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Kansas City Chiefs – Der Auftakt Einer Dynastie?

KANSAS CITY CHIEFS – DER AUFTAKT EINER DYNASTIE?

Vor fast zwei Wochen haben die Kansas City Chiefs ihren zweiten Super Bowl gewonnen. Der letzte Sieg davor lag sogar genau 50 Jahre zurück. Das heißt, dass die Chiefs sehr lange auf den Triumph warten mussten. Geht es nach ihren Fans, soll der nächste Titel diesmal nicht so lange auf sich warten lassen. Viele sprechen bereits jetzt von der nächsten Dynastie und Wachablösung der New England Patriots.

Ein großer Hype

Man muss ja immer sehr vorsichtig mit dem Wort Dynastie sein. Nach dem jüngsten Erfolg der Chiefs wurde jedoch dieses Wort wieder vermehrt von gehypten Experten in den Mund genommen. Ich kann mich noch vor zwei Jahren nach dem Triumph der Philadelphia Eagles erinnern, wie alle plötzlich auf den Zug aufsprangen. Sicherlich spielten die Eagles eine wahnsinnig gute Saison 2017 aber eine Dynastie ist etwas außergewöhnliches. Nur sehr wenige Teams schafften ein solches Kunststück in dieser sonst so leistungsdichten NFL zu dominieren. Daher muss man auch sehr vorsichtig mit der Verwendung des Wortes sein.

Ausschlaggebend bei den Eagles war die Tatsache, dass man einen Quarterback auf M.V.P. Niveau durch einen Kreuzbandriss verlor und trotzdem den Titel holte. Nicht nur, dass man mit seinem Back-Up Quarterback den ersten Titel in seiner Franchise Geschichte holte, man dominierte auch noch über weite Strecken der Partie die New England Patriots! Gegen eine Bill Belichick (67, HC) Defense scorte man ohne den Etatmäßigen Quarterback Carson Wentz (27) 41 Punkte! Dies allein gelang bisher noch nicht vielen und dann auch noch im wichtigsten Spiel der Saison. Auf der ganz großen Bühne! Dies sorgte für mehr als nur Augenrunzeln. In Eagles Head Coach Doug Pederson (52) sah man den neuen Stern am Trainerhimmel. New England wurde von Philadelphia outplayed und outcoached.

Was also wenn dann auch noch Wentz wieder fit zurückkehrt, was dann? Diese Tatsache reichte vielen, um rund um die Eagles einen großen Hype aufzubauen und das Team als zukünftige Klasse für sich zu betiteln. Am Ende kam es dann (noch) nicht zur Dynastie. Das Team von Pederson schaffte es zwar in den folgenden beiden Jahren auch in die Playoffs, überzeugte aber nur noch sporadisch. Man profitierte von einer schwachen NFC East, wo man sich jüngst mit einer Bilanz von 9 – 7 – 0 als Divisionsieger durchsetzen konnte. Das Beispiel Philadelphia hat also gezeigt, dass man das Wort „Dynastie“ besser gewählt verwendet. Dies hat jedoch viele nicht daran gehindert, das Wort erneut nach dem 54. Super Bowl in den Mund zu nehmen. Diesmal geht es aber um die Kansas City Chiefs.

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Warum ist es diesmal dazu gekommen? Sicherlich weil das Grundgerüst der Chiefs mit einem sehr festen Fundament daher kommt. Man hat mit Andy Reid (61, HC) einen fantastischen Head Coach. Er gehört zu den erfolgreichsten und auch erfahrensten im aktuellen Footballzirkus. Viel bessere als Reid wird es wahrlich nicht geben. Außerdem kann man den kommenden Megastar sein Eigenen nennen. Patrick Mahomes (24, QB) hat in seinen beiden Jahren als Starter der Chiefs neue Maßstäbe gesetzt. Es macht einfach Spaß dem Jungen zu zuschauen. Die Coolness und Ruhe welche er bereits mit seinen 24 Jahren ausstrahlt ist mehr als ungewöhnlich. Schon jetzt sehen ihn viele als einen der zukünftig ganz großen Stars an. Er, so sind sich nicht wenige sicher, wird Peyton Manning (43), Tom Brady (42) oder Drew Brees (41) ersetzen. Das neue Zugpferd und Gesicht der NFL heißt Patrick Mahomes!

Diese Gegebenheit führt nun natürlich dazu, dass man die Chiefs in den kommenden Jahren auf Super Bowl Niveau sieht. Auch die Chiefs Fans hoffen nun, dass sich die Franchise zu jener der Patriots entwickelt. Ein Team, welches jedes Jahr um den Titel mitspielt. Getragen auf dem Rücken von Head Coach Andy Reid und in den Händen von Patrick Mahomes gelegt. Aktuell ist es tatsächlich schwer vorstellbar, dass dies der letzte Titel von Mahomes bleiben wird. Es gibt aber auch genügend Beispiele von großartigen Spielern, die es nicht über einen Titel hinaus geschafft haben. Wer erinnert sich nicht an Brett Favre (50, QB) in den 90ern? Er führte die Green Bay Packers fast jährlich in die Postseason. Zu einem Titel hat es aber „nur“ einmal gereicht.

