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Draft 2020 – Ein Ausblick

DRAFT 2020 – EIN AUSBLICK

Nach einer bisher ereignisreichen Free Agency steht nun das nächste Highlight an. Vom 23.04.2020 bis 25.04.2020 findet der NFL Draft 2020 statt. Im Vorfeld gab es bereis einige Diskussionen wie der Draft ablaufen soll. Der ursprüngliche Plan mit vielen Zuschauern auf einer schwimmenden Bühne vor dem Bellagio-Hotel in Las Vegas musste aufgrund der „Corona-Situation“ verworfen werden. Vor einigen Tagen hat die NFL nun bekannt gegeben, dass der Draft rein virtuell stattfinden wird. Zum ersten mal in der Geschichte wird das Spektakel sehr klein gehalten. Aufgrund der aktuellen Situation allerdings auch zwingend notwendig und alternativlos.

Das heißt, die Offiziellen bleiben mehr oder weniger zu Hause. Es wird also keine „Draft War Rooms“ geben, in denen Eigentümer, Coaches und Scouts zusammensitzen und über den nächsten Pick diskutieren. Stattdessen müssen die Teams auf Internet, Telefon, E-Mail und ggf. Smartphones zurückgreifen. Auch werden keine Spieler persönlich vor Ort sein und vorgestellt werden. Hin und wieder werden vereinzelnd durch Face-Time oder Anrufe die Meinungen der einzelnen Spieler eingeholt werden, aber insgesamt wird das diesjährige Draft Paket ganz anders ausschauen, wie wir es gewohnt sind. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der Erfolg einer Saison, für nicht wenige Teams, auch mit dem erfolgreichen Verlauf des Drafts zusammenhängt. Wir haben uns mal ein paar Teams und ihre Draft Situation angeschaut.

Miami Dolphins

Die Miami Dolphins sind wahrscheinlich das Team, welches über den gesamten Draft gesehen, die besten Möglichkeiten hat. Mit insgesamt 14 (!!!) Auswahlrechte im gesamten Draft, hat man die meisten von allen Teams! Hinzu kommt auch noch, dass man alleine unter den ersten 70 Spielern sechsmal (!!!) wählen darf! Die Auswahlrechte verteilen sich auf drei in der 1. Runde, zwei in der 2. Runde und somit einer in der 3. Runde. Frühzeitig kann man also im Draft seine Schwachstellen adressieren und bleibt sogar noch für potenzielle Tradeangebote flexibel. Eine ähnliche Ausgangssituation hatten die Cleveland Browns vor wenigen Jahren. Mal sehen, ob Miami besser mit der Situation umgeht. Gespannt dürfen wir sein, wer mit dem 5., 18. und 26. Pick in der 1. Runde geholt wird.

Das Miami zu einer solchen Situation überhaupt gekommen ist, ist einer weitreichenden Strategie ihres Head Coaches Brian Flores (39) zu verdanken. Flores übernahm vor der letzten Saison die Franchise und hat das Team komplett umgekrempelt. Man trennte sich von vielen teuren Spielern und bekam im Gegenzug entsprechende Draft Picks. Diese sollen nun verwendet werden, um ein Siegerteam aufzubauen. Den Preis von gerade mal 5 Siegen zu 11 Niederlagen in der abgelaufenen Saison nahm man dafür billigend in Kauf. Wie gesagt, die Strategie lag ganz klar darauf, sich durch intelligente Picks ein komplett neues und auch junges Siegerteam aufzubauen. Die Abgabe von vielen Spielern führte natürlich dann auch zu einem unausgewogenen Kader. Rein theoretisch könnte man nahezu jede Position im Draft adressieren. Am wichtigsten wird jedoch sein, dass man einen neuen Quarterback findet. Ryan „Fitzmagic“ Fitzpatrick (37, QB) wird nicht jünger und ist eben auch Licht und Schatten. Somit sicherlich nicht die Antwort für die Zukunft im Süden von Florida.

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Weitere Positionen, welche in der Offensive definitiv ein Upgrade benötigen sind die O-Line und Running Backs. Kaum ein Team hat weniger Yards erlaufen in der letzten Saison als die Fins. Mindestens genauso wichtig wird ein guter Linebacker sein. Hier hat man vielleicht sogar den notwendigsten Bedarf. 2019 agierte man gefühlt ohne echten Kopf in der Defensive. Einen starken Tackler und vor allem intelligenten Linebacker sollten wahre Wunder bewirken. Auf der Safety Position würde man auch sehr gerne noch einen passenden Spieler verpflichten. Die Chancen stehen also sehr gut, dass diese fünf Positionen bereits mit den ersten sechs frühen Auswahlrechten adressiert werden. Danach könnte man dann relativ entspannt schauen, was noch zu haben ist. Miami hat eine wahnsinnig große Chance, die sie jetzt nur ergreifen müssen. Die Vergangenheit hat uns aber schon sehr oft gezeigt, dass das gar nicht so einfach ist.

CinciNnati Bengals

Ein altes Sprichwort sagt, „Wer den 1. Pick hat, der kontrolliert den Draft.“ Genauso ist es tatsächlich. Den 1. Pick halten in diesem Jahr die Cincinnati Bengals. Zwar hat man lediglich die üblichen sieben Auswahlrechte des Drafts, aber eben in jeder Runde den jeweils ersten Pick! Damit kann man sicherlich einiges anstellen. Um den Kader weiter zu verbessern, benötigt die Franchise aber sicherlich mehr als die üblichen sieben Picks. Ziel soll es daher sein, noch den ein oder anderen Pick bis zum Draft zu ertraden. Andy Dalton (32, QB) steht bei seiner Franchise vor dem Aus. Wie bereits von Medienvertretern berichtet, arbeitet die Franchise an einem Trade für den Spielmacher. Ein Abnehmer wurde bislang jedoch noch nicht gefunden. Hier könnte aber bis zum 23.04.2020 noch etwas passieren.

