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Die Saison nach dem Triumph der Philadelphia Eagles

Die Saison nach dem Triumph der Philadelphia Eagles

Fünfter Februar 2018, U.S. Bank Stadium in Minneapolis, Endstand 33:41. Der eigentliche Backup-Quarterback  Nick Foles (29), reckt nach einer grandiosen Saison, voller Stolz die Vince-Lombardi-Trophy in die Luft. Nachdem viele die Philadelphia Eagles nach dem Kreuzbandriss ihres Stamm-Quarterbacks Carson Wentz (25), mitten in der Saison bereits abgeschrieben hatten, sorgte das Team der Eagles doch noch für eine riesige Überraschung. Im bis dato größten Spiel der Franchise-Geschichte rang man die Männer rund um Tom Brady (41, QB) nieder und holte damit den ersten Superbowl-Titel in die Heimat Rocky Balboas.

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Den wohl größten Anteil am Durchmarsch durch die NFL, trug wohl der Verbund der Mannschaft. Keine großen Stars oder Diven, die sich ins Rampenlicht drängten. Von Spiel zu Spiel deklarierte man sich selbst als Underdog und wuchs als Team immer wieder weit über sich hinaus. Besonders nach der schweren Verletzung ihres eigentlichen Spielmachers, wuchs man immer weiter zu einem Verbund zusammen und marschierte mit einer großen Selbstsicherheit durch die gesamte NFL. Schließlich konnten sie sogar die Favoriten, die New England Patriots, im größten Sportereignis der Welt bezwingen. Doch knapp zehn Monate später ist all der Glitzer bereits wieder verflogen. Die Philadelphia Eagles befinden sich in einer schwierigen Phase und sind wohl Opfer des viel zitierten Super-Bowl-Hangovers geworden.

neues personal

Frank Reich (56) trug ebenfalls einen großen Teil zum Titelgewinn bei. Der letztjährige Offensive-Coordinator sorgte dafür, dass der eher durchschnittliche Quarterback Nick Foles, durch seine Spielzüge und sein Playbook sehr gut aussah. Nicht zuletzt präsentierte er uns im großen Finale einen unvergessenen Moment. In einer spielentscheidenden Szene callte er den Trickspielzug, der als „Philly-Special“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte, in dem Foles einen Touchdown fing. Hiermit wurde der Weg Richtung Titelgewinn fast schon geebnet.

Nach diesem riesigen Erfolg, fühlte sich Frank Reich wohl zu größerem als den Posten eines Coordinators berufen. Vor dieser Spielzeit wurde er zum Head Coach bei den Indianapolis Colts ernannt und sorgt seitdem dafür, dass Andrew Luck (29, QB) wieder zu alter Form zurückfand und in Indianapolis sehenswerter Offensiv-Football praktiziert wird. Wie sich herausstellte ein herber Verlust für die Franchise aus Philly.

Diese Lücke neben Head-Coach Doug Pederson (50) sollte Mike Groh (46) füllen. Ein Trainer, der als ungedrafteter Quarterback erst ein Jahr bei den Baltimore Ravens und anschließend sogar ein Jahr in Deutschland verbrachte. In der NFL-Europe spielte Groh für Rhein-Fire, in Düsseldorf. Drei Jahre später konzentrierte er sich aber bereits voll und ganz aufs Coaching und das sogar gleich als Assistant Coach bei den New York Jets. Nach 11 Jahren in unterschiedlichen Positionen dreier Colleges, fand er 2013 schließlich den Weg in die NFL. Nach Stationen in Chicago und Los Angeles, landete er 2017 als Wide-Receiver-Coach bei den Philadelphia Eagles. Nachdem 2018 dann das Amt des Offensive-Coordinators frei wurde, rückte er anschließend in diese Lücke.

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In der Defensive sollte der Pass-Rush durch Defensive End Michael Bennett (33), der von den Seattle Seahawks kam, verbessert werden. Das ehemalige Mitglied der „Legion of Boom“ verbucht in seiner bisher neun Jahre alten Karriere 60,5 Sacks und drei Pro-Bowl-Teilnahmen. Nachdem die Eagles ihren Erstrunden-Draftpick zu den Baltimore Ravens tauschten, pickten sie sich in Runde zwei den Tight End Dallas Goedert (23), der für mehr Optionen in der Offensive sorgen sollte.

mangelnde offensiv-power

Auch wenn man vermutete auf der Position des Offensiv-Coordinators einen soliden Ersatz gefunden zu haben, stellt das Wide-Receiver-Corps eine der größten Mankos in der Offensive. Zwar belegt das Team im Passspiel insgesamt einen Mittelfeldplatz, dennoch sticht hier einfach keiner heraus. Dass hier die nötigen Top-Anspielstationen fehlen zeigte sich auch schon in der letzten Saison. Nur Zack Ertz (28) liefert, wie auch 2017, wieder ab und führt die interne Statistik der Passempfänger mit weitem Abstand an. Keiner der Wide Receiver drang auch nur annähernd in die Sphären des Tight Ends ein, was natürlich die nötige Explosivität in der Offensive mindert.

