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Las Vegas Raiders – Es Nimmt Formen An

LAS VEGAS RAIDERS – ES NIMMT FORMEN AN

Wenn man in den vergangenen Jahren etwas über die Raiders gelesen hat, dann waren dies meist Dinge außerhalb des Platzes. Der viel diskutierte Umzug von Oakland nach Las Vegas ist nun vollzogen. Seid dieser Saison tritt das Team von Head Coach Jon Gruden (57) als Las Vegas Raiders an. Anstatt eines großen Events im neuen heimischen Allegiant Stadium, welches für unglaubliche 1,8 Mrd. US-Dollar erbaut wurde, blieb es eher ruhig. Aufgrund der „Corona-Situation“ konnte der Neustart der Franchise nicht wie gewohnt zelebriert werden. Da ist es hilfreich, dass zuletzt wieder mehr über die sportlichen Belange des Teams gesprochen wird. So langsam aber sicher nimmt es wieder Formen an.

GEGLÜCKTER CUT

Seit der Super Bowl Niederlage aus der Saison 2002, gab es für die Raiders wenig zu lachen. Fast wie aus dem Nichts, schafften sie 2016 einen Run in die Playoffs. Ungünstigerweise verletzte sich Quarterback Derek Carr (29) kurz vor den Playoffs. Am Ende schied man in der Wild Card Round aus. Gerne hätte man es gesehen, dass das Team an diesem starken Jahr anknüpft, was gänzlich misslang. Die Folgesaison wurde mit lediglich sechs Siegen beendet. Zu wenig für die Verantwortlichen. Eigentümer Mark Davis (65) wollte seine Franchise wieder im neuen Licht sehen. Damals war bereits klar, dass es einen Umzug nach Nevada geben wird. Bis der Umzug vollzogen ist, sollte die Franchise wieder an Strahlkraft gewinnen.

Somit wurde auf der Position des Head Coaches ein alter Bekannter verpflichtet. Der einmalige Super Bowl Champion Jon Gruden, welcher bereits um die Millenniumwende gute Arbeit für die Raiders verrichtete, unterschrieb einen 10 Jahresvertrag! Dies zeigte auf Anhieb, dass diese Angelegenheit ein langfristiges Projekt werden sollte. Gruden selbst sagte mal, dass ihn lediglich die Raiders aus seinem Ruhestand zurückholen konnten. Auch für den Erfolgscoach also eine Herzensangelegenheit.

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Das es ein langjähriges Projekt werden wird, zeigten schon bereits die ersten Monate. Gruden gestaltete seinen Kader komplett um. Leistungsträger und Publikumslieblinge wie Khalil Mack (29, DE, Bears) wurden abgegeben und zumeist gegen Draft Picks eingetauscht. Es wurde keine Rücksicht auf Verluste genommen. Für manch einen fand der Clear Out etwas zu harsch statt. Trotzdem, abgesehen von der Verpflichtung von Antonio Brown (32, WR) hat man sich nur wenig vorzuwerfen. Doch selbst Browns skurrile Saga bei den Raiders war so zum Zeitpunkt der Verpflichtung nicht vorherzusehen. Am Ende ging, auch vieler Kritiken zum Trotz, Gruden weiter seinen Weg.

Das Team beendete fast erwartungsgemäß die erste Spielzeit unter neuer Führung, mit gerade mal vier Siegen! Aber man konnte sich fortan sukzessive verbessern. Durch die Draftpicks konnte man junge talentierte Spieler dazu gewinnen. Bei den Raiders kann sich der Coach nun gerade zu austoben. Talente erkennen und dann nach seinem belieben formen. Das ist es, was Gruden liebt. Die Raiders gaben ihm die Möglichkeit und so langsam aber sicher sieht man auch was möglich ist. Der rigorose Cut scheint geglückt!

NEUSTART IN VEGAS, BABY!

