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Seattle Seahawks – Auf Wilson´s Schultern

SEATTLE SEAHAWKS – AUF WILSON´S SCHULTERN

Hinter den San Francisco 49ers, den Überfliegern in der NFC West, belegen die Seattle Seahawks derzeit den zweiten Rang. Mit einem Standing von fünf Siegen zu zwei Niederlagen, wird es schwer die ungeschlagenen 49ers einzuholen. Zum zweiten Mal in der Ära von Head Coach Pete Caroll (68), verpasste man in der vergangenen Spielzeit die Playoffs. Diese sind momentan wieder fest im Blick.  Um an der Postseason teil zu nehmen, führt allerdings wohl kein Weg an der Wildcard-Round vorbei, dafür muss Seattle allerdings noch eine Schippe oben drauf packen.

Auf Wilson´s Schultern

In der Offensive der Seahawks führt kein Weg um einen der besten Quarterbacks der NFL vorbei. Ganz klar trägt Russell Wilson (30) erneut die größte Last auf seinen Schultern. Das Team steht und fällt mit seinen Leistungen. Vergleicht man die heutigen Seahawks mit denen der letzten zwei Jahre, wurde allerdings beinahe in jeder Hinsicht Verbesserungen geschaffen. Starke Unterstützung erfährt der Star-Quarterback durch das gut etablierte Laufspiel. Nach dem Abgang von „Beastmode“ Marshawn Lynch (30), tat man sich schwer einen adäquaten Ersatz zu finden. Ein Flop folgte auf den anderen. 2017 dann der Tiefpunkt des Laufspiel´s. Russell Wilson selbst sorgte für den mit Abstand größten Raumgewinn am Boden. 586 Rushing Yards konnte er nach der Saison für sich verzeichnen. Schwache 350 Yards weniger konnte der beste Runningback zu dieser Zeit, Mike Davis (26), sammeln. Außerdem brachten es alle Runningbacks zusammen auf nur einen Touchdown in 16 Spielen!

Umso überraschender zeigte sich das Laufspiel dann 2018. Um am Boden erneut zurück zu alter Stärke zu finden, wählte man im Draft an Stelle 27 in Runde eins Rashaad Penny (RB, 23) aus. Mit Chris Carson (RB, 25), pickte man deutlich später, erst in Runde sieben, einen weiteren Ballträger. Überraschenderweise stand Carson am Ende der Spielzeit aber deutlich über Penny und verzeichnete 1151 Rushing-Yards und neun Touchdwons für sich. Dieses Jahr ging man dann von vornerein mit Carson als klare Nummer Eins in die Saison. Dieser knüpfte dort an wo er 2018 aufhörte. 569 Yards und zwei Touchdwons bei 139 Läufen stehen bisher auf seiner Habenseite. Bisher bekamen nur zwei Spieler in der gesamten NFL öfter den Ball im Backfield überreicht, Dalvin Cook (24, Minnesota Vikings, 156 Versuche) und Leonard Fournette (24, Jacksonville Jaguars, 144 Versuche). Im Gegensatz zu Cook, welcher bereits bei 823 Yards steht, konnte Carson „nur“  569 Yards aufweisen. Die Effizienz ist also noch ausbaufähig.

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Das funktionierende Laufspiel hilft Wilson allerdings ungemein. Endlich kann er wieder auf einen „Feature-Back“ zurück greifen und die Offensive kann deutlich vielseitiger und weniger vorhersehbar gestaltet werden. Auch im Passspiel hat sich in der letzten Saison eine neue Nummer Eins etabliert. Tyler Locket (WR, 27) ist momentan die absolute Lieblingsanspielstation des Quarterbacks. 2018 blieb der Wideout bei 57 Ballfängen noch knapp unter der magischen 1000-Yard-Marke. Die erste Statistik hat Locket sehr wahrscheinlich schon bald erreicht. 2019 präsentiert auch er sich allerdings weniger effizient. Mit 515 Receiving-Yards steht der Receiver bei 12,9 Yards pro Ballfang, 2018 waren es etwa vier Yards mehr. Allerdings wird er auch deutlich anders eingesetzt, nämlich nichtmehr nur als tiefe, schnelle Anspielstation, sondern vor allem als Receiver bei wichtigen, kurzen First-Downs.

