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Pittsburgh Steelers – Reise Ins Ungewisse

PITTSBURGH STEELERS – REISE INS UNGEWISSE

Jahrelang galten die Pittsburgh Steelers als größter Konkurrent der New England Patriots in der AFC. Das Team um Head Coach Mike Tomlin (47) war gut aufgestellt. Mit einem herausragenden Quarterback-Wide Receiver-Running Back Trio wurde man von der gesamten Liga gefürchtet. Angeführt von Spielmacher Ben Roethlisberger (37, QB) wollte man unbedingt den Titel erneut nach Pittsburgh holen. Komplettiert wurde seine Offensive von einem der Besten Wide Receiver der letzten Jahre. Antonio Brown (31, WR). Ebenso gehörte Le’Veon Bell (27, RB) zu einem der Besten auf seiner Position. Immer wieder versuchte man es in den Super Bowl zu schaffen, scheiterte aber stets. Als man es letzte Saison nicht mal in die Playoffs schaffte, zerbrach die Offensive und die Steelers befinden sich nun an einem Punkt, wo man nicht genau weiß, was man erwarten kann und darf.

Der Verfall Des Trios?

Nun ist die Franchise an einem Punkt angelangt wo man sich zunächst fragen muss, wie es dazu kam. Ben Roethlisberger wurde 2004 von den Steelers in der 1. Runde an 11. Stelle ausgewählt. In seiner bisherigen Karriere kann man den 1,96 Meter großen Hünen nur wenig vorwerfen. Zwei Mal holte er bereits mit seinen Steelers den Super Bowl. Über die Jahre entwickelte sich Roethlisberger zu einem mehr als verlässlichen Quarterback, nur wenige können den Ball besser werfen als er. Dies zeigen auch seine sechs Pro Bowl teilnahmen. Mit einem neuen Vertrag ausgestattet startet der 37 jährige in seine nunmehr 16. Saison bei den Steelers.

Kürzlich stand er jedoch deutlich in der Kritik. Wurde er doch von seinem ehemaligen Star-Duo Antonio Brown und Le’Veon Bell stark für seinen Führungsstil kritisiert. Als außenstehender ist es hier nicht ganz klar zu beurteilen, ob hier die Egos einzelner Protagonisten vielleicht etwas höher herausragen und somit Vorwürfe verbreiten, oder ob es tatsächlich an dem Leader lag. Für Misserfolge in den vergangenen Spielzeiten wurde unter anderem „Big Ben“ verantwortlich gemacht. Die Art und Weise wie er mit Spieler kommuniziere und Kontakt halte stand ebenfalls zur Debatte. Komisch ist jedoch, dass erwachsene Männer erst damit kommen, wenn sie den Verein verlassen haben. Als hätte man nicht früher die Initiative ergreifen können und über gewisse Dinge sprechen können. Für mich schaut es hier aus, als wolle man von seinem eigenen Scheitern etwas ablenken oder einen Wechsel als Selbstschutz so begründen. „Es geht ja nicht ums Geld, sondern……“, usw.. Ich denke man kann sich aber einig sein, dass das Nachtreten immer einen faden Beigeschmack beinhaltet, für alle Beteiligten!

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Trotz dieser Vorwürfe wird Roethlisberger als einziger des Trios in Pittsburgh verweilen. Antonio Brown wurde mehr oder weniger aus eigenem Wunsch zu den Oakland Raiders getradet. Bei ihm bewies man 2010 ein sehr gutes Händchen. Erst in der 6. Runde an 195. Stelle wurde Brown im Draft ausgewählt! Seither lieferte er Saison für Saison top Leistung ab. In seiner Karriere hat er bereits über 11.000 Yards Raumgewinn erzielt und 74 Touchdowns gefangen. Einer zukünftigen Aufnahme in die Hall of Fame scheint fast schon sicher.

Der ehrgeizige Spieler, welcher für sein extravagantes Auftreten außerhalb des Platzes bekannt ist, zog nun aber einen Schlussstrich. Bei den Raiders bekommt AB noch mehr Geld, was den Wechsel sicherlich zusätzlich versüßt. Es hat den Anschein, als habe er für sich mit dem Willen einen Super Bowl zu gewinnen abgeschlossen und nimmt nun noch etwas den Ruhm und Status an der Westküste mit. Oakland befindet sich derzeit bekanntermaßen im Aufbau. Zwar hat das Team von John Gruden in dieser Offseason gut gearbeitet, ich würde aber nicht mein Geld darauf Wetten, dass in den kommenden zwei bis drei Jahren der Super Bowl an die Raiders geht. Angesichts seines Alters ist es aber so, dass Brown eigentlich keine Zeit für eine Mannschaft mit Entwicklungspotenzial hat.

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Bereits in der vergangenen Spielzeit mussten die Steelers auf Le’Veon Bell verzichten. Bell wollte als einer der besten Running Backs der Liga einen langfristigen und hochdatierten Vertrag erstreiken. Anfang der Saison hatte die Franchise noch die Hoffnung, dass der Akteur irgendwann zur Vernunft kommt. Nach und nach vergingen die Spieltage. Irgendwann musste die Franchise erkennen, dass das Tuch zerschnitten war. So setzte Bell die gesamte vergangene Saison aus, als Free Agent unterschrieb er in dieser Offseason eine neuen Vertrag bei den New York Jets. Ob sich der Streik nun wirklich gelohnt hat, darüber kann man sicherlich streiten (wir berichteten bereits).

