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Die Wild Card Round In Der NFC

DIE WILD CARD ROUND IN DER NFC

Nachdem bereits gestern der Kampf um die Divisional Round in der AFC entschieden wurde, steigen heute die Protagonisten der NFC ein. Ähnlich wie gestern können wir sicherlich auch heute zwei spannende Spiele und vielleicht die ein oder andere Überraschung erwarten. In der NFC bewegt sich alles in meinen Augen noch einen Ticken enger beieinander, wie das in der AFC der Fall ist. Im Vorfeld verteilten sich die Platzierungen wie folgt: 3. Seed – New Orleans Saints (13 – 3 – 0), 4. Seed – Philadelphia Eagles (9 – 7- 0), 5. Seed – Seattle Seahawks (11 – 5 – 0), 6. Seed – Minnesota Vikings (10 – 6 – 0)

Minnesota Vikings @ New Orleans Saints

Wer erinnert sich noch an diese unglaublichen Szenen in den Playoffs vor zwei Jahren? 10 Sekunden vor dem Ende an der eigenen 39 Yard Linie. 3rd & 10, während Minnesota mit 24 – 23 zurück liegt. Die devise lautete, sich irgendwie in Position für ein Field Goal zu begeben. Am Ende warf Quarterback Case Keenum (31) einen langen Pass auf Wide Receiver Stefan Diggs (26). Aufgrund eines missglückten Tackles öffnete sich für den schnellen Fänger die Tür zur Endzone. Diggs lief unberührt in die Endzone während die Uhr runterlief. Mit dem wohl buchstäblich letzten Play des Spiels zogen die Vikings in das NFC Championship Spiel ein. Genger waren damals natürlich die New Orleans Saints. Für die Saints war diese Niederlage sehr bitter.

Noch bitterer wird aber wohl die Niederlage vom letzten Jahr im NFC Championship Spiel sein. Aufgrund eines nicht berücksichtigten Fouls wurde New Orleans die Chance auf den Super Bowl genommen. Das die Referees das damalige Foul von Los Angeles Rams Cornerback Nickell Robey-Coleman (27) übersahen ist schier unglaublich. Letztlich ist es dieser Szene zu verdanken, dass es seit dieser Saison Regeländerungen bzgl. Pass Interference Calls gibt. Mittlerweile dürfen Coaches bei Verdacht eines Fouls die Entscheidung der Schiedsrichter Challengen. Einzig den Umständen des letztjährigen kontroversen NFC Championship Spiels ist dies zu verdanken.

Man merkt also, dass gerade auf Seiten der New Orleans Saints gehörig Feuer drin ist. Man ist nun zwei Jahre in Folge auf äußert unglückliche Weise aus den Playoffs ausgeschieden. Vor dieser Partie scheinen die Rollen zwar verteilt, aber der Schein trügt. New Orleans hat gewohnt eine der besten Offensiven. Haudegen Drew Brees, der kurz vor seinem 41. Geburtstag steht, hat auch dieses Jahr seine Mannen im Griff. Obwohl Brees in der Saison für fünf Spiele fehlte, lieferte er wieder überragende Leistungen ab. Seine Offensive steht daher in der Statistik schlechter da, als sie ist. Das Offensivspiel rangiert „nur“ auf dem 7. Rang. Das ist zwar ein super Wert, aber angesichts der Tatsache, dass der Spielmacher fast 1/3 der Saison fehlte, nur die halbe Wahrheit. Hätte Brees durchgespielt, wäre man hier sicherlich in den Top 3 gelandet.

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Brees weiß es seine Passempfänger um Superstar Michael Thomas (26, WR) gut in Szene zu setzen. Aus dem Backfield bekommt er Unterstützung von Alvin Kamara (24, RB). Obwohl Kamara in der gesamten Saison über immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, konnte er auch diese Spielzeit wieder für über 1.300 Yard Raumgewinn sorgen. Dies zeigt die Vielseitigkeit des Spielers. Der in der 3. Runde im Draft 2017 ausgewählte Starspieler bietet für Brees oftmals eine gute alternative Anspielstation, wenn die Receiver gedeckt sind. Um es auf den Punkt zu bringen, die Waffen von Brees sind wirklich breit aufgestellt. Thomas ist aktuell wahrscheinlich der beste Spieler auf seiner Position und in Man-To-Man Coverage kaum zu verteidigen.