Nicht nur dank ihm führt Wilson eine Top-10 Passing-Offense an. Besonders in der Redzone zeigt der Passgeber seine enormen Qualitäten und beweist seine Klasse. Mit 15 Passing-Touchdowns steht er zusammen mit Matt Ryan (34, Atlanta Falcons) und dem derzeit verletzten Patrick Mahomes (24, Kansas City Chiefs) an der Spitze der NFL. Hinter Locket sind Tight End Will Dissly (23) und Rookie D.K. Metcalf (21, WR) die sekundären Anspielstationen. Auf Dissly muss Wilson allerdings aufgrund einer Verletzung bis zum Saisonende verzichten, hier wurde ein alter Bekannter von der Free Agency geholt. Luke Willson (29), der bereits 2013 bis 2017 Teil der Seahawks war, wurde im Passspiel aber bisher noch nicht großartig eingebunden. Metcalf sorgte mit seiner beeindruckenden Physis und seiner enormen Explosivität bereits während des Scouting Combines für allerlei Aufsehen und konnte bisher auch in der NFL für das ein oder andere Highlight sorgen. Extrem starke 19,5 Yards Raumgewinn sammelt der 1,91 Meter große und 104 kg schwere Muskelprotz pro Catch.

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Wilson selbst befindet sich wie bereits gesagt in bestechender Form. Am 15. April 2019 verlängerte der Quarterback seinen Vertrag bei den Seahawks um vier Jahre und avancierte zum bestbezahltesten Footballspieler aller Zeiten. Fette $140 Mio. versprachen die neuen Arbeitspapiere und stellen somit sogar den kurz zuvor abgeschlossenen Vertrag von Aaron Rodgers (35, QB, Green Bay Packers) in den Schatten. Schon mit seiner Unterschrift sicherte sich Wilson $65 Mio. Signing Bonus, weitere $35 Mio. winken für jede gespielte Saison. Seit Woche eins liefert Wilson grandios ab und zeigt weshalb er dem Front Office in Seattle so viel wert ist. Der fünffache Pro-Bowler blieb in keinem der ersten sechs Begegnungen bei einem Passer-Rating von unter 100 Punkten. Dieses liegt nach Woche sieben mit einem überragenden Wert von 114,1 Punkten nur knapp hinter dem Bestwert der Liga, 115,2 Punkten, aufgestellt von Kirk Cousins (31, Minnesota Vikings).

Dies liegt vor allem daran, dass Wilson beinahe fehlerfrei aufspielt. Nur eine Interception stehen als Negativ-Wert in seinen Statistiken, nur Kyle Allen (23, Carolina Panthers) bleibt bisher bei keinem geworfenen Turnover. Insgesamt verschönert dies die Turnover Statistiken der Seahawks aber enorm. Insgesamt sorgte die Offensive für acht Ballverluste. Bei einer einzigen Interception bleiben also noch sieben Fumbles. Das sind überdurchschnittlich viele, Liga-übergreifend sogar der sechsschlechteste Wert. Besonders der bereits oben genannte Runningback Chris Carson sorgte zu Beginn der Spielzeit für Aufregung. In den ersten drei Begegnungen präsentierte sich dieser nämlich extrem Fumble-freudig und verlor je einmal das lederne Ei. Carson zeigte sich aber lernfähig. Seit Woche vier passierte ihm kein weiterer Ballverlust.

O-Line weiterhin löchrig

Wie bereits erwartet ist, war und bleibt die Offensive-Line die große Schwachstelle in den Reihen der Seahawks. Im Draft wurde diese überraschend nicht angegangen. Sie ließ bisher 17 Quaterback-Sacks zu, ein Wert im unteren Drittel der NFL. 2,4 zugelassene Sacks pro Spiel sind allerdings ein besserer Wert als die 3,1 aus der Vorsaison. Großen Anteil daran trägt vor allem das neue Gesicht und die einzige größere Verpflichtung der O-Line Mike Iupati (32). Der Guard wurde 2010 in Runde eins gedraftet und befindet sich bereits in seiner zehnten Spielzeit und konnte in San Francisco, sowie als Teil der Arizona Cardinals einiges an Erfahrung sammeln. Der 1,96 Meter große Samoaner gehört zu den beständigsten Guards der Liga und kann auf vier Pro-Bowl-Nominierungen zurück blicken.

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Zeit der dominanten Defense vorbei

Schon im letzten Jahr berichteten wir über das Ende der „Legion of Boom“. Die allseits gefürchtete und extrem dominante Defensive der Seahawks zerbröckelte mit Trades und Verlusten in die Free Agency Stück für Stück. Heute kommt die Verteidigung nicht über einen Mittelfeldplatz in der Liga hinaus. Besonders gegen den Lauf erhält man kaum Zugriff. Zwar wird nur mittelmäßig viel Raumgewinn über den Lauf zugelassen, in der Redzone gelang es gegnerischen Runningbacks allerdings schon neun Mal den Football über die Goalline zu tragen. Der zweitschlechteste Wert der NFL. Das Gegenstück zur schwachen Laufverteidigung stellt die vielversprechendere Passverteidigung. Auch hier liegen die Seahawks was Raumgewinn an geht nur im Niemandsland der Tabelle. In de Redzone geht allerdings einiges. Mit acht zugelassenen Pässen in die Endzone ließen die Raubvögel weniger Punkte durch die Luft, als am Boden zu. Ein Wert auf dem sich aufbauen lässt.