Abgesehen von einem Linebacker, braucht das Team von Head Coach Zac Taylor (36) vor allem mehr Power in der Offensive. Gibt man Dalton tatsächlich ab, dann wird ein neuer Quarterback notwendig sein. Abgesehen von einer besseren O-Line wird man sicherlich die Tight End und Wide Receiver Position adressieren. Hier hat man so gut wie keine Waffen im Arsenal. In den vergangenen Jahren präsentierte man sich zu abhängig von Wide Receiver A.J. Green (31). In einer Saison wie letztes Jahr, wo der Spieler komplett wegen einer Verletzung ausfiel, hatte man in der Offensive nichts entgegenzusetzen. Entsprechend beendete man die Spielzeit mit nur 2 Siegen! Gut möglich also, dass bereits mit dem ersten Pick im Draft ein Quarterback geholt wird, um dann peu á peu die notwendigen Positionen zu adressieren.

Auch ein ähnliches Szenario wie wir im Draft 2004 erlebt haben ist für mich denkbar. Dabei wählten die San Diego Chargers den kürzlich zurückgetretenen Eli Manning (39) aus. Manning wurde für den an 4. Stelle von den New York Giants ausgewählten Philip Rivers (38, Colts) nach New York getauscht. Die Chargers bekamen neben Rivers zusätzlich noch einen 3. Runden Pick 2004 (65. Pick). Den 1. Runden (12. Pick) und 5. Runden Pick (144. Pick) der Giants 2005. Wie bereis gesagt, wer den 1. Pick hat, kontrolliert den Draft.

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Jacksonville Jaguars

Die Jacksonville Jaguars haben eine enttäuschende Spielzeit hinter sich. Mal wieder! Vor vier Jahren startete man exzessiv eine starke Defensive aufzubauen. Dies sollte das Prunkstück der Franchise werden. Darauf wollte man ein erfolgreiches Team aufbauen. 2017 war man dann auch tatsächlich 2:48 Minuten vom Super Bowl entfernt, ehe mal wieder Tom Brady (42, QB) und seine New England Patriots die Herzen der Jaguars brachen. An die erfolgreiche Saison von 2017 konnte man in der Folge trotzdem nicht mehr anknüpfen. Dies führte dazu, dass die von Starspielern gespickte Defensive nach und nach auseinander fiel. Teils verlor man Spieler durch Free Agency, teils durch Trades. Eben jene Trades haben die Jags jedoch zu einer guten Position im diesjährigen Draft verholen.

In den sieben Draft Runden hält man insgesamt 12 Auswahlrechte. Mit dem 9. und 20. Auswahlrecht in der 1. Runde hält man zwei vielversprechende Optionen. Auch der zweit Runden Pick an der 42. Stelle ist nicht zu verachten. Natürlich hat die Franchise auch weitaus mehr Löcher zu stopfen als zum Beispiel auf der Cornerback, Linebacker oder Running Back Position. Trotzdem hält man im Vergleich zu anderen Teams eine starke Position in diesem Draft. Wie die langfristige Strategie der Franchise natürlich ausschaut, kann man so noch nicht sagen. Auch welche Position man frühzeitig adressieren wird, ist fraglich. Jacksonville befindet sich mal wieder im Niemandsland der Liga und daran wird der diesjährige Draft sicherlich auch nichts ändern aber man hat zumindest die Möglichkeit den Kader wieder deutlich zu verstärken.

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New Orleans Saints

Die New Orleans Saints haben wohl eine der schlechtesten Ausgangssituationen vor dem Draft. Das man auf einen 1. Runden Pick (24. Stelle) zurückgreifen kann ist freilich nicht schlecht. Insgesamt hält das Team von Sean Peyton (56, HC) jedoch nur fünf Auswahlrechte in den sieben Runden! Weh tut vor allem, dass man in der 2. Runde kein Auswahlrecht zur Verfügung hat. Mit Blick rein auf das Geschehen im Draft, wird man nicht viel von den Saints erwarten können. Da ist es für den Super Bowl Kandidaten praktisch, dass man ein gutes Team zur Verfügung hat. Letztlich wird man schauen, was die bestmögliche Option ist, wenn man an der Reihe ist. Über ganz gravierende Schwächen verfügt das Team sicherlich nicht. Man hat es geschafft die Verteidigung zu stabilisieren und auch in der Offensive wird man mit Drew Brees (41) & Co. wieder ein ordentliches Feuerwerk abfeuern.

Nimmt man also das gesamte Bild zu Rate, dann schaut es bei den Saints natürlich weiterhin optimal aus. Auch wenn man vom Draft her selbst nicht so viel erwarten wird, bleiben die Saints ein heißer Super Bowl Kandidat. Gut beraten wäre man sicherlich, wenn man nach einer weiteren Quarterback Option Ausschau halten würde. Brees ist bekanntlich über 40 und ob Taysom Hill (29, QB) tatsächlich die langfristige Lösung sein wird, wage ich aktuell doch etwas zu bezweifeln. Würde mich tatsächlich nicht überraschen, wenn dafür sogar der 1. Runden oder 3. Runden Pick herhalten müsste, sehen doch viele Hill als potenzielle Alternative zu Brees.

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