Aber die Defensive der Minnesota Vikings darf man nicht unterschätzen. Wenn es um den Raumgewinn geht, gehört man statistisch zwar zum Mittelfeld der Liga, jedoch lässt man sehr wenig Punkte zu! 18,9 Punkte darf der Gegner im Schnitt pro Partie erzielen. Nur fünf Mannschaften sind besser. Daher sehe ich die Vikings auch nicht als ganz großen Underdog gegen die Saints. Minnesota versteht es in der Red Zone zu verteidigen. Gefürchtet ist ihr Pass Rush, welcher mit zu den besten der Liga gehört. Individuell sticht hier besonders Danielle Hunter (25, DE) heraus. Der Jamaikaner hat in der Regular Season starke 14,5 Sacks erzielt.

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Ein weiterer großer Grund, warum man so wenig Punkte zulässt, sind die erzeugten Turnover. Diese werden die Vikings sicherlich auch heute Abend benötigen. Möchte man das Spiel gegen die Saints offen gestalten bzw. sogar gewinnen, dann wird man auch versuchen müssen Drew Brees den Ball zu klauen. Ob dies durch Fumbles oder Interceptions gelingt ist egal. Man hat in der Saison gezeigt, dass die Secondary Spezialisten in Sachen Interceptions sind. Starke 17 Interceptions hat man gefangen. Gegen Brees wahrlich kein leichtes unterfangen, aber wir wissen ja alle, dass unter Druck jeder Quarterback Fehler macht. Dies ist eben das Rezept der Minnesota Vikings 2019. Druck auf den Quarterback erzeugen, um dann Interceptions zu fangen. Es sollte ähnlich wie 2017 wieder eine heiße Kiste zwischen den beiden Teams werden.

Seattle Seahawks @ Philadelphia Eagles

Auch hier muss man sich die Rollen der beiden Protagonisten genauer anschauen. Obwohl die Eagles höher gesetzt sind, schätze ich die Seahawks stärker ein. Das Philadelphia überhaupt in den Playoffs ist, liegt an der äußerst schwachen NFC East. Hier hat man die Dallas Cowboys (8 – 8 – 0), New York Giants (4 – 12 – 0) und Washington Redskins (3 – 13 – 0) hinter sich gelassen. Alles drei keine Monsterteams. Die Giants und Redskins gehören sogar zu den schlechtesten der gesamten Liga. Da traf es sich gut, dass man gegen jene Teams zweimal antreten durfte. Somit kommen 5 ihrer 9 Siege allesamt aus der eigenen Division. Sozusagen die halbe Miete. Trotzdem war es am Ende richtig knapp für die Eagles. Man musste eine Siegesserie von 4 Siegen in Folge hinlegen, um doch noch den Einzug in die Postseason perfekt zu machen. Etwas, was zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich nicht jeder dem Team aus Rocky Balboas Heimatstadt zugetraut hätte.

Anders ist das dagegen bei den Seattle Seahawks. Seattle spielte in der gesamten Spielzeit ordentlichen Football. Problematisch für die Seahawks ist jedoch die Tatsache, dass man in der stärksten Division der gesamten Liga beheimatet ist. Mit den San Francisco 49ers (13 – 3 – 0) und Los Angeles Rams (9 – 7 – 0) hat man zwei starke Gegner in der eigenen Division. Auch die Arizona Cardinals sind mit einer Bilanz von 5 – 10 – 1 nicht unbedingt chancenlos. In einer anderen Division hätten die Cardinals sicherlich den ein oder anderen Sieg mehr, aber wenn man sich in einer Division mit drei Schwergewichten befindet, macht das die Aufgaben nicht einfacher.

