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Die Jon Gruden Story

DIE JON GRUDEN STORY

Im Januar 2018 sorgte Jon Gruden (55) mit nur einer einzigen Unterschrift für fette Schlagzeilen. Zehn Jahre nach seinem letzten Job bei einer NFL Franchise unterzeichnete er bei den Oakland Raiders einen Rekorde brechenden Vertrag. Dieser soll ihn für die nächsten zehn Jahre in Kalifornien satte $ 100 Mio. einbringen. Nun steht Gruden nach einer Seuchensaison nicht nur dank „Hard Knocks“, einer TV Sendung von HBO welche hinter die Kulissen des Teams sieht und die Raiders noch bis zum Saisonstart in vier Wochen verfolgt, wieder voll im Rampenlicht. Doch wer ist dieser Jon Gruden überhaupt? Und wie konnte er sich einen derart eigenen Namen in der NFL machen?

FRÜHES LEBEN

Jon David Gruden wurde am 17. August 1963 in Sandusky, Ohio geboren. Der Football wurde im schon früh in die Wiege gelegt, denn sein Vater verdiente seine Brötchen als Scout, Runningback Coach und später als Personalmanager bei den Tampa Bay Buccaneers. Auch sein jüngerer Bruder Jay Gruden (52) wurde quasi in die NFL hineingeboren und coacht heute ebenfalls ein NFL Team, die Washington Redskins. Lediglich der dritte Gruden Sprössling, James, kehrte dem Familiensport den Rücken zu und ist heute als Arzt tätig.

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Im Alter von 15 Jahren ging Jon auf die Clay High School in South Bend, Indiana. Zur gleichen Zeit war sein Vater Assistent Coach an der University of Notre Dame, welche sich in der direkten Nachbarschaft der Clay High School befindet. 1981 schrieb sich der große Cleveland Browns Fan Jon am Muskingum College ein, welches er aber nach einem Jahr wieder verließ um die University of Dayton zu besuchen. Dort spielte er zwar im College Football Team als Quarterback, kam aber kaum auf Spielzeit und nie über die Backup Rolle hinweg.

BEMERKENSWERTER AUFSTIEG

Als Spieler konnte er nie herausstechen, somit kam eine Profikarriere also nicht infrage. Die Liebe zum Football konnte ihm allerdings keiner nehmen. Und so kam es auch schon zu seinem ersten Coaching Posten. Während der Saison 1985-1986 assistierte er an der University of Tennessee seinem Head Coach, in den beiden folgenden Spielzeiten wurde er dann als Quarterback Coach an der Southeast Missouri State angestellt. Schon damals fiel Gruden mit seinem enormen Football Verständnis auf. 1989 bis 1992 bediente er weitere verschiedenste Coaching und Assistenten Posten bei der University of the Pacific, den San Francisco 49ers und der University of Pittsburgh.

Im Januar 1992 war es dann soweit. Im zarten Alter von gerademal 28 Jahren fand Gruden den Weg zu seinem ersten richtigen Trainerposten in der NFL und heuerte als special offensive assistant und wide receiver Coach für die Green Bay Packers an. Drei Jahre verweilte er bei den „Cheeseheads“ ehe er vom ehemaligen Trainer Assistenten Ray Rhodes (68) zu den Philadelphia Eagles geholt wurde. Weitere zwei Spielzeiten später tat Gruden dann endgültig den Schritt zum obersten Trainerposten und wurde zum Head Coach der Oakland Raiders ernannt.

RÄUBER UND FREIBEUTER

Nach zwei erfolglosen Saisons als „Räuber“ baute „Chucky“ das Team schließlich so um, wie er sich wünschte. Seinen Spitznamen erhielt der Coach übrigens während seiner ersten Amtszeit bei den Oakland Raiders. Der ehemaligen Defensive Liner Grady Jackson (46) wies darauf hin, dass doch eine gewisse Ähnlichkeit zur bekannten Mörderpuppe bestand. Rich Gannon (53) wurde als neuer Starting Quarterback nach Kalifornien gelotzt und reifte unter Gruden zu einem der heißesten Eisen in der NFL. Viermal in Folge schaffte Gannon es in den Pro Bowl gewählt zu werden, außerdem führte er die Raiders dreimal am Stück in die Playoffs. Kein Wunder das man Jon Gruden noch heute als Quarterbackflüsterer kennt, machte er aus einem durchschnittlichen und umherwandernden Passgeber auf seine alten Tage noch einen mehrfachen Pro Bowler.

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Nach schlussendlich vier doch recht erfolgreichen Saisons und einem gesamten Sieg-Niederlagen-Verhältnis von 40 zu 28 unterzeichnete Gruden neue Arbeitspapiere bei den Tampa Bay Buccaneers, eine geschichtsträchtige Vereinigung. Kaum ein „Seeräuber“ krämpelte der neue Head Coach die Offensive in Tampa mit sehr vielen neuen Free Agents komplett um. Auf der anderen Seite des Balles sah er hingegen eher wenig Verbesserungspotential, war die Defensive in den letzten Jahren doch zur Nummer eins in der NFL aufgestiegen. Die Spielzeit 2002 stand für Gruden unter dem Motto „Pound the Rock“, mit Konzentration auf das zuletzt schwache Laufspiel.

