosen Verpflichtungen in der letzten Offseason wurde bereits vom Super Bowl oder mindestens Playoffs gesprochen. Am Ende landete man mit einer Bilanz von 6 – 10 – 0 im Niemandsland der Liga. Die Folge sind Gerüchte, dass der Ein oder Andere Starspieler bereits nach kurzer Zeit seine Zelte wieder abbrechen möchte und zu einem anderen Team wechseln möchte. Ob das passiert oder nicht, liegt natürlich auch an den Verantwortlichen, die Enttäuschung innerhalb der gesamten Franchise lässt sich aber nicht beiseite Räumen. Zac Taylor hat noch viel Arbeit vor sich und tut gut daran, für seine Bengals erst mal ganz klein zu Kochen. Angesichts der Konkurrenz in der eigenen Division, sicherlich realistisch. Trotzdem sollte es definitiv mehr Siege geben als im vergangenen Jahr. Warum? Rückkehrer A.J. Green und Rookie-Quarterback Joe Burrow stimmen mich da durchaus positiv!

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