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Draft 2020 – Gewinner & Verlierer

DRAFT 2020 – GEWINNER & VERLIERER

Und schon ist dieser etwas andere Draft 2020 Geschichte. Anstatt große Massen an Fans und junge Spieler die mit Tränen in den Augen auf die Bühne springen um sich der Welt zu präsentieren, war es diesmal eine wesentlich gemütlichere Veranstaltung. Man möchte sagen, fast schon zu gemütlich. Der erste rein virtuelle Draft der NFL Geschichte ging deswegen trotzdem vorüber. Für manch einen ist das vergangene Wochenende angenehm verlaufen, während für andere es eher „bescheiden“ war. Wir haben uns für euch mal ein paar Gewinner und Verlierer zusammengefasst.

Gewinner

Dallas Cowboys

Für mich geht die erste Runde des diesjährigen Draft an die Dallas Cowboys. Natürlich haben auch andere Teams, dass bekommen was sie wollten und darunter auch mit die größten Talente des gesamten Jahrgangs. Das jedoch die Dallas Cowboys mit ihrem 17. Pick den wahrscheinlich besten Wide Receiver des gesamten Drafts bekommen, damit habe ich wirklich nicht gerechnet. CeeDee Lamb (21, WR) bringt Mustermaße für seine Position mit und begeisterte bereits an seinem College. An der University of Oklahoma wurde er stets für seine Spielmacherqualitäten geschätzt. Ein Explosiver junger Mann und ein grandioser Zugang für die Texaner.

Im restlichen Draft konzentrierte man sich hauptsächlich darauf, die Lücken im Kader möglichst gut zu schließen. Was dazu führte, dass man aus den eigenen sieben Auswahlrechten fast das maximale herausholte. Gerne hätte ich noch einen Tight End für die Cowboys gesehen aber mit Lamb hat man zumindest auf der Receiver Position einen dicken Fisch an Land gezogen. Ein Draft Ergebnis für Dallas, worauf sicherlich mehrere neidisch sein werden!

Raiders Offense

Einer der großen Gewinner des Drafts ist sicherlich Darek Carr (29, QB) oder besser gesagt die gesamte Offensive der Las Vegas Raiders. Denn für die Offensive hat man ordentlich zugeschlagen. Vier der sieben Picks hat man rein für die Offensive verwendet. Die ersten drei sogar allesamt für Wide Receiver! Henry Ruggs III (21), Lynn Bowden (22) und Bryan Edwards (21) sind vielversprechende Talente und sollen für ordentlich Feuerkraft in den Kanonen der Raiders sorgen. Scheinbar möchte Head Coach Jon Gruden (56) der neuen Heimatstadt der Franchise im ersten Jahr auch Offensiv etwas bieten. Las Vegas wird sich sicherlich freuen aber die Medaille hat wie so oft zwei Seiten.

Da man so viel für die Wide Receiver Position tat, fehlt es nun an anderer Stelle. Vor allem die Defensive wurde in meinen Augen nicht ausreichend genug verstärkt. Obwohl man in der Defensive Line und vor allem auch Linebacker Position dringend Verstärkung benötigt hätte, wurden diese beiden wichtigen Position gar nicht adressiert. Ob man hier im Nachgang noch mit einem potenziellen Trade tätig wird bleibt abzuwarten. Vielleicht möchte Gruden auch zunächst die Herzen der Fans in Las Vegas mit spektakulären Offensivfootball gewinnen. Wir dürfen gespannt sein. Carr & Co. werden sich aber sicherlich über die drei Jungen Receiver freuen.

Miami Dolphins

Man muss Brian Flores (39, HC) für seine bisherige Arbeit bei den Miami Dolphins einfach loben. Bereits vor dem Draft befand sich das Team in exzellenter Ausgangsposition um einen erfolgreichen Draft hinzulegen. Genau dies gelang der Franchise aus Florida auch. Miami hat seine Trümpfe geschickt und gekonnt ausgespielt. Die insgesamt 11 Picks wurden gut angelegt. Drei Auswahlrechte in der 1. Runde. Zwei in der 2. Runde. Sogar sechs unter den ersten 70! Gefallen hat mir vor allem dabei, dass man nicht nur einen Mannschaftsteil besonders gepuscht hat, sondern die Picks gut aufgeteilt hat. Sowohl Offense als auch Defense bekamen jeweils fünf Spieler Zuwachs. In Blake Ferguson (23, LS)wurde ein Spieler gezielt für das Special Team verpflichtet.