Drew Brees erlitt das selbe Schicksal. Der Spielmacher holte mit seinen New Orleans Saints 2009 den Super Bowl. Danach kam man nicht mal mehr in einer Saison auf zwei Playoff Siege. Eine weitere Super Bowl Teilnahme blieb Brees somit verwehrt. Ein ähnliches Schicksal erlitt bislang auch Aaron Rodgers (36). Rodgers übernahm das Zepter direkt von Favre bei den Packers. Als er 2008 Starter wurde, zeigte er auf Anhieb sein Potenzial. Zwei Jahre später holte er den Super Bowl. Auch dies blieb sein bislang einziger Ring. Sogar Rodgers, der die Liga über Jahre hin auf seiner Position dominierte und neue Maßstäbe setzte, konnte nie mehr als einen Ring holen. Freilich hat der „King of the North“ noch ein paar Jahre vor sich aber für eine Dynastie wird es wohl definitiv nicht mehr reichen.

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Wichtige Faktoren

Man muss aber bei all der Skepsis zugeben? Wenn ich bei den aktuellen Teams mein Geld auf eines Wetten müsste, welche in den kommenden Jahren die Liga dominieren wird und stetig um den Titel mitspielen wird, würde ich es tatsächlich auf die Kansas City Chiefs setzen. Es ist ja nicht so, dass man nur Mahomes hat. Das Team ist in einer guten Altersstruktur und sinnvoll aufgebaut. Die Verbesserungen in der Offseason wurden gezielt auf die Defensive ausgeweitet. Diese hat am Ende gereicht, um diesmal den ganz großen Wurf zu machen. Ein Verdienst, welcher auf den Head Coach zurückzuführen ist. Offensiv ist man eine Macht. Mahomes hat Waffen, die er gekonnt einsetzen kann.

Am Ende wird es natürlich von mehreren Dingen abhängen, ob die Chiefs stetig um Titel mitspielen. Ganz entscheiden sind jedoch zwei spezielle Faktoren. Zum Einen wird es die Gesundheit von Mahomes sein. Verletzt sich der Spielmacher schwer oder bekommt immer wieder Probleme, dann könnte das einer potenziellen Dynastie stark entgegenwirken. Auch Rodgers hätte möglicherweise den ein oder anderen Titel mehr, wenn er in den vergangenen Jahren nicht so häufig verletzt gewesen wäre. Obwohl die Chiefs nicht ganz so abhängig von ihrem Spielmacher sind wie andere Teams, so gibt es derzeit keinen besseren als Mahomes. Wer mit einem Manning oder Brady verglichen wird, muss schon etwas ganz besonderes sein und das ist er zweifelsohne.

Ein weiterer Punkt ist das Geld. Das die Patriots jährlich um den Titel mitspielen konnten, lag häufig daran, dass Starspieler auf viel Geld verzichteten. Freilich mussten Brady & Co. nicht am Hungertuch nagen, aber im Vergleich zu ihren Leistungen und anderen, waren viele der Pats für die Mehrheit ihrer Karriere massiv unterbezahlt. Für Titel muss man Opfer bringen. Die Gehaltsobergrenze könnte also auch einen Strich durch die Rechnung machen. Nehmen wir hier das Beispiel Brady-Brees. Ohne hier in irgendeiner Art und Weise gegen Brees zu schüren oder ihn für irgendetwas verantwortlich machen zu wollen, hat er jedoch im Vergleich zu Brady, stets auf einen fairen Lohn bestanden. Zeitweise stand Brees mit $ 30.000.000 im Jahr gegen den Salary Cap, während Brady gerade mal die Hälfte bekam. Das sind je nach Position mindestens zwei Top Spieler! Bei den Patriots wurde teilweise erwartet, dass man auf Geld verzichtet. Andernfalls wurde man getradet oder gecuttet. Es wird spannend sein, wie die Chiefs dagegen wirken werden.

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Erfolg hat seinen Preis. Die Frage ist nur in welche Richtung. Schafft man es eine Gruppe an Spielern zu gewinnen, die den Erfolg des Teams über die persönlichen Belange zu stellen, ist die Chance groß eine Dynastie zu starten. Andererseits weckt Erfolg natürlich auch Begehrlichkeiten und wenn man einen Super Bowl gewinnt, steigert das den eigenen Marktwert immens. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Superstars gesehen, die sogar gestreikt haben, um mehr Geld zu erhalten. Setzt sich dieser Trend fort, wird es schwierig sein für die Franchise alle Leistungsträger auf Dauer zu behalten. Es ist nicht jeder Charakter stark genug der Versuchung des Geldes zu Widerstehen. Nicht selten gibt es Teams, die für einen Spieler das Doppelte zahlen als man vielleicht vom eigenen Team erhalten würde. It’s all about the money! Auch beim Bilden eines Teams muss dies berücksichtigt werden. Mit Spielertypen wie Le’Veon Bell (27, RB) oder Ezekiel Elliott (24, RB) ist es schwierig einen Teamgeist zu entwickeln, ohne die Gehaltsgrenzen zu sprengen.

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