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New England Patriots – Die Zwei Seiten Der Medaille

NEW ENGLAND PATRIOTS – DIE ZWEI SEITEN DER MEDAILLE

Statistisch gesehen befinden sich die New England Patriots völlig im Soll. Mit 11 – 3 – 0 befindet man sich auf dem 1. Platz der AFC East und hält aktuell den 2. Seed der AFC. Trotzdem gibt es dieses Jahr große Zweifel am Erfolg der Pats. Erst kürzlich hörte man Aussagen, dass sie in den Playoffs kein Spiel gewinnen werden oder gar die Dynastie zu Ende sei. Mit aktuell 11 Siegen nur schwer vorzustellen. Trotzdem gibt es tatsächlich zwei Seiten der Medaille.

Die Meister Der Defensive

2019 ist eine Saison mit Licht und Schatten für die Franchise. Während die Defensive das gesamte Team trägt und womöglich die Beste der gesamten Liga ist, bekommt die Offensive derzeit kein Bein auf das Grün. Speziell wegen der Offensive sind Experten auch geneigt dem Champion wenig Chancen in der Postseason einzuräumen. Das Team präsentiert sich in dieser Spielzeit abhängig von der Defensive, wie schon lange nicht mehr. Gut das diese nahezu wöchentlich liefert.

Die Defensive rund um Linebacker Dont’a Hightower (29, MLB) liefert in allen Bereichen Top Leistung ab. Die Passverteidigung ist sogar die zweitbeste der gesamten Liga. Cornerback Stephon Gilmore (29, CB) hat deshalb große Chancen, zum Defensive Player Of The Year gekürt zu werden. Seine Statistik ist mehr als nur überragend. Von allen Seiten wird der Passverteidiger mit Lobeshymnen überhäuft.

Spiele INT’s TD’s Verteidigte Pässe Tackles Fumbles Recovered
14 6 2 18 44 1
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Doch nicht nur Gilmore spielt eine starke Saison. Rückkehrer Jamie Collins (30, OLB) welcher bereits für die Patriots von 2013 bis 2016 spielte, ist ein wahrer Glücksgriff. Ihm und seinem überragendem Spiel ist es zu verdanken, dass man sogar den dreimaligen Pro Bowler Michael Bennett (34, DE) zu den Dallas Cowboys tradete. Zu Beginn der Saison war ein Defensiv Konzept von 4 – 3 ins Auge gefasst worden um so einen Platz für den ehemaligen Starspieler der Seattle Seahawks in der Defensive Line zu haben. Durch die starken Auftritte Collins, wurde der Plan über den Haufen geworfen und zurück zum von Head Coach Bill Belichick (67) bevorzugten 3 – 4 gewechselt.

Belichick bevorzugt es, da durch die, in der Regel, athletischeren Linebacker Druck auf den Quarterback zu erzeugen bzw. flexibler in der Passverteidigung zu sein. Daher operiert er überwiegend mit nur drei Männern an der Line Of Scrimmage und lässt dahinter mit vier Linebacker spielen. Der diesjährigen Defensive schadet die vollzogene Umstellung jedenfalls nicht.

Allgemein ist das diesjährige Defensivkonzept überragend. Alle Spieler sind perfekt eingestellt und wissen um die Stärken und Schwächen ihrer Gegner. Sinnbildlich für das Coaching ist die Tatsache, dass man die beste Defensive der Liga hat, aber lediglich zwei Defensivspieler in den Pro Bowl gewählt wurden! Dieses ungewöhnliche Szenario spricht einfach dafür, dass man für die Stärke der Defense nicht die individuelle Leistung der Spieler, sondern das Coaching und Gesamtkonzept verantwortlich macht. Ganz nach dem Motto der Patriots „Do Your Job“!

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Auffällig ist, dass es gerade in der Passverteidigung fast egal ist, wer spielt. Egal ob neben Gilmore, Jason McCourty (32, CB), J.C. Jackson (24, CB) oder Jonathan Jones (26, CB), alle erledigen ihren Job gut und lassen kaum etwas anbrennen. Selbiges gilt auch beim Pass Rush. Auch hier verteilt sich die Effektivität auf mehrere Schultern. Es gibt niemanden, der besonders herausragt, sondern alles verteilt sich auf alle Schultern. Eben der gewohnte Stil der Pats.

