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Super Bowl LIV – San Francisco 49ers VS. Kansas City Chiefs

SUPER BOWL LIV – SAN FRANCISCO 49ERS VS. KANSAS CITY CHIEFS

In der Nacht von