Was Flores bislang im Süden fabriziert, hat Hand und Fuß. Das er trotz kompletten Kaderumbau in der letzten Saison auf 5 Siege kam, halte ich immer noch für eine grandiose Leistung. Nun hat er seine Planungen weiter voran getrieben. Miami wird wohl auch 2020 das jüngste Team der NFL stellen. Mit einem Coach der es liebt die jungen Spieler nach seinen Regeln zu erziehen und in seinem Sinne zu entwickeln. Man sollte dabei auch nicht verachten, dass man den 5. Overall Pick für den hoffentlich zukünftigen Franchise Quarterback verwendete. Miami setzt auf Tau Tagovailoa (22, QB). Nach Joe Burrow (23, QB) welcher von den Cincinnati Bengals an erster Stelle ausgewählt wurde, sicherlich die beste Option für die wichtigste Position im Spiel. Tolle Leistung Miami!

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Jarrett Stidham

Einer der Gewinner ist sicherlich New England Patriots Quarterback Jarrett Stidham (23). Es wurde viel spekuliert was mit dem Erbe von Tom Brady (42, QB, Buccaneers) passiert. Schlaumeier prognostizierten einen Trade der Patriots in die frühe erste Runde um einen Quarterback auszuwählen. Nun ist der Draft vorbei und die Pats haben alles aber keinen Quarterback ausgewählt! Ob New England deshalb langfristig mit Stidham plant, kann man aufgrund des Drafts sicher nicht sagen, aber es schaut alles danach aus, als bekomme er eine faire Chance. Was der Youngster in seinem zweiten Profijahr daraus macht, ist wiederum eine andere Geschichte. Viele sehen es skeptisch auf Stidham zu setzen aber das an diesem Wochenende kein neuer Quarterback verpflichtet wurde, sollte dem Spielmacher sehr viel Selbstvertrauen geben.

San Francisco 49ers

Manch einer wird sich nun möglicherweise fragen, warum die San Francisco 49ers hier aufgelistet wurden. Der Draft an sich war für das Team von der Bay Area sicherlich solide aber nicht überragend. Freilich gab es andere Teams, die mehr aus ihren Auswahlmöglichkeiten im Draft herausgeholt haben. Warum also sind die 49ers aufgelistet? Ganz einfach, der Trent-Williams-Trade mit den Washington Redskins! Da dieser letztlich auch Teil des Drafts war, ist es fair diesen auch entsprechend zu bewerten. Und sorry, aber wie John Lynch (48, GM) das mal wieder hingebogen hat, weiß ich nicht.

Der Super Bowl Teilnehmer aus der vergangenen Saison erhält einen der besten O-Liner der gesamten Liga, für einen 5. Runden (156. Pick) 2020 und 3. Runden Pick 2021! OK, das Gehalt von $12.500.000 ist stattlich. Mit Joe Staley (35, LT) wird man aber ein Urgestein verlieren. Dieser verkündete nämlich ebenfalls am vergangenen Wochenende seinen Rücktritt aus der NFL. Unter dem Strich bedeutet das also lediglich eine Zusatzbelastung von $1.000.000 für die Franchise. Mit Trent Williams (31, OT) hat man mehr als eine gute Alternative ergattert. Deshalb gehört San Francisco für mich mit zu den Gewinnern des vergangenen Wochenendes.

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Verlierer

Aaron Rodgers

Aaron Rodgers (36, QB) gehört für mich zu den größten Verlierern des Drafts. Seine Franchise, die Green Bay Packers haben nämlich nicht einfach nur einen Quarterback in der 1. Runde gedraftet, nein! Sie haben auch noch gezielt nach oben getradet! Eine Tatsache, die für einen der besten Spielmacher seiner Generation wie ein Schlag ins Gesicht kommt. Rodgers ist sicherlich nicht mehr der Jüngste und hatte in den letzten Jahren auch einige Verletzungen, aber trotzdem immer noch einer der Top 5 auf seiner Position. Nun entscheidet sich sein Arbeitgeber aber dazu, ihn unter Druck zu setzen und seinen potenziellen Nachfolger in Jordan Love (21, QB) heranzuführen. Eine ziemlich salzige Suppe.

Etwas, was die Packers bereits mit Rodgers Vorgänger Bret Favre (50, HOF) genauso machten. Damals war es Rodgers, der herangezogen wurde um den Haudegen zu ersetzen. Unterschied hierzu war jedoch, dass man für Rodgers nicht extra in der 1. Runde nach oben tradete, sondern den König des Nordens entsprechend des Auswahlrechtes an 24. Stelle auswählte. Es sind also sicherlich einige parallelen zu 2005. Natürlich wird man Rodgers in der kommenden Saison in der Packers Uniform sehen. Was aber danach passiert ist aktuell nicht vorhersehbar und abhängig von der Entwicklung Love’s. Hält man ihn für den nächsten Franchise Quarterback, wird man irgendwann eine Entscheidung treffen. Teams oder Abnehmer für einen alternden Superstar gibt es in der NFL sicherlich zur genüge. Spurlos wird diese Entscheidung aber sicherlich nicht an A-Rod vorbeigehen.

New England Patriots

Die New England Patriots durchleben momentan eine schwere Zeit. Eine neue Ära bricht heran. Wie diese genau ausschaut? Da weiß wohl niemand so genau was man erwarten kann. 2020 kommt mir derzeit eher wie ein Übergangsjahr für die Franchise vor. Das die Dynastie mit dem Weggang von Tom Brady (42, Buccaneers) nun offiziell vorüber ist, kann man sicherlich bescheinigen. Die nächste Hiobsbotschaft für das Team von Bill Belichick (68, HC) endete in einem Trade von Rob Gronkowski (30, TE), der aus dem Ruhestand zurückkehrt, zu den ebenfalls Tampa Bay Buccaneers!

Somit wollte man im Draft zumindest eine gute Figur machen. Etwas, was nicht ganz so gelang. Als man nicht wusste, was man mit seinem 1. Runden Auswahlrecht anfangen soll, tauschte man dieses mit den Los Angeles Chargers. Danach sahen wir einige typische Belichick Moves. Die Defensive wurde deutlich verstärkt und die längst überfällige Tight End Position wurde sogar zwei mal adressiert. Insgesamt war es ein sehr ereignisreicher Draft für New England. Lediglich einer der zehn Auswahlrechte war ein original Pick der Franchise. Alles Andere wurde im Vorfeld oder während des Draftwochenendes in irgendeiner Form getauscht. Busy, heißt aber nicht immer auch erfolgreich. Wenn man den Hund von Belichick schon als Highlight bezeichnen kann, sagt das viel über deren Draft aus. Den Patriots Fans wird es aber wohl trotzdem egal sein. Ganz nach dem Motto: „In Bill we trust.“

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Los Angeles Rams

OK, die Los Angeles Rams in die Sparte der Verlierer einzuordnen? Darüber können wir uns streiten. Für mich gehören sie aber zu den Verlierern des Drafts. Warum? Nun die Rams haben in der Offseason einiges an Offensivkraft eingebüßt. Das man hier tätig wurde, ist also nicht verwunderlich. Die Abgänge von Todd Gurley (25, RB) und Brandin Cooks (26, WR) sollten natürlich kompensiert werden. Womit ich nicht einverstanden bin ist, dass die beiden ersten Picks der Franchise im Draft, für genau jene beiden Positionen des Running Back und Wide Receiver verwendet wurden. Das Team hat in meinen Augen vor allem in der Defensive ganz große Baustellen. Eine tolle Offensive ist natürlich schön zu haben, aber es ist nunmal die Defensive, die die Championships gewinnt. Später im Draft verstärkte man natürlich auch noch die Defensive, aber das man ein hausgemachtes Problem, auf diese Art und Weise versucht zu lösen, erscheint mir etwas zu teuer.

Schließlich hat man sich bewusst von Gurley und auch Cooks getrennt. Muss man dafür wirklich beide 2. Runden Picks verwenden? Zumal im Draft auf eben jenen Positionen des Running Backs und Wide Receivers auch zu einem späteren Zeitpunkt noch Potenzial vorhanden gewesen wäre. Selbst wenn ich zunächst nur eine dieser beiden Positionen versorgt hätte, hätte man mindestens eines dieser beiden Auswahlrechte für die Defensive hernehmen müssen! Meine Meinung, darüber lässt sich aber natürlich auch streiten. Auf den ersten Blick erscheint es sicherlich logisch die Abgänge entsprechend zu kompensieren, aber mit dem zweiten Blick auf den Kader der Kalifornier hätten in der Defensive noch ganz andere Löcher frühzeitig geschlossen werden müssen. Vor allem die Linebacker Position mit Clay Johnston (23, ILB) erst in der 7. Runde zu verstärken halte ich für grobfahrlässig! Hier muss mich Sean McVay (34, HC) erst noch von seinem Plan überzeugen.

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