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Fünf Unvergessliche Super Bowl Momente

FÜNF UNVERGESSLICHE SUPER BOWL MOMENTE

Am kommenden Sonntag ist es schon wieder so weit, das größte Sportereignis des Jahres steht an. 330 Spiele wurden in dieser NFL Saison bisher gespielt, 32 Teams duellierten sich in den vergangenen fünf Monaten, nun stehen sich die zwei besten gegenüber. Am Sonntag treffen die San Francisco 49ers und die Kansas City Chiefs im Hard Rock Stadium in Miami aufeinander und tragen den 54. Super Bowl aus. Doch wir blicken heute nicht auf dieses Spiel, sondern reisen in der Zeit zurück und präsentieren euch fünf unvergessliche Super Bowl Momente.

superdome geht saft aus

Für mich war dies die erste NFL Erfahrung überhaupt. Am dritten Februar 2013 verfolgte ich das erste Mal ein NFL Spiel live vor dem Fernseher. Ich hatte zwar keine Ahnung von Regeln oder Spielablauf, wurde aber sofort mitgerissen und verstand auf Anhieb den Mythos NFL, insbesondere des Super Bowls.  Sofort verliebte ich mich in diesen grandiosen Sport. Damals trafen der Meister der AFC, die Baltimore Ravens, auf das beste Team der NFC, die San Francisco 49ers. Im Mercedes Superdome der New Orleans Saints ging es um die heiß begehrte Vince Lombardi Trophy.

Nach einer starken ersten Halbzeit der Ravens, rund um Quaterback Joe Flacco (35), der die Saison seines Lebens absolvierte, ging es mit einer 21:6 Führung in die Halbzeitpause. Kaum aus den Katakomben zurückgekehrt, sorgte Baltimore auch schon für einen richtigen Paukenschlag. Nach dem Kickoff der 49ers lief Jacoby Jones (WR, 35) den Return für 109 Yards in die Endzone zurück und baute den Vorsprung weiter aus. Für viele war das Spiel schon jetzt gegessen. Doch ein merkwürdiger Zufall leitete die Auferstehung San Franciscos ein. Denn auf einmal wurde es dunkel im Superdome, das Flutlicht überlastete das Stromnetz und viel teilweise aus. Ganze 36 Minuten lang wurde das Spiel deshalb unterbrochen. Angeführt von Quarterback Colin Kaepernick (32) fand San Francisco nach aussichtsloser Situation doch wieder zurück ins Spiel.

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Nach mehreren erfolgreichen Drives, verkürzten diese den Rückstand auf 34:29 und standen mit wenig Zeit auf der Uhr noch einmal vor der Endzone des Gegners. Dort gelang es ihnen allerdings nichtmehr weitere Punkte aufs Board zu bringen und sie fabrizierten nach einem erfolglosen vierten Versuch einen Turnover on Downs. Mit drei Laufspielzügen ließen die Ravens die Uhr beinahe komplett herunterlaufen. Schließlich verursachten sie mit Punter Sam Koch (37) absichtlich einen Safety um eine selten in Kraft tretende Regel zu nutzen. Diese kostete weitere zwölf Sekunden Spielzeit und stellte die Uhr auf null. Im folgenden Free Kick müssten die 49ers nun direkt mit dem Return punkten, was ihnen allerdings nicht gelang. Nach einer nicht ganz erfolgreichen Aufholjagd ging die Trophäe schließlich doch noch nach Baltimore.

unfassbares comeback

Vier Jahre später ereignete sich ein weiterer phänomenaler Super Bowl Moment. Mit einem fulminanten Durchmarsch zogen die Atlanta Falcons das Finalticket der NFC. Aus der AFC standen ihnen die New England Patriots gegenüber. Nach einem punktlosen ersten Viertel legten die Falcons, wie man sie mit ihrer schlagfertigen Offensive aus der regulären Saison kannte, richtig los. Zuerst erlief Runningback Devonta Freeman (27) einen Touchdown, kurz darauf legte Atlanta mit ein Passing-Touchdown von Matt Ryan (34) nach. Mit einem Pick-Six von Cornerback Robert Alford (31) erhöhten Falcons ihren Vorsprung und lagen in null Komma nichts mit 21:0 in Front. Ihrem Gegenüber, den Pats, gelang in Halbzeit eins nur noch ein Field Goal. Die zweite Halbzeit begann wie die erste endete, mit weiteren sieben Punkten für Atlanta. Nach der vermeintlichen Entscheidung schalteten schon viele Zuschauer ihre Fernsehgeräte aus. Selbst Mark Wahlberg (48), Schauspieler und seines Zeichens Star Fan der Pats verließ mit seiner Familie vorzeitig das Stadion und verpasste somit das größte Comeback der Super Bowl Geschichte.

