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Denver Broncos – Zu Viele Baustellen

DENVER BRONCOS – ZU VIELE BAUSTELLEN

Vor noch gar nicht all zu langer Zeit waren die Denver Broncos dick im Geschäft. Mit Quarterback Legende Peyton Manning (43) im Zentrum des Geschehens, gehörte man zu den ganz wenigen Teams, welche zumindest eine zeitlang den New England Patriots Paroli bieten konnten. In den vier Jahren von Manning (2012 – 2015) schaffte man es zweimal in den Super Bowl. 2015 zum 50. Jubiläum, nahm man dann die Vince Lombardi Trophäe auch mit nach Hause. Seither ist es sehr still um die Franchise geworden. Einen solch gnadenlosen Fall nach dem Rücktritt Mannings hatte nicht unbedingt jeder erwartet.

Verlust Der Dominanz

Als Manning sich für die Broncos entschied, konnte man diese Entscheidung gut nachvollziehen. Die Franchise war damals gut aufgestellt. Offensiv hatte man einige Waffen zu bieten und in der Verteidigung bildete man nach und nach eine bärenstarke Defensive. Rund um Outside Linebacker Von Miller (30) wurde eine Defensive aufgebaut, die über mehrere Jahre hin die gesamte AFC dominierte. Während in der NFC die Legion of Boom der Seattle Seahawks ihr Unwesen trieb, durften sich in der AFC Woche für Woche die Teams bei der Broncos „D“ die Zähne ausbeißen.

Mittlerweile haben die Teams etwas die Furcht vor der Denver Defense verloren. Freilich gehört auch aktuell Denvers Verteidigung zu den Besten der Liga. In nahezu allen wichtigen Statistiken gehört man wieder mit zu den Besten. Trotzdem ist sie nicht mehr ganz so dominant wie noch vor wenigen Jahren. Der Kern der damaligen Verteidigung ist zwar weiterhin bei den Broncos unter Vertrag, aber mittlerweile auch ein paar Jahre älter. Bei dem ein oder anderen Spieler wirkt es so, als habe man die besten Jahre hinter sich. Dies soll aber nicht heißen, dass man nicht mehr zu guten Leistungen in Stande ist. Sicherlich hat man auch weiterhin gute Spiele, jedoch permanent auf einem Top Niveau zu agieren ist in der NFL, gerade wenn man mal eine Drei im Alter vorne stehen hat, nicht mehr so einfach.

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Die große Stärke in der Manning Ära war der unglaubliche Pass Rush in Verbindung mit den starken Defensive Backs. Beides ist auch weiterhin noch gut, aber nicht mehr überragend. Dies führt dann nämlich zum nächsten Punkt. Während gerade im letzten Jahr Mannings die Defense das gesamte Team getragen hat, ist dies aktuell nicht mehr möglich. Trotz ihrer ordentlichen Leistung fehlen mehrere Prozente, um das gesamte Team zu tragen. Angesichts der Tatsache, dass viele nicht mehr in ihrer Prime agieren, braucht es in Denver mehr als „nur“ eine Defensive die funktioniert. Die absolute Dominanz wie man sie vor Jahren hatte ist vorbei.

Fragwürdiges Play Calling

Der Fall der Broncos deutete sich schon direkt nach Mannings Rückzug an. Obwohl man nach dem Super Bowl Gewinn 2015, die Folgesaison mit einem 9 – 7 – 0 beendete, verpasste Denver die Playoffs. Damals schaffte die Verteidigung es, zumindest noch eine positive Bilanz zu wahren. In der Folgezeit funktionierte dies nicht mehr. Zu häufig wurde die Defense allein gelassen. Ein Nachfolger von Manning war weit und breit nicht in Sicht, was das Offensivspiel natürlich auch massiv beeinträchtigte. Mit Vic Fangio (61, Head Coach) hat man aktuell den dritten Head Coach in vier Jahre ernannt. Unter ihm soll auch die Offensive wieder besser zur Geltung kommen. Bislang kann man dies jedoch nicht behaupten.

In allen wichtigen Offensiv Statistiken gehört man zu den schlechtesten Teams der Liga. Mit im Schnitt 16,00 erzielten Punkte pro Partie, gibt es sogar nur drei Teams welche schlechter sind. Eine enttäuschende Ausbeute für eine Franchise, die mit Legenden wie eben Manning oder auch GM John Elway (59, QB, HOF) Super Bowls gewann. Hinzu muss man auch sagen, dass gerade die Offensive nicht unbedingt mit ganz schlechten Waffen bestückt ist. Wide Receiver Emanuel Sanders (32) ist zwar nicht mehr der Jüngste, aber immer noch ein guter Passempfänger. Auch der junge Courtland Sutton (24, WR) hat sich zu einem guten Receiver entwickelt.