Für Mark Davis, wird dieses Corona-Jahr sicherlich nicht wie gewünscht verlaufen. Sein neues Stadion hätte er sicherlich gerne gemeinsam mit den Fans eingeweiht. Der „Todesstern“ soll zur neuen Hölle für die Gegner werden. Nur blöd, wenn es leer ist und niemand rein kann! Dies hat dem Team selbst aber bisher nicht geschadet. Es ist Jahr eins in Vegas und auch erst das dritte Jahr von Grudens 10 jährigen Vertrag. Der Sprung in seinem zweiten Jahr auf eine Bilanz von 7 – 9 – 0 klang bereits verheißungsvoll. Aktuell steht man allerdings bei einer Bilanz von 3 – 2 – 0. Freilich gibt es Teams die deutlich besser gestartet sind aber wir wollen nicht vergessen, dass die Raiders bislang abgesehen von den Carolina Panthers, nur gegen letztjährige Playoff-Teilnehmer gespielt haben. Das lässt die Statistik gleich in einem anderen Licht erscheinen. Vor allem der letztwöchige 40 – 32 Sieg gegen den Super Bowl Champion Kansas City Chiefs, lies die Liga aufhorchen! Endlich auch wieder sportliche Erfolge! Genau passend zum Umzug.

Nach diesem vielversprechenden Start erscheinen die Playoffs tatsächlich realistisch. Natürlich tut man gut daran die Kirche zunächst im Dorf zu lassen und sich nicht unnötigen Druck aufzuladen. Mit dem Restprogramm im Auge, erscheint es aber durchaus möglich für eine Überraschung zu sorgen. Sicherlich gibt es für die Raiders noch die ein oder andere große Herausforderung, aber ein guter Grundstein ist gelegt. Wichtig wird dabei sein, dass sich die Offensive ähnlich stark wie in den ersten Wochen präsentiert. Mit 30,2 Punkten im Schnitt pro Spiel, gehören die Raiders zu den Besten. Damit scored man sogar besser als die hochgelobten Offensiven der Kansas City Chiefs (29,17) oder Baltimore Ravens (29,83)!

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Angeführt wird das Team dabei vom wiedererstarktem Quarterback Derek Carr. Der sich nun in seiner siebten Saison befindende Carr hat schon einiges an Höhen und Tiefen bei den Raiders erlebt. Nicht nur in seinem Team, auch auf persönlicher Ebene. Nach einem schweren Start musste er sich viel Kritik anhören. Danach blühte er 2016 auf und gehörte sogar zu einem der M.V.P. Kandidaten, ehe er sich schwer verletzte. Danach schien es so, als ob er nicht mehr ganz an seine Leistungen anknüpfen kann. Für viele schien es so, als ob 2016 ein Ausreißer nach oben war. Doch ob man es glaubt oder nicht, sein Head Coach scheint ihm gut zu tun. Unter Gruden fing sich der Spielmacher wieder und wird nun besser eingesetzt.

Es werden keine unmenschlichen Dinge von ihm verlangt. Carr muss im System-Gruden funktionieren und das tut er bisher richtig gut. Letzte Spielzeit wurde zu seiner persönlichen Bestleistung. In nahezu jeder wichtigen Quarterback Kategorie erreichte er einen neuen persönlichen Rekord. Bisher legt er 2020 sogar noch eine Schippe obendrauf. Mit einem aktuellen Quarterback Rating von 115.9 gehört er einmal mehr zu den Besten seiner Zunft. Hält er diese Leistungen im Verlauf der Saison, dann wird er dieses Jahr erneut zu einem ernsten M.V.P. Kandidaten gehören.

Unterstützung erhält Carr aber auch von zwei weiteren Leistungsträgern. Darren Waller (28, TE) avancierte in kürzester Zeit zu einem der besten Tight Ends der gesamten Liga. Nach kaum nennenswerten drei Jahre im Nirvana und Drogenhölle, explodierte der Spieler 2019 vollends. Befreit von Drogen, welche der Spieler über viele Jahre konsumierte, stieg er in komplett neue Sphären auf. 3 Touchdowns, 18 Receptions und 178 Yards fing Waller in seinen ersten drei Profijahren in 22 Spielen. Seine Zahlen aus der vergangenen Spielzeit sind dahingehend kein Vergleich!