Der Super Bowl Champion von 2017 bekommt es also mit einem gefährlichen Gegner zu tun. Hier muss man schlicht und einfach auch auf den Heimvorteil hoffen. Philly benötigt eine elektrisierende Stimmung um Russell Wilson (31, QB) & Co. Paroli bieten zu können. Von Seattle muss man in diesem Spiel sicherlich eine recht eindimensionale Vorstellung erwarten. Seattle hat große Probleme auf der Running Back Position. Somit war man auch kurzfristig gezwungen Beastmode Marshawn Lynch (33, RB) aus dem Ruhestand zurück zu holen. Die größte Stärke der Eagles ist vor allem aber die Verteidigung gegen das Laufspiel. Hier gibt es kaum ein Team, das besser den Lauf verteidigt als Philadelphia. Ich traue es Seattle nicht zu mit einem Mann aus dem Ruhestand, auch wenn es Beastmode ist, das Laufspiel im großen Stile aufzuziehen. Man muss ein geballtes Bollwerk erwarten, was kaum Yards zulassen wird.

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Das würde natürlich Russell Wilson häufiger zum Passspiel zwingen, wobei man dann auf den guten Pass Rush hoffen würde. Wilson soll möglichst oft unter Druck geraten um so die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Anschließend würde man mit langen Drives der eigenen Offensive versuchen, Wilson möglichst lange aus dem Spiel zu nehmen. So oder zumindest so ähnlich wird wohl der Matchplan der Eagles ausschauen. Seattle dagegen wird sich auf die Stärken der Eagles eingestellt haben und sicherlich vorbereitet sein. Wenn das Laufspiel tatsächlich nicht funktionieren würde, wäre das ein großer Rückschlag für Seattle. Der Großteil ihrer Offensive ist auf ein gutes Laufspiel aufgebaut. Wilson wäre mehr gefordert als sonst, was ihm aber sicherlich nichts ausmachen dürfte.

Hervorragend ist am Spielmacher, dass er eben auch selbst in der Lage ist sich aus brenzligen Situation zu befreien. Der schnelle und wendige Wilson kann Spielzüge durch seine Füße so lange verlängern, um doch noch den Ball an den eigenen Mann zu bringen. Diese Fähigkeit wird er auch in dieser Wild Card Round unter beweis stellen dürfen. Überraschend ist dieses Jahr dagegen, dass man auf Seiten der Defensive mehr Probleme als sonst aufzuweisen hat. Hier ist man eigentlich in keiner der ganz wichtigen Statistiken überragend. Ganz im Gegenteil. Man schaffte es zwar 11 mal zu gewinnen,aber meist war dazu auch eine gute Offensivleistung notwendig. Zu allem Überfluss hat sich mit Mychal Kendricks (29, ILB) ein erfahrener und vor allem flexibler Spieler das Kreuzband gerissen. Er überträgt nun die Verantwortung komplett auf den Quarterback der Defense Bobby Wagner (29, ILB). In der Bevorzugten 4 – 3 Formation koordiniert Wagner seine Nebenspieler. Er ist der heilige Gral der eigenen Defensive.

Trotzdem war auch Wagner nicht in der Lage das Spiel der Seahawks in der Defensive zu verbessern. Vor allem lag das an der fehlenden Qualität in der Passverteidigung. Hier muss man in absehbarer Zeit unbedingt nachbessern. Verglichen mit anderen Teams ist man hier auf den hinteren Plätzen. Nicht nur was die Statistiken angeht, auch was die Spieler betrifft. Das Konzept ist seit Jahren ziemlich gleich geblieben. Jahrelang war man auf einem Topniveau in diesem Mannschaftsteil. Die einzelnen Spieler, welche nun das Backfield in Richtung Endzone verteidigen, sind auch keine Anfänger mehr. Abgesehen von Rookie Marquise Blair (22, FS) ist niemand unter 23 in der Passverteidigung. Die meisten haben bereits mehrere Jahre in der NFL gespielt. Dies spricht ganz klar für Qualität.

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Die Chancen für die Eagles stehen somit also besser, als man von der Statistik her zunächst annehmen mag. Wenn man den Matchplan umgesetzt bekommt, wird man getragen von den eigenen Fans, eine gute Chance haben um hier zu gewinnen. Seattle dagegen wird versuchen seine eigenen Stärken rund um Wilson einzusetzen um dann das eigene Spiel aufzuziehen. Lynch wird hierbei eine tragende Rolle spielen. Wir dürfen gespannt sein, wer am Ende die Nase vorne haben wird.

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