Aktuelles

Pro & Contra – Regeländerung 4th & 15

PRO & CONTRA – REGELÄNDERUNG 4TH & 15

Jährlich findet vor der Saison zwischen den Offiziellen der NFL und den Eigentümern der einzelnen Franchises ein Treffen statt. Dabei wird diplomatisch über potenzielle Regeländerungen diskutiert und demokratisch abgestimmt. Somit gibt es auch vier neue Regeln, welche ab der kommenden Spielzeit in Kraft treten werden. Die Regeländerung zu einer potenziellen Wachablösung der Onside Kicks hingegen wurde vertagt. Zeit, sich dem Ganzen mal im Sinne von Pro und Contra zu widmen. Was spricht für und gegen eine potenzielle 4th & 15 Regeländerung.

Alternative Zum Onside Kick

Nach einem Field Goal oder Touchdown kickt das Team welches die Punkte erzielt hat den Ball in der Regel zum Gegner. Kurz vor Ende des Spiels macht dies bei einem Rückstand aber natürlich keinen Sinn, da der Ballbesitz wechseln würde. Der letzte Strohhalm an den sich die Teams dann klammern können, ist der sogenannte Onside Kick. Ein Spielzug in dem der Kicker versucht den Ball so zu kicken, dass ihn ein eigener Mitspieler ergattert. Unter Auflagen von diversen Regelungen ein schweres unterfangen. Zur Vorsorge von Verletzungen bei Onside Kicks wurden nämlich die Regeln nach der Saison 2017 angepasst. Seither ist die Erfolgsquote von knapp 21 % aus der Saison 2017 in den beiden Folgesaisons auf gerade mal 6 % gesunken. Grund genug für einige Teams über potenzielle Veränderungen nachzudenken.

Letzte Saison schafften es nur die Chicago Bears einen erfolgreichen Onside Kick auszuführen, bei Ligaweit 29 Versuchen. Eine Quote, die natürlich widerspiegelt, dass es mittlerweile kaum mehr möglich ist, einen erfolgreichen Kick auszuführen. Als Alternative schlugen die Denver Broncos eine neue Regel vor. Die sogenannte 4th & 15 Regel sollte einem Team zur Verfügung stehen um an Stelle eines Onside Kicks einen Spielzug von der eigenen 20 Yard Linie als 4th & 15 auszuführen. Erzielt man bei diesem Versuch ein neues First Down, würde der Drive für das Team am Leben bleiben und ganz normal fortgesetzt. Dies sollte zu einer höheren Erfolgsquote und somit spannenderen Schlussszenen eines Spieles führen. Nun wurde die Diskussion der Regeländerung auf kommende Saison vertagt.

Pro 4th & 15

Was sicherlich für die 4th & 15 Regelung sprechen würde, wäre ein spannenderes Finale einer Partie. Neutral betrachtet bevorzugt wahrscheinlich jeder einen letzten spannenden Spielzug in Richtung Endzone, als ein Abknien der Siegermannschaft bereits über 1 Minute vor dem Ende. In einer Zeit, wo es um mehr Geld und größere Unterhaltungswerte denn je geht, sicherlich ein sinniges unterfangen. Während die „Victory-Formation“ für viele eine der großartigsten des gesamten Sports ist, finden es andere langweilig. Viel mehr möchte man doch einen Patrick Mahomes (24, QB, Chiefs) oder Tom Brady (42, QB, Buccaneers) lieber in einem letzten Drive mit dem Ball sehen und am nächsten Tag über die Genialität der Spieler sprechen. Über die Auswahl der letzten Spielzüge oder potenzielle heroische Defensivleistungen in diesen letzten Minuten einer Partie.

Zuschauer die nach dem misslungenen Onside Kick abschalten, weil sie genau wissen, dass es nur noch die „Victory-Formation“ zum herunterlaufen der Uhr geben wird, würde es so wahrscheinlich nicht mehr so häufig geben. Stattdessen würde jeder dran bleiben und dem 4th & 15 Versuch gespannt abwarten und ggf. den letzten Drive. Schafft es Mahomes den Drive am Leben zu erhalten? Sucht Brady eher Rob Gronkowski (31, TE, Buccaneers) oder Mike Evans (26, WR, Buccaneers)? Die Essenz des Spiels in den letzten Minuten würde sich gravierend verändern. Anders als es aktuell mit dem Onside Kick ist. Selbst als verteidigende Mannschaft weiß man, wie gering die Wahrscheinlichkeit eines solchen Kicks mittlerweile ist. So das der Puls eines Zuschauers, nur bedingt nach oben ausschlägt. Anders verhält sich da die Situation, wenn man weiß, dass die eigene Verteidigung bei 4th & 15 Pat Mahomes und seine Kansas City Chiefs verteidigen muss. Eine Aufgabe, die der Verteidigung nochmal alles abverlangen würde.

Embed from Getty Images

Abschließend muss man wirklich sagen, dass die Einführung einer solchen Regelung der Spannung des Spiels, welche ohnehin bereits unglaublich hoch ist, nochmal in neue Spähren aufsteigen lässt. Neutral betrachtet wäre dies sicherlich ein ähnliches Fest wie vielleicht beim Fußball ein 11 Meterschießen, sollte der Drive mit einem neuen Frist Down am Leben bleiben. Spannung bis zum Schluss! Argumente, dass diese 4th & 15 Regelung zu höheren Verletzungsrisiken führen könnte ist für mich überflüssig. Eine solche Situation kann sich nämlich jeder Zeit ergeben. Letztlich ist es ein ganz normales unterfangen, dass sich Offensive und Defensive gegenüber stehen. Wer mit einem solchen Argument um die Ecke kommt, kann auch gleich mit einer Verkürzung der Spieldauer von 60 Minuten anfangen. Ein Fass ohne Boden, in dem man das gesamte Spiel in Frage stellen würde.