Denn die Patriots waren keineswegs starr vor Schreck. Im folgenden Spielzug gelang ihnen sofort ein Rushing-Touchdown und kurz darauf verkürzten sie mit einem erfolgreichen Field Goal auf 28:12. Das Momentum kippte aber erst, als Dont´a Hightower (LB, 29) Matt Ryan per Querterback Sack zu Boden brachte und einen Fumble verursachte, welcher von seinen Teammitgliedern gesichert wurde. Anschließend führte Tom Brady (42) seine Offensive souverän übers Feld. Die Folge war ein Touchdown, sowie eine erfolgreiche Two-Point-Convertion. Plötzlich wurde die Partie wieder richtig eng.

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Kurz vor Schluss zitterten sich die Falcons mit Ach und Krach doch nochmal übers Feld und schienen den Sieg mit einem spektakulären Passfang von Julio Jones (WR, 30) über die Zeit retten zu können. An der gegnerischen 22-Yard Linie hätte Atlanta nur noch auf Zeit spielen müssen um anschließend mit einem Field Goal endgültig den Deckel drauf zu machen. Allerdings verloren sie in den folgenden drei Spielzügen dank einem Laufspielzug mit Raumverlust, einem weiteren Quarterback Sack und einer Strafe insgesamt 23 Yards, was sie aus der Reichweite für ein Field Goal brachte. Nach dem anschließenden Punt, arbeitete sich New England Stück für Stick sicher übers Turf, als eine Unsicherheit Bradys das Spiel beinahe entschied. Denn die Defensive der Falcons fing fast einen Pass des Star-Quarterbacks ab, fälschten den Ball aber nur ab. Dieser wurde völlig überraschend um Haaresbreite über der Grasnarbe von Wide Receiver Julian Edelman (33) gefangen. Ein unfassbarer Catch und die entscheidende Szene der Partie. In der Folge glichen die Pats aus und erhielten nach dem Münzwurf in der Overtime den Ball. Mit einem Rushing-Touchdown von James White (27) besiegelten sie schließlich ihr eigenes Schicksaal und stemmten die Trophäe in den Nachthimmel von New Orleans.

der icebowl

Für unser nächstes Highlight reisen wir weit in die Vergangenheit, in das Jahr 1967. Zwar bestritten die Dallas Cowboys und die Green Bay Packers keinen Super Bowl, aber das Finale der damaligen NFL, was dieses Spiel also doch irgendwie in diese Liste mogeln lässt. Der Sieger sollte sich für das NFL-AFL Championship Game qualifizieren. Im legendären Lambeau Field trafen bei eisigen Temperaturen die heimischen Packers auf die gastierenden Cowboys. Die „Cheeseheads“ traten mit großen Namen an. Unter anderem der für damalige Verhältnisse extrem modern aufspielende Quarterback Bart Starr (+85, HoF), sowie Vince Lombardi (+57, HoF). Der Namensgeber der Super Bowl Trophäe war damals Trainer in Green Bay.

Vor der Partie hatte es kräftig geschneit, der Kunstrasen und die Rasenheizung sorgten aber für das Tauen des Schnees. Bei -25 Grad °C reichte die Heizung allerdings nicht aus um das Spielfeld eisfrei zu halten. Die durch den Tau entstandenen Pfützen froren binnen kurzer Zeit ein und konnten kaum beseitig werden. So verwandelte sich das Spielfeld Stück für Stück in eine riesige Eisplatte. Nicht umsonst ist der Platz im Norden noch heute als „Frozen Thundra“ bekannt. Trotz dieser widrigen Wetterbedingungen wurde die Partie von den Offiziellen angepfiffen. Der gefrorene Untergrund erschwerte das Spiel ungemein und sorgte für jede Menge Fehler auf beiden Seiten. Während der Begegnung war es im Stadion so kalt geworden, dass sich einige Spieler schwere Erfrierungen zuzogen und anschließend ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Auch Mitglieder der Marching Band hatten Probleme mit den unmenschlichen Temperaturen. Ihre Lippen froren an den Mundstücken der Instrumente fest, wie auch die Trillerpfeifen der Schiedsrichter an deren.