Die einst von Superstars gespickte Defensive, kann also dieses Jahr nicht wirklich überzeugen. Nur Bobby Wagner (29), der einzig verbliebene Star-Defender zeigt erneut seine Klasse. Der Linebacker verlängerte noch vor der Saison seinen Vertrag vorzeitig und gehört, man muss sagen: Mal wieder, zur Elite der Liga. Hinter Blake Martinez (25, Green Bay Packers), mit 76 und Landon Collins (25, Washington Redskins) mit 70, reiht sich Wagner mit seinen 69 Tackles als Nummer drei ein. Die Mitte der Defense ist also kein Problem, vielmehr die Defensive-Line. Es gelingt einfach viel zu selten ordentlich Druck auf gegnerische Quarterbacks auszuüben. Nur fünf Teams haben weniger Sacks auf dem Konto als die Seattle Seahawks mit ihren elf. Alleine Sack-Leader Myles Garrett (23, Cleveland Browns) hat schon jetzt neun auf seiner Habenseite.

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In den vergangen Jahren war für Druck eigentlich immer Defensive-End Frank Clark (26) zuständig. Zur Missgunst vieler Fans wurde dieser allerdings mit einem drittrunden Draftpick noch vor Woche eins zu den Kansas City Chiefs geschippert. Im Gegenzug kamen ein erst-, ein dritt- und ein sechstrunden Draftpick zurück. Um die entstandene Lücke zu füllen, suchte man nach Personal in der Free-Agency. Mit Jadeveon Clowney (26, OLB) und Ezekiel Ansah (30, DE) holte man sich gleich zwei gute Pass-Rusher ins Boot. Beide blieben bisher allerdings deutlich unter ihren Erwartungen. Clowney und Anzah sammelten beide zusammen erst zwei Sacks und forcierten auch erst zwei Fumbles. Zu wenig und ein klares Zeichen auf die große Schwäche der Defensive, dem Pass-Rush.

Jahr Sacks Clark Sacks Clowney Sacks Ansah
2013 8.0
2014 0.0 7.5
2015 3.0 4.5 14.5
2016 10.0 6.0 2.0
2017 9.0 9.5 12.0
2018 13.0 9.0 4.0
2019 3.0 1.0 1.0

Straffes Restprogramm

Um, getragen von Stars wie Wilson in der Offensive und Wagner in der Defensive, doch den Weg in die Postseason zu ebnen, muss noch eine Schippe drauf gepackt werden. Überraschenderweise präsentieren sich die Seahawks dieses Jahr besonders „on the Road“ stark. Beide Auswärtsspiele konnten gewonnen werden. Zu Hause, im Century Link Field, stehen zwei Siege und zwei Niederlagen zu buche. Heute steht das nächste Auswärtsspiel an. Im Mercedes-Benz Stadium trifft Seattle auf die anfälligen Atlanta Falcons. Nachdem bereits letzte Woche ein Duell der Vögel gegen die Ravens verloren ging, ist diese Woche ein Sieg Pflicht. Ausgerechnet Earl Thomas (30, S), ein alter Bekannter in Seattle, sorgte am letzten Spieltag für die erste Interception von Russell Wilson, welche er prompt für sechs Punkte zu dessen Endzone zurück trug. Dieses Mal steht ihnen aber eine extrem schwache Passverteidigung gegenüber. Die Secondary der Falcons findet Woche für Woche kein Mittel gegen den Pass. Für Wilson also ein gefundenes Fressen. Blickt man auf das Restprogramm muss definitiv ein weiteres „W“ her, sonst huscht die starke Konkurrenz für die Wild-Card-Round aus der NFC hinweg. Die 49ers, der direkte Kontrahent aus der eigenen Division steht ihnen auch noch zweimal gegenüber. Der Superbowl-Champion von 2013 hat also alles in eigener Hand um die Saison mit Erfolg zu krönen.

Woche Gegner Standing
8 @ Atlanta Falcons 1-6-0
9 vs. Tampa Bay Buccaneers 2-4-0
10 @ San Francisco 49ers 6-0-0
11 Bye Week
12 @ Philadelphia Eagles 3-4-0
13 vs. Minnesota Vikings 6-2-0
14 @ Los Angeles Rams 4-3-0
15 @ Carolina Panthers 4-2-0
16 vs. Arizona Cardinals 3-3-1
17 vs. San Franciso 49ers 6-0-0
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