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New Orleans Saints – Weiter Auf Rekordjagd

NEW ORLEANS SAINTS – WEITER AUF REKORDJAGD

Wir schreiben den 20.01.2019. Conference-Championship-Game der NFC. Am späten Abend waren die Los Angeles Rams bei den New Orleans Saints zu Gast. In einer heiß umkämpften Partie steht es im vierten Viertel kurz vor Schluss 20:20. Mit noch etwa 1:45 Minuten auf der Uhr befinden sich die Saints an der gegnerischen zwölf-Yard-Linie. Dritter Versuch und zehn. Brees schickt seinen Wide Receiver in Motion und wirft einen etwa acht Yard langen Pass in Richtung der rechten Außenlinie. Wide Receiver Tommylee Lewis (27) hat den Ball fest im Blick und macht sich für den Fang bereit. Doch lange bevor der Pass überhaupt fangbar ist, wird der Receiver rüde von den Beinen geholt. Nicht nur für Anhänger New Orleans` eine klare Pass-Interference und unnötige Härte. Zu allem Überraschen wurde das von den Schiedsrichtern allerdings nicht so gesehen und der Spielzug als incomplete Pass gewertet.

Niemand, wirklich niemand konnte das fassen. Saints Head Coach Sean Payton (55) war außer Rand und Band und diskutierte wild gestikulierend mit mehreren Offiziellen. Sieht man sich die Situation mit mehreren Wiederholungen an, wirkte sogar der Rams Cornerback Nickel Robey-Coleman völlig überrascht für diese Situation keine Flagge fliegen zu sehen und jubelt erst stark verzögert. Im Anschluss kickten die Saints nur das Field Goal, was auch Los Angeles gelang. Damit ging die Partie in die Overtime. Zwar gewann New Orleans den anschließenden Münz Wurf und bekamen somit den Ball. Diesen entscheidenden Vorteil konnten die Jungs von Sean Payton allerdings nicht nutzen. Bei einem getippten Pass von Drew Brees (QB, 40) auf sein Lieblingsziel Michael Thomas (WR, 26), fing ein gegnerischer Defensive Back die Bogenlampe ab. Das anschließende Fieldgoal aus 57 Yards zerschmetterte die Träume der Saints und besorgte den Rams den Einzug in den Super Bowl.

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Bis tief in die Offseason wurde diese Szene reichlich diskutiert und analysiert und nach einer Lösung gesucht, um solche Szenen in Zukunft richtig zu ahnden. Schließlich führte die NFL eine neue Regel ein, bei der es Head Coach´s künftig ebenfalls gestattet war die rote Flagge in derartigen Situationen zu werfen, um nicht geahndete Dinge anzweifeln zu können. Für New Orleans kam diese Regel zu spät und man sieht sich noch heute um den Einzug in den Super Bowl betrogen.

Trotz Schock auf Kurs

2019 galt mal wieder das Minimalziel Playoffs. Schließlich hatte man weiterhin Offensiv wie Defensiv einen grandiosen Kader zusammengestellt und die Zeit des Ausnahmetalents Brees neigt sich so langsam dann doch dem Ende. Der Quarterback startete auch richtig gut in seine 19. (!) Saison. Am ersten Spieltag bezwang man nämlich gleich die hochgelobten Houston Texans knapp mit 30:28. Doch bereits eine Woche später versetzte es die Fans in New Orleans in tiefe Schockstarre. Der langjährige Passgeber musste nach kurzer Zeit die Partie in Woche zwei verletzungsbedingt verlassen und wurde von Backup-Quarterback Teddy Bridgewater (27) ersetzt.

Mit 9:27 kam man schließlich unter die Räder. Und das natürlich ausgerechnet gegen einen Altbekannten, die vom letzten Jahr so verhassten Los Angeles Rams. Nicht wenige schrieben das Team ab nachdem öffentlich wurde das Brees mehrere Wochen fehlen würde. Sollte das wirklich schon das Aus bedeuten? Nein, ganz im Gegenteil. Teddy Bridgewater sprang in die Presche und machte seinen Job nach einer kurzen Warmlaufphase überraschend gut. Zwar kam Bridgewater in seinen sechs Partien nicht auf herausragende Statistiken, er managte die Spiele aber enorm gut und erlaubte sich kaum Fehler. Was aber noch viel wichtiger war: Alle sechs Spiele konnte er gewinnen. Bei der Rückkehr ihres Starting Quarterbacks standen die Saints dann bei einem Sieg Niederlagen Verhältnis von sieben zu eins und befanden sich hart auf Kurs für die Postseason.

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Seitdem erlaubte man sich nur noch zwei weitere Schnitzer. In Woche zehn gegen die Atlanta Falcons und in Woche 14 gegen die San Francisco 49ers. Wobei man bei den letztgenannten dieses Jahr durchaus mal verlieren kann. Schließlich gelten diese als ganz heißer Super Bowl Kandidat. Auch wenn Brees mit seinen 40 Lenzen in der Sportwelt zu den Opas zählt und zu Beginn von einer Verletzung zurückgeworfen wurde, zeigt er immer noch was ihn die zwei vergangenen Dekaden auszeichnete. Er gehört immer noch zu den Besten auf dieser Position und liefert weiterhin unfassbar starke Zahlen ab.