Manche argumentierten auch, dass das Ende eines Spieles so fairer wäre als aktuell. Sicherlich ist die Quote eines Onside Kicks aufgrund der Regeländerung zum Schutz der Spieler äußerst gering. Persönlich muss ich aber sagen, dass dieses Argument mich eher zu einer Argumentation gegen die 4th & 15 Regelung führt.

Contra 4th & 15

Wäre die Ausführung einer 4th & 15 Regelung tatsächlich fairer? Nun man muss sich einfach mal dazu folgendes Szenario vorstellen. Das eigene Team führt und dominiert sogar zeitweise das Geschehen. Der Gegner und amtierende Super Bowl Champion aus Kansas City brachte fast nichts zu Stande. Die starke Defensive des eigenen Teams haben Mahomes & Co. den Zahn gezogen. 1 Minute vor dem Ende führt man mit 13 Zählern. Aufgrund der Spielzeit ist die Defensive nun aber schlicht und einfach müde. Mahomes bringt sein Team mit einem Touchdown Pass auf Travis Kelce (30, TE) zurück. Soweit so gut. Man liegt immer noch 6 Punkte zurück. Nun hat man die Option mit einem 4th & 15 sich einen neuen Drive  zu erkämpfen. Was ist nun wahrscheinlicher? Mit einer müden Defensive Mahomes & Co. zu verteidigen, oder als Chiefs den Ball in die Hände von Mahomes zu legen? Tatsächlich ergibt sich für mich hier eine völlig neue Sichtweise auf die Erfolgschancen, je nach dem, wer der Strippenzieher eines Teams ist.

Man darf hier auch nicht vergessen, dass diese Variante den ohnehin fast gegen null gehenden Onside Kick ersetzt. Wenige würden der Offensive einen Vorwurf machen, wenn das erhoffte Comeback ausbleibt. Schließlich hat man es wenigstens versucht. Was mir bei diesem Szenario schlicht und einfach nicht gefällt ist, in welcher Position sich die verteidigende Mannschaft befindet. Man führt unter Umständen sogar deutlich bis kurz vor Schluss und befindet sich urplötzlich möglicherweise in einer schlechteren Position als die Mannschaft die hinten liegt. Etwas, was man durchaus bedenken sollte. Warum sollte die führende Mannschaft sich einem derart großem Risiko ausgesetzt sehen, doch noch zu verlieren? In keinem anderen Sport ist das so. In meinen Augen kann man das fast so vergleichen als wenn man 2 – 0 beim Fußball führt. Der Gegner den Anschlusstreffer erzielt und danach einen Eckball oder Freistoß erhält um ggf. gleich noch mal zu treffen. Warum sollte man eine solche Regelung einführen? Um das Spiel noch attraktiver zu machen?

Diese Gedanken haben sich sicherlich noch mehrere Franchises gemacht, weshalb die Entscheidung vertagt wurde. Neutral betrachtet aus Liebe zum Spiel ist das Einführen der Regelung sicherlich für das Spiel erfolgsvorsprechend. Fair betrachtet sollte man durchaus auch die Frage stellen ob diese Regelung wirklich für alle Teams gleich fair ist. Der Onside Kick hat gewisse Grundlagen, die für alle Teams ähnlich sind und mit viel Glück auch zusammenhängen. Habe ich jedoch einen Patrick Mahomes als Quarterback oder einen Sam Darnold (22, QB, Jets) im Zentrum des Geschehens ergeben sich für mich schon wieder ganz andere prozentuale Verschiebungen. Wahrscheinlich würde jede Defensive lieber einen 4th & 15 gegen Darnold, als gegen Mahomes spielen. Ist das dann fairer?

Embed from Getty Images

Ich möchte natürlich niemanden zu nahe treten aber es gibt nun mal Spieler die besser sind als andere. Genauso gibt es offensiven die besser sind als andere. Freilich gilt der gleiche Vergleich bei Spezialteams und ihre Kicker. Dennoch halte ich den Unterschied einzelner Special Teams und Kicker bei der Ausführung eines Onside Kicks für geringer als im Vergleich der Unterschied von Quarterbacks und Offensiven untereinander. Hier wird es sicherlich noch die Ein oder Andere Diskussion innerhalb der Ligariege geben. Auch unter den Fans geht die Meinung zu dieser Regeländerung auseinander.

Regeländerungen ab 2020

Abgesehen von der Vertagung der 4th & 15 Regelung wurden aber 4 Änderungen beschlossen, welche ab der kommenden Saison in Kraft treten. Wir haben sie hier aufgelistet:

  • Kick- oder Punt-Returner gelten nun als „nicht geschützte Spieler“, wenn sie keine Zeit nach dem fangen des Balles haben, einen Kontakt des gegnerischen Special Teams auszuweichen. Sie dürfen dem entsprechend nicht mehr getackelt werden. Eine Maßnahme zum Schutz der Return-Spieler.
  • Keine „Dead-Ball-Penalties“ mehr zum Herunterlaufen der Uhr. Dieses Schlupfloch wurde nun beseitigt und soll zu mehr Fairness führen.
  • Turnovers und Scoring-Plays die durch Strafen zu Nichte gemacht wurden, werden zukünftig durch Video-Replays überprüft.
  • Zukünftig können im Laufe einer Saison drei Spieler von der Injured-Reserve-Liste zurück in den aktiven Kader geholt werden. Bislang ging dies nur mit zwei Spielern.
Embed from Getty Images
To Top