SpieleReceptionsYardsTD
16901.1453

Waller ist auf seiner Position nun ein echter Topstar. Ähnliches lässt sich auch von Josh Jacobs (22, RB) sagen. Wie vorhin erwähnt, setzten die Raiders nun auf Talente und junge Spieler. Jacobs ist ein solches Talent. Der verlässliche Ballträger wurde bereits in seinem Rookiejahr zu einer festen Größe im Offensivspiel des Teams. Mit 4,8 Yards pro Laufversuch, gehörte er letztes Jahr zur Elite. Dementsprechend häufig bekommt der Spieler auch in dieser Spielzeit den Ball.

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SORGENKIND DEFENSIVE

Die Defensive als Sorgenkind zu bezeichnen ist nicht nur fair, sondern fast schon etwas zu milde ausgedrückt. Hier stimmt nämlich fast gar nichts. Würde sich die Offensive nicht so stark präsentieren, wäre man sicherlich nicht mit einem 3 – 2 – 0 gestartet. OK, die Gegner der Raiders waren allesamt stark. Gegen schlechtere Teams wären die Werte sicherlich etwas besser als sie es derzeit sind, aber es gibt eine ganz große Anfälligkeit, die sich die Teams auch in Zukunft zu Nutze machen werden. Die Verteidigung gegen den Lauf ist miserabel! Die ersten Wochen haben nämlich gezeigt, läuft man gegen die Raiders, hat man sehr gute Chancen auch zu gewinnen.

Diesen Vorwurf müssen sich auch die Chiefs gefallen lassen. Sie haben ihr Spiel in die Hände von Patrick Mahomes (25, QB) gelegt, was zumeist auch eine sehr gute Idee ist. Auch wenn es nicht sein bestes Spiel war, kann man ihm nicht aufgrund seines Spiels für die Niederlage verantwortlich machen. Doch beide Teams die gegen die Raiders gewonnen haben, haben durch ihr Laufspiel gewonnen. 38 mal liefen die New England Patriots und siegten deutlich. Es gab keinen Zugriff für die Verteidigung gegen den Lauf. Die Buffalo Bills liefen zwar nur 23 mal aber immerhin zwei TD’s. Schaut man sich an wie viele Yards die Defensive zulässt, dann kann man eigentlich fast gar nicht anders als seinen Matchplan auf ein gutes Laufspiel aufzubauen. Dies wird sicherlich auch in Zukunft eine Problemzone sein, die massiv von den Gegnerischen Teams attackiert wird.

Ganz Verteufeln möchte ich die Teams, welche auf eine Passoffensive gegen die Raiders setzten allerdings auch nicht. Hier liegt man bei den zugelassenen Yards ja auch im hinteren viertel der Liga. Zwar schafft man es zumeist die Touchdowns der Gegner zu verhindern, doch wenn man schon mal an der Tür klopft, sind es meist Punkte. Ob als Field Goal oder ggf. als Rushing Touchdown. Also generell sind in der Verteidigung einige Baustellen, die sicherlich auch nicht mehr 2020 beseitigt werden können. Hier sind wir im Prozess noch nicht so weit fortgeschritten, wie das in der Offensive der Fall ist.

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Trotzdem lässt sich festhalten, dass das Projekt der Las Vegas Raiders Formen annimmt. Wir befinden uns in einem vielversprechenden Prozess. Grundsätzlich ist es für die Attraktivität eines Teams gut, wenn man einen guten Offensiven Football präsentieren kann. Daher lag darauf auch zunächst das Hauptaugenmerk. In Zukunft wird sich aber sicherlich noch intensiver um die Verteidigung gekümmert werden, um auch hier zeitnah konkurrenzfähiger zu sein. Denn klar ist auch, bekommt man die Problematik nicht in den Griff, wird der Traum Playoffs 2020 nur ein Traum bleiben. Und trotzdem, falls es nicht klappt, befindet man sich auf einem guten Kurs. Dann könnte die Form eines Playoff-Gewands schon 2021 Wirklichkeit werden!

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