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Auch hier wollte man mit einem Last-Minute-Trade, am letzten möglichen Tag, noch Abhilfe schaffen. Von den Detroit Lions holte man den Veteranen Golden Tate (30), der schon einige grandiose Saisons auf dem Kerbholz hat. Aber die Offensive scheint weiter zu stagnieren. In der letzten Woche kam Wentz auf gerademal 236 Passing-Yards, bei nur einen Touchdown-Pass und das gegen die schwächelnden New York Giants. Mit Schuld am mittelmäßigen Passspiel ist auch die Offensive-Line. Die Männer rund um Center Jason Kelce (31), präsentieren sich nicht so solide wie letztes Jahr. Bereits 34 Mal konnte die gegnerische Defensive den Quarterback der Eagles zu Boden bringen. In der gesamten Vorjahressaison gelang dies 36 Mal. Ein Wert der schon am Sonntag, in Woche 13, überschritten werden könnte.

Spieler Receptions Receiving Yards Touchdowns
Zach Ertz (TE) 84 895 6
Nelson Agholor (WR) 47 467 1
Alshon Jeffery (WR) 40 461 4
Jordan Matthews (WR) 16 277 1
Dallas Goedert (TE) 21 221 3

verfolgt vom verletzungspech

Doch auch im Laufspiel konnte bisher keiner der vielen Runningbacks überzeugen, fast wöchentlich wechseln die Starter auf dieser Postition. Was wiederum wesentliche Auswirkungen auf das Passspiel hat. Denn man weiß, funktioniert das Laufspiel, rückt die Defensive nach vorne und schafft somit Platz in der Tiefe des Feldes. Hier fehlt eindeutig der eigentliche Stamm-Runningback Jay Ajayi (25), der erst letzte Saison zum Team stieß. In Woche fünf erlitt er gegen die Minnesota Vikings einen Kreuzbandriss, womit das Jahr für ihn vorzeitig beendet wurde.

Spieler Rushing Att. Rushing Yards Touchdowns
Josh Adams (RB) 56 291 2
Wendell Smallwood (RB) 63 257 1
Corey Clement (RB) 62 236 2
Jay Ajayi (RB) 45 184 3
Carson Wentz (QB) 26 100 0

Verletzungen plagen ganz besonders die andere Seite des Teams. In der Defensive, speziell im Backfield, fallen fast wöchentlich weitere Spieler aus. Elie Bouka (26, CB), Chris Maragos (31, S), Rodney McLeod (28, S) und ganz besonders Ronald Darby (24, CB) fehlen alleine schon im Backfield für die restliche Saison. Insgesamt stehen bereits 15 Spieler auf der Injury-Reserved-Liste, eine unschön hohe Zahl. Nur vier NFL-Teams haben mehr Langzeitverletzte als die Eagles. Mit Avonte Maddox (22), Jalen Mills (24) und Sidney Jones (22) fehlen drei weitere, vielversprechende Cornerbacks regelmäßig.

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Dementsprechend mies stehen sie auch in den Defensiv-Statistiken da. Mit im Schnitt 380,1 gesamten Yards Raumgewinn des Gegners, belegt man Platz acht der schlechtesten Defensiven der Liga. Wie schmerzlich hier die verletzten Spieler vermisst werden zeigt, dass man sich 2017 mit 306,5 durchschnittlichen Yards pro Partie, noch unter den besten vier Teams der NFL befand. Damals war die Defensive das Aushängeschild der Franchise.

super-bowl-hangover

Am Ende stecken die Philadelphia Eagles mitten in einer handfesten Krise. In der NFC East belegt die Franchise hinter den Dallas Cowboys und den Washington Redskins gerademal Platz drei. Ein herber Schlag nach einer solchen Überflieger-Saison. Und auch die übrigen Kontrahenten sind alles andere als Laufkundschaft. Am Sonntag wird sich bei der Partie gegen die Redskins sicherlich entscheiden, für wen der Weg in die Postseason weiter geht. Anschließend geht die Reise zum Divisionsführenden, nach Dallas weiter. In Woche 15 müssen die Raubvögel, wieder auswärts, gegen einen der Titelanwärter ran, die LA Rams. Bevor in der letzten Partie wieder Washington ansteht, gilt es noch die Houston Texans zu bezwingen. In momentaner Form ein schier unmögliches Restprogramm.

NFC East Standing
Team Record
Dallas Cowboys 7-5
Washington Redskins 6-5
Philadelphia Eagles 5-6
New York Giants 3-8
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In der Offensive fehlt es also an Vielseitigkeit und Effektivität, in der angeschlagenen Defensive schafft man es nicht lange Passspiele zu verhindern, was auch den Pass-Rush schlecht aussehen lässt. Auch wenn die Division noch sehr eng scheint und zwischen Platz eins und Platz drei nur zwei Siege liegen, schaut es nicht danach aus, als sollte man dieses Jahr sein Geld auf Philadelphia setzen. Und damit wären sie nicht das erste Team, das nach einer Titelsaison mit sich selbst hadert und Opfer des Superbowl-Hangovers wurden.

Saison Team Jahr danach Playoffs
2017 Philadelphia Eagles 5-6 ?
2016 New England Patriots 13-3 ja
2015 Denver Broncos 9-7 nein
2014 New England Patriots 12-4 ja
2013 Seattle Seahawks 12-4 ja
2012 Baltimore Ravens 8-8 nein
2011 New YorkGiants 9-7 nein
2010 Greenbay Packers 15-1 ja
2009 New Orleans Saints 11-5 ja
2008 Pittsburgh Steelers 9-7 nein
2007 New York Giants 12-4 ja
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