Jetzt sucht er jedenfalls sein Glück am „Big Apple“ und wird dort sicherlich die Offensive auf ein neues Level hieven. Aufgrund seiner variablen Einsatzfähigkeit als Running Back aber auch als Receiver war er für die Steelers stets sehr wichtig. Sein Fernbleiben ist auch einer der Gründe dafür, dass es am Ende nicht mit den Playoffs 2018 geklappt hat. Im Schnitt erzielt Bell pro Laufversuch einen Raumgewinn von 4.3 Yards, was ein starker Karrierewert ist. Honoriert wurden seine Leistungen mit drei Pro Bowl teilnahmen aus gerade mal 5 Saison. In New York wird man sich sicherlich auf den Superstar freuen. Bei den Steelers wird sowohl er, als auch Antonio Brown sehr große Lücken hinterlassen.

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Ein neuer abschnitt

Für die Pittsburgh Steelers beginnt nun ein neuer Abschnitt. Eine Reise ins ungewisse. Wo genau man steht, wird man sicherlich erst am Ende der Saison sagen können. Es ist nicht so, dass der Kader kein Potenzial hat. Mit JuJu Smith-Schuster (22, WR) hat man eine sehr junge Waffe. Mit dem Abgang von Brown wird man sicherlich versuchen das gesamte Potenzial von Smith-Schuster zu entfalten. In der Vergangenheit spielte der Youngster nur die zweite Geige hinter dem Superstar. Jetzt wird er die zukünftige Nummer 1 der Steelers sein und somit mehr Bälle bekommen.

Auf der Running Back Position erledigte James Conner (24) in der vergangenen Saison seinen Job überraschend gut. Der 1,85 Bulldozer geht in sein drittes Jahr bei den Steelers und verpasste letztes Jahr die 1.000 Yards Marke nur knapp. Herausragend ist, wie Conner an seinen Fängerqualitäten gearbeitet hat. Mit 55 Receptions und fast 500 Yards Raumgewinn, bewegt er sich langsam an den Superstar Bell heran. Hier gilt es seine Leistungen noch weiter zu steigern um zumindest den Verlust auf dieser Position im Rahmen zu halten.

Generell vertrauen die Steelers zunächst auf ihren Offensivkader. Sah man in der aktuellen Free Agency doch eine größere Notwendigkeit etwas in der Defensive zu verändern. Zwar wurde mit Donte Moncrief (26, WR) noch ein ordentlicher Wide Receiver verpflichtet, das Hauptaugenmerk lag aber auf der Defensive. Diese wurde mit Mark Barron (29, LB) und Steven Nelson (26, CB) gezielt verstärkt. Nelson wird wohl das Pendant zu Joe Haden (30, CB) darstellen. Barron, welcher letzte Saison mit den Los Angeles Rams den Super Bowl knapp verpasste, soll als Linebacker mit seiner Erfahrung sofort weiterhelfen. In meinen Augen ein sehr geschickter Zug, halte ich den Spieler doch für eine solide Lösung die ein oder andere Lücke aus der vergangenen Saison zu stopfen. Außerdem kann Barron zur Not auch als Strong Safety agieren.

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Ein Fazit für 2019

Ich bin sehr gespannt, wie sich die Steelers aus der Affäre ziehen werden. Was wir erwarten können ist wohl eine ähnliche Leistung wie letzte Saison. Mit einer Bilanz von 9 – 6 – 1 wurden die Steelers zweiter der AFC North. Problematisch könnte aber sein, dass die Cleveland Browns ordentlich aufgerüstet haben. Auch die Baltimore Ravens sehe ich nicht schlechter als letzte Saison. Dies könnte dazu beitragen, dass die Steelers innerhalb der eigenen Division zurückfallen. Der Offensivdruck für einzelne Spieler, welche bislang nicht so im Fokus standen, wird nun sehr viel größer. Es bleibt also abzuwarten wie die vor allem jungen Spieler damit umgehen. Ob sie an die starken Leistungen der Vergangenheit anknüpfen können?

Es wäre aber auch mehr als eine Überraschung wenn die Steelers zwei ihrer großen Leistungsträger verlieren und man überhaupt nichts merken würde. Das erreichen der Playoffs wäre für mich ein Überraschung. Hier und da wird man sicherlich Probleme bekommen, wo man sich sonst auf die individuelle Klasse von Antonio Brown oder Le’Veon Bell hätte verlassen können. Auch dass die Browns so aufrüsten kommt für die Franchise zu einem ungelegenen Zeitpunkt. Deshalb sehe ich für die Steelers das erreichen der Playoffs als Maximalziel. Intern bin ich mir nicht mal sicher ob das so ausgegeben wird. Es ist nun mal eine neue Reise ins Ungewisse.

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