Sein erstes Jahr sollte sogleich das erfolgreichste Jahr in Tampa für Gruden sein. Mit zwölf Siegen und vier Niederlagen ging es in die Playoffs. Mit einem Kantersieg über die San Francisco 49ers (6:31) zogen die Buccaneers sogleich ins NFC Championship Spiel ein. Und auch dort ließ man dem Gegner nicht den Hauch einer Chance. Denn auch die Philadelphia Eagles wurden regelrecht vernichtet und mit 27:10 aus dem eigenen Stadion gefegt. Schlussendlich stand der Superbowl 37 an und wie hätte es auch anders sein können war der Gegner Gruden`s ehemaliges Team, die Oakland Raiders. Doch auch Oakland blieb gegen Tampa Bay machtlos und ging schließlich mit 21:48 als Verlierer aus dem größten Sportereignis der Welt hervor, Chucky hingegen reckte die Vince Lombardi Trophy in den Nachthimmel von San Diego.

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An diese erfolgreiche Zeit konnte Gruden in den folgenden Jahren leider nichtmehr anknüpfen. 2003 und 2004 standen am Ende mit negativen Records von sieben Siegen zu neun Niederlagen und fünf Siegen zu elf Niederlagen in den Statistiken. 2005 kehrten die Bucs noch einmal in die Playoffs zurück, scheiterten aber bereits in der Wild Card Round an den Washington Redskins. Es folgte eine misserable Saison mit einem Verhältnis von vier zu zwölf. In seinen beiden letzten Jahren für die Buccaneers kam Gruden auf je neun Siege und sieben Niederlagen, was dann schließlich zur Entlassung des Head Coach`s führte.

PLAYSHEET GEGEN KRAWATTE

Im Mai 2009 tauschte Chucky sein Playsheet und sein Headseat gegen eine Krawatte und ein Mikrophon ein und seine TV Karriere begann. Mit seinem unglaublichen Know How und Footballverständnis konnte er zahlreiche neue Fans für sich gewinnen und bekam neben den Analyseabschnitten während verschiedener Partien auch seine ganz eigenen TV Sendungen. Jahr für Jahr und Vertrag für Vertrag vergingen, 2014 unterzeichnete Gruden dann seine letzten Papiere für ESPN, welche ihn bis 2021 an den Sender binden sollten. Eine einzige Unterschrift machte den Experten zur bestbezahltesten Personalie des gesamten Fernsehkanals, nur eine Floskel sollte den Vertrag vorzeitig beenden. Wenn Gruden wieder zurück an die Seitenlinie in der NFL kehren wolle, könne der Vertrag vorzeitig beendet werden. Wie wir heute wissen klopften die Oakland Raiders 2018 mit einem Angebot an Grudens Tür, welches dieser nicht ablehnen konnte. 2017 kommentierte er schließlich sein letztes Spiel im TV.

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BACK TO THE ROOTS

Nun soll Chucky die Oakland Raiders in eine neue Ära, eine erfolgreiche Ära führen. Dies begann er ähnlich wie bei seinem Amtsantritt bei den Tampa Bay Buccaneers, mit einem großen Umbruch im Mannschaftskader. Einer der besten Edge Rusher der gesamten Liga musste schon kurz nach der Ankunft des neuen Head Coach´s das Weite suchen. Khalil Mack (28, LB/DE) wurde für mehrere Draft Picks, unter Anderem zweier Erstrunden Picks zu den Chicago Bears verfrachtet. Dort absolvierte er seine vierte Pro Bowl Saison in Folge und eine seiner besten überhaupt. Seit dem Abgang von Mack war Pass Rush in Oakland wie ein Fremdwort und kaum vorhanden. Auch der junge, vielversprechende Wide Receiver Amari Cooper (25, WR) wurde verschachert und fand bei den Dallas Cowboys einen neuen Job. Cooper blühte in Dallas nach zweier schwacher Jahre förmlich auf. Während er als Raider in sechs Partien auf magere 280 Receiving Yards und nur einem Touchdown kam, konnte er in den letzten neun Begegnungen als Cowboy Pässe für starke 725 Yards und sechs Touchdowns sammeln. Zahlreiche Draft Picks in frühen Runden und einige namhafte Free Agents fanden daraufhin in dieser Preseason den Weg nach Oakland um das Team wieder auf Vordermann zu bringen. Die neu aufgestellten Raiders nahmen wir bereits in einem eigenen Beitrag unter die Lupe.

Noch immer spaltet Gruden die Gemüter und stößt nicht selten auf Gegenwind. Nicht überall kommt er mit seiner Art oder seinen Taten gut an. Auch seine neueste Wunschverpflichtung sorgte für Aufruhr. Mit Antonio Brown (31, WR) holte man sich eine wahre Diva ins Boot. Dieser soll aber das neue Gesicht der Franchise in Las Vegas präsentieren. Der Wide Receiver fällt momentan aber eher mit negativen Schlagzeilen auf (Frostbeulen an den Füßen, Helmstreik). Noch heute profitiert Gruden von seiner einmaligen Saison in Tampa, nach der er sich einen Ring an den Finger stecken konnte. Diese stellt auch die folgenden, eher schlechten Jahre in den Schatten. Man muss Gruden auch nicht mögen, mit seiner Art und Weise eckt er immer wieder an. Viele halten diese gar für aufgesetzt und geschauspielert. Seinen enormen Sachverstand für den Sport kann allerdings keiner leugnen. Ob dieser ihm erneut Ruhm einbringen wird, oder ob er mit seinen neuen Raiders scheitern wird, sehen wir ab dem neunten September, wenn die Denver Broncos zu Gast sind.

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