Top 5 Pass Rusher New England Patriots

Spieler Spiele Sacks QB Hits
Kyle Van Noy 13 6.5 13
Jamie Collins 14 6 8
Adam Butler 14 5.5 7
Chase Winovich 15 5.5 10
Dont’a Hightower 13 4 9

schwächelnde offensive

So stark die Defensive ist, so schwach präsentiert sich zuletzt die Offensive. Seit der Bye-Week in Woche 10 brachte man kaum Punkte aufs Board. Das schlechteste Pass und ein katastrophales Laufspiel stehen dieses Jahr zu Buche. Eigentlich war über Jahre die Offensive die große Stärke der Patriots. Warum der Offensiv-Motor so stottert liegt auf der Hand. Mit dem Karriereende von Tight End Rob Gronkowski (30) hat sich eine riesige Lücke im Kader New Englands aufgetan, welche in keiner Weise gefüllt werden konnte. Auf der Positon Gronkowskis ist man das mit Abstand schwächste Team der Liga. Kein Team erzielte weniger Raum durch Tight Ends als die Patriots. Vier Spieler schafften bislang zusammen 392 Yards Raumgewinn und einen (!!!) Touchdown!

Auch Gronks fehlende vortreffliche Blocker Qualitäten merkt man vor allem im Laufspiel. Letzte Saison lief Running Back Sony Michel (24) in seinem Rookie-Jahr noch 931 Yards Raumgewinn, bei im Schnitt 4,5 Yards pro Laufversuch und 6 Touchdowns. Zwar steht er 2019 bereits jetzt bei schon 6 TD’s aber auch nur 742 Yards Raumgewinn mit im Schnitt 3,6 Yards pro Laufversuch. Das ist fast 1 Yard im Schnitt weniger als noch ein Jahr zuvor! Ein rapider Abfall, den man aber großteils auch auf die O-Line zurückführen muss. Die Offensive Line der Patriots ist wohl eines der Mannschaftsteile, welche am meisten Beachtung und Upgrades in der Offseason bekommen wird.

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Nicht nur das Laufspiel funktioniert nicht so wie vorgestellt. Auch Quarterback Tom Brady (42) bekommt zu oft den Druck des Gegners zu spüren. Das man bislang „nur“ 27 Sacks zu gelassen hat, liegt vor allem daran, dass der erfahrene Haudegen es wie kein anderer versteht, den Ball rechtzeitig los zu werden. Ohne Bradys Geschick im Umgang mit der Vermeidung von Sacks würde man hier einen noch weitaus katastrophaleren Wert innehaben.

Auch Brady selbst hat mit großen Problemen zu kämpfen. Erstmals seit seinem Kreuzbandriss 2008 ist der Spielmacher nicht in den Pro Bowl gewählt worden. Seine Passstatistiken gehören aktuell zu den schlechtesten seiner gesamten Karriere! Pässe, welche er früher ohne Probleme an den Mann brachte, gestalten sich mittlerweile nicht mehr so einfach wie sonst. Auch ihm war in den letzten Wochen ein deutlicher Verlust des Selbstvertrauens anzumerken. Daran ändern auch seine sechs gewonnene Super Bowls nichts.

One-And-Done?

Bei den zwei Seiten der Medaille fragt sich natürlich jeder, was am Ende unter dem Strich herauskommt? Die Verteidigung ist wahrlich die eines Champions würdig. Die Offensive dagegen nicht. Zu früh sollte man Brady & Co. trotzdem nicht abschreiben. Auch wenn die bisherigen Niederlagen gegen Playoff Konkurrenten mehr als unüblich für die Pats sind. Neben der klaren 20 – 37 Niederlage gegen die Baltimore Ravens (1. Seed), zog man außerdem gegen die Houston Texans (4. Seed) und Kansas City Chiefs (3. Seed) den kürzeren. In allen drei Spielen wurde deutlich, dass die Offensive nicht in der Lage war, auf die grundsätzlich gute Leistung der Defensive aufzubauen und das Spiel zu bestimmen. Anders als in den Jahren zuvor, hält die Defensive das Spiel noch am Leben, während die Offensive zu häufig nichts aus ihrem Ballbesitz macht. Dann darf man sich natürlich nicht beschweren, wenn am Ende nichts rumkommt.

In den USA prognostizierte Experte Rex Ryan (62), ehemaliger Head Coach der AFC East Konkurrenten New York Jets und Buffalo Bills, ein „One-And-Done“ in den Playoffs. Sozusagen, man hat ein Spiel in der Postseason und wird dies auch verlieren. Zunächst muss man aber noch gegen den ehemaligen Arbeitgeber Ryans den Divisionstitel ausspielen. Hierzu gastieren die Bills am Samstag Abend in Foxborough, Massachusetts. Nach dem Hinspielerfolg wollen die Patriots vor heimischer Kulisse den nächsten Divisionstitel fix machen. Es wäre der 11. in Serie. Den Rest werden die kommenden Wochen zeigen. Das Ende der Dynastie bin ich aktuell (noch) nicht bereit herbei zu schreiben. Bei einer 11 – 3 – 0 Bilanz wäre das auch etwas grotesk. Die Probleme in der Offensive lassen sich aber nicht von der Hand weisen. Wir werden sehen, ob die Patriots die zweite Seite der Medaille rechtzeitig zu den Playoffs sauber bekommen.

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