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Nach sehr zähem Spielverlauf erhielten die Packers mit einem Rückstand von 17:14 im vierten Viertel noch einmal den Ball. Fünf Minuten verblieben für einen letzten Drive. Quarterback Bart Starr führte sein Team mit effizientem Kurzpassspiel bis kurz vor die Endzone der Texaner. Doch ein Yard davor war Endstation. Mit 16 Sekunden auf der Playclock nahm der Passgeber noch einmal ein Timeout und suchte das Gespräch mit dem Hauptübungsleiter neben dem Feld. Nach einer ausführlichen Diskussion mit seinem Head Coach an der Seitenlinie, schickte dieser entgegen aller Erwartungen nicht das Field Goal Team für den Ausgleich aufs Feld, sondern erneut die Offensive rund um Starr. Die Cowboys spekulierten auf einen Pass und legten ihr Hauptaugenmerk auf die Receiver. Doch Starr behielt überraschend den Ball und bahnte sich mit einem Quarterback Sneak auf steinhartem Geläuf hinter Center und Guard den Weg in die Endzone. Das Spiel war gewonnen und Green Bay war Meister der NFL. Bis heute gibt es nach dem Vorbild dieser Partie, welche schließlich als „Icebowl“ in die Geschichte einging, kaum Spielabsagen in der NFL.

one yard short

32 Jahre später stand der 34. Super Bowl an. Im Georgia Dome in Atlanta standen sich zwei Teams gegenüber die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die St. Louis Rams glänzten vor Allem mit ihrer schlagfertigen Offensive, welche noch heute als „Greatest Show on Turf“ bekannt ist. Die Tennessee Titans konnten eine knallharte Defensive als ihr großes Prunkstück vorweisen. Ihre Offensive galt als unspektakulär aber effektiv. Die Rams marschierten mit 13 Siegen regelrecht durch die reguläre Saison und bahnten sich auch in den Playoffs sicher den Weg ins Finale. Auch Tennessee spielte eine Spielzeit mit 13 Siegen, musste aber trotzdem schon in der Wild Card Round ran.

Die erste Halbzeit war eine Defensivschlacht schlechthin. Beide Verteidigungsreihen präsentierten sich sehr dominant. Bis zur Pause wurde jeder Drive der Titans ohne ein einziges First Down beendet. Die Rams konnten drei Field Goals erzielen und hielten defensiv ihren Gegner bei unter 90 Yards Raumgewinn und null Punkten. Die zweite Halbzeit begann mit einem Touchdown-Pass von Rams Quarterback Kurt Warner (48) und baute die Führung auf 16:0 aus. Im direkten Gegenzug gelang auch der Offensive Tennessee´s rund um Passgeber Steve McNair (+36)ein Touchdown, der folgende Versuch für zwei Punkte misslang allerdings. Mit einem weiteren Touchdown kamen sie aber bis auf drei Punkte an St. Louis heran. Nach einem weiteren Drive gelang ihnen per Field Goal sogar der Ausgleich. Mit 2:12 Minuten Restzeit sorgten die Rams mit einem wahnsinnigen Big-Play für die vermeintliche Entscheidung. Warner warf einen langen Pass auf Wide Receiver Isaac Bruce (47), der aus 73 Yards in die Endzone lief und die Rams mit 23:16 in Führung brachte.