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Schaut man sich die Statistiken des Laufspiels an, dann werden auch Laien feststellen, dass es da schlechtere gibt. Mit im Schnitt 4,6 Yards Raumgewinn pro Laufversuch gehört Phillip Lindsay (25, RB) definitiv zu den besseren auf seiner Position. Auch sein Stellvertreter Royce Freeman (23, RB) knackt mit 4,2 Yards pro Laufversuch die wichtige 4,0 Yard Marke. Also man sieht, dass es durchaus Potenzial gibt. Für mich sinnbildlich, ist jedoch auch das derzeitige Play Calling. Es wird versucht zu sehr „auf Teufel komm raus“ das Laufspiel zu etablieren. Erst jüngst gegen die Kansas City Chiefs versuchte man trotz missglückten erste Läufe bei einem 1st Down, gleich nochmal einen hinterher zu schieben. Dies führte zu vielen 3rd and long Situationen. Eine Drucksituation, die hausgemacht ist. Hier benötigt man mehr Fingerspitzengefühl. Auch das Play-Design mehrerer Calls halte ich nicht für besonders kreativ und schon gar nicht auf den Kader zugeschnitten.

In der Offseason holte Denver Joe Flacco (34, QB) von den Baltimore Ravens. Ein mittlerweile solider Spielmacher und ehemaliger Super Bowl M.V.P. In der Saison 2012 führte er seine Ravens zum Super Bowl. Mit einer perfekten Postseason war der Erfolg auch Flacco zu verdanken. Anstatt sich also mal mit dem Spieler auseinander zu setzen und zu versuchen dessen Stärken zur Geltung zu bringen, fühlt es sich so an, als wolle Fangio seinen Stiefel spielen lassen. Flacco ist ein Quarterback, der Sicherheit braucht. Bei den Ravens hat man ihm daher zu Beginn einer Partie oftmals viele schnelle, kurze Pässe gegeben. Wenn der Spieler seinen Rhythmus findet, ist er nicht nur ein Game Manager. Dazu braucht er jedoch Selbstvertrauen. Etwas, das er im Moment nicht besitzt. Bei den Ravens ausgebootet und bei den Broncos falsch eingesetzt, sehe ich ihn nicht sehr lange bei Denver. Hinzu kommt nämlich auch, dass für Flacco eine gute Offensiv Line wahrscheinlich wichtiger ist, wie für andere Spieler. Neben Selbstvertrauen, benötigt „Joe Cool“ auch eine gewisse Sicherheit in der Pocket. Dies ist etwas, dass ihm die O-Line der Broncos nicht geben kann.

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Schwachstelle O-Line

Ein seit Jahren bestehendes Problem der Franchise ist die schwache O-Line. Zu häufig gerät der Quarterback der Broncos unter Druck. Zu häufig muss er schauen, dass er den schnell Ball los wird. Dies geschieht oftmals unkontrolliert und führt somit zu Fehlern. Eine Überraschung ist es nicht, dass Flacco in den bislang 7 Spielen bereits 5 Interceptions geworfen hat. Angesichts der häufigen Drucksituationen ist seine Passquote sogar noch überaus gut. Mit im Schnitt 65,70 % bewegt sich der Spielmacher auf einem guten Niveau. Hier gäbe es Spieler, die wahrscheinlich deutlich schlechter wären. Dies kann man sicherlich der Erfahrung Flaccos zuschreiben. Ein weiterer Indiz der schwachen Offensive Line sind die Sacks. Mit 3,4 Sacks pro Partie rangiert die O-Line auf Rang 27 von 32 Teams!

Mit einem solchen Druck muss man erst mal umgehen können. Habe ich dann durch das fragwürdige Play Calling auch noch zusätzlichen Druck selbstkreiert, wie 3rd and long, dann trägt das natürlich nicht zur Sicherheit der Offensive bei. Nichts wirkt selbstverständlich. Weder Quarterback noch Anspielstationen haben bislang einen guten Rhythmus gefunden. Nebenbei erwähnt kann man die zwei bisherigen Siege auch wieder auf die Defensive zurückführen. Gegen die Tennessee Titans und Los Angeles Chargers erlaubte man nur insgesamt 13 Punkte! Es wird also sicherlich noch ein weiter Weg und viel Arbeit auf Fangio und sein Team zu kommen. Wo man da am besten anfängt? Gute Frage! Den größten Fehler, den die Broncos von Seiten des Managements machen könnten wäre, wenn man schnell wieder das Vertrauen in Fangio oder Flacco verliert. Man muss auch mal wieder bereit sein einen Weg zu gehen und nicht wieder nach kürzester Zeit abbrechen. Allerdings lässt sich auch jetzt schon vermuten, dass in absehbarer Zeit ein großer Umbruch im Kader vorgenommen werden muss. Fraglich ist, ob dieser sanft über mehrere Jahre erfolgen wird oder radikal á la New York Jets in kürzester Zeit.

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