Spiele Quarterback Pass.-Yards TD INT
6 Teddy Bridgewater 1370 9 2
8 Drew Brees 2447 21 4

Rekorde über Rekorde

Wie bereits erwähnt zeigt sich Brees in toller Form und heimst Woche für Woche Rekord um Rekord in der NFL ein. Unzählige hat er bereits aufgestellt oder gebrochen. In der vergangenen Saison überholte er bereits Peyton Manning (QB, 43) in der Liste der Akteure mit den meisten Passing-Yards der Geschichte. Am Vergangenen Wochenende passierte er dann ebenfalls die von Manning hoch gesetzte Marke der meisten geworfenen Touchdowns. Der „Sheriff“ kam in seinen 18 Jahren bei den Denver Broncos und den Indianapolis Colts auf 539 davon. Gegen eben diese Colts warf Drew am Wochenende vier Touchdowns und kommt damit bisher auf 541, eine stetig steigende Zahl. Momentan könnte ihm nur der GOAT Tom Brady (QB, 43) diesen krassen Rekord strittig machen, denn mit 538 steht auch er nur knapp hinter Manning.

Aber natürlich muss auch irgendjemand die unzähligen Pässe von Brees fangen. Mit Michael Thomas steht diesem ein Wide Receiver der Extraklasse zur Seite. In seinen vier Jahren in gold, schwarz und weiß konnte sich Thomas jedes Jahr enorm steigern. Dieses Jahr stieg er sogar in Sphären von NFL Koryphäen auf. Bisher kommt er in 14 Begegnungen nämlich auf 133 Passfänge und könnte tatsächlich den im Jahr 2002 aufgestellten Rekord von Marvin Harrison (47) brechen. Der achtmalige Pro Bowler fing damals ganze 143 Pässe und natürlich jeden einzelnen davon im Dress der Indianapolis Colts und von Peyton Manning.

Jahr Receptions Rec.-Yards TD
2016 92 1137 8
2017 104 1245 5
2018 125 1405 9
2019 133 1552 8

Ein zweites Mal?

Mit Spielern wie Thomas, Brees und Alvin Kamera in der Offensive gehört diese erneut zu den gefährlichsten und vielseitigsten der NFL. Aber auch Defensiv hat man in New Orleans jede Menge zu bieten. Während man gegen den Pass zwar nur im Mittelfeld der NFL rangiert, gehört man gegen den Lauf zur Elite der Liga. Nur 90,8 erlaubte Laufyards pro Partie sind der viertbeste Wert. Am Boden lässt man aber nicht nur wenig Raumgewinn zu, sondern auch wenige Punkte. Gegnerische Teams gelangen bis dato nur 10 Rushing Touchdowns. Ebenfalls ein Wert in den Top-Ten. Auf der defensiven Seite sticht aber besonders ein Spieler hervor. Edge-Rusher Cameron Jordan (DE, 30) spielt in seinem neunten Jahr in New Orleans erneut eine grandiose Spielzeit und kann bisher einen persönlichen Bestwert von 13,5 Sacks für sich verbuchen. Somit gehört der Pass-Rusher ligaweit zu den drei Spielern mit den meisten Quarterback-Sacks in diesem Jahr.

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Dank einer herausragenden Offensive und einer stabilen Defensive konnte man elf Siege bei nur drei Niederlagen einfahren. Erneut stehen die New Orleans Saints somit auf dem ersten Rang in der eigenen Division, der NFC South. Erneut ist ein Playoff Platz sicher. In welcher Playoff-Runde man allerdings antreten muss bleibt noch offen. Die Konkurrenz in der NFC auf den ersten und zweiten Seed ist nämlich enorm stark. Bisher stehen vier Teams bei genau 11:3. Die Green Bay Packers, die Seattle Seahawks, die San Francisco 49ers und eben die New Orleans Saints. Knapp dahinter stehen außerdem noch die Minnesota Vikings mit 10:4, die ebenfalls noch ein Wörtchen mitsprechen wollen.

Die beiden ersten Seeds sind wegen der Bye-Week während der Wildcard-Round natürlich sehr erstrebenswert. Momentan werden diese von den Seahawks und den Packers belegt. Eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus und wird wahrscheinlich auch erst am letzten Spieltag entschieden. Denn dann treffen die 49ers auf die Seahawks. Das Restprogramm der Saints hingegen sieht verhältnismäßig leicht aus. Heute gastiert man bei den wiedererstarkten Tennessee Titans und in Woche 17 stehen die enttäuschenden Carolina Panthers an. Beides definitiv keine geschenkten Siege, für die hoch gesteckten Ziele aber Pflichtsiege. Zum Ende der Spielzeit wäre es Brees und Co. wohl gegönnt nach 2010 wieder die Vince Lombardi Trophy in die Höhe zu recken. Schließlich wäre es eine Schande, wenn eine lebende Legende wie Brees seine herausragende Karriere mit nur einem NFL Meisterschaft beenden müsste.

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