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Es folgte ein schlechter Kickoff Return seitens der Titans. McNair musste deshalb tief aus der eigenen Hälfte, an der zwölf-Yard Linie starten. Mit einer Two-Minute-Offense aus dem Lehrbuch überwanden sie extrem effektiv knapp 90 Yards. Schließlich standen sie mit knapp sechs Sekunden verbleibender Zeit zehn Yards vor der Endzone der Rams. Es folgte ein erfolgreicher Pass auf Kevin Dyson (44), welcher sich den Weg hinter seinem blockenden Tight End zum Touchdown bahnen sollte. Kurz davor wurde er aber zu Boden gerungen. Zwar streckte er noch seinen Arm mitsamt dem Ball aus, der Spielzug wurde aber ein Yard zu kurz gewertet. Kurt Warner wurde MVP des Spiels ernannt und bekam den begehrten Pokal überreicht. Bis heute wird diese Szene immer wieder als eines der großen Highlights aller Finals genannt. Und bis heute konnten die Tennessee Titans keinen Super Bowl gewonnen, näher dran als dieses eine Yard waren sie aber weder zuvor, noch danach.

toe tap

Im Endspiel des Jahres 2008 trafen die Arizona Cardinals auf die Pittsburgh Steelers, angeführt vom 23-jährigen Ben Roethlisberger (37). Die Cardinals erreichten die Postseason als schwächstes Team der NFC nur mit Ach und Krach. Neun Siege standen gerademal auf der Habenseite. In den Playoffs selbst präsentierten sie sich aber komplett anders und entwickelten sich zum stärksten Team der National Football Conference. Ein Team nach dem Anderen wurde aus dem Titelrennen befördert, bis man schließlich das Ticket für den Super Bowl löste. Die Steelers hatten eine völlig andere reguläre Saison hinter sich. Als stärkste Mannschaft der AFC stiegen sie erst in der Divisional Round ein. Dort, sowie im Conference Championship Game, ließen sie nichts anbrennen und bahnten sich ebenfalls den Weg ins Finale.

Schon zu Beginn des zweiten Viertels lagen die Steelers mit zehn zu null vorn. Nachdem den Cardinals in den ersten 15 Minuten rein gar nichts gelang, brachten auch sie die ersten Punkte im zweiten Viertel aufs Board. Der Quarterback der Cardinals, Kurt Warner, schaffte es kurz darauf erneut mit seiner Offensive bis an die ein-Yard Linie der Steelers vorzudringen. Dort versagten ihm die Nerven und ihm passierte ein folgenschwerer Fehler. Sein Pass wurde von Linebacker James Harrison (41) abgefangen, welcher den Ball für 99 zurück in die Endzone trug. Mit diesem Pick-Six gingen die Teams mit dem Stand von 17:7 in die Halbzeitpause.

Pittsburgh's Santonio Holmes catches the game winning touchdown as the Pittsburgh Steelers beat the Arizona Cardinals 27-23 in Super Bowl XLIII at Raymond James Stadium in Tampa, Florida, Sunday, February 1, 2009.  (Photo by Gary W. Green/Orlando Sentinel/Tribune News Service via Getty Images)

Nach kräftigem Hin und Her und Punkten auf beiden Seiten, gelang es Arizona in Form von Larry Fitzgerald (WR, 36) einen weiterer Touchdown zu erzielen. Zum ersten Mal ergatterten sie somit die Führung in diesem Aufeinandertreffen. Mittlerweile war jede Menge Zeit verstrichen und selbst das vierte Quarter neigte sich dem Ende. Die Steelers hatten nur noch knapp zweieinhalb Minuten Zeit um mit einem Field Goal auszugleichen und sich in die Overtime zu retten. Doch Big Ben führte sein Team übers komplette Feld und konnte mit einem 40-Yards Pass auf sein Lieblingsziel Santionio Holmes (35) riesigen Raumgewinn verbuchen. Es folgte die spielentscheidende Szene. Knapp 40 Sekunden verblieben, Roethlisberger warf aus sechs Yards Entfernung denn Ball weit in Richtung Außenlinie der Endzone. Der Pass wurde zwar von Holmes gefangen, dies konnte aber doch keineswegs ein Touchdown sein. Beinahe jeder war sich sicher der Wide Receiver befand sich außerhalb des Feldes. Doch falsch gedacht. Nach überprüfen der Schiedsrichter stand die Entscheidung fest: Touchdown. Santiono Holmes konnte einen unfassbaren Catch verbuchen und geradeso mit den Zehenspitzen im Feld bleiben. Damit kürte er sich zum MVP des Spiels, krönte Big Ben zum jüngsten Quarterback mit einem Super Bowl Ring und bescherte der Franchise den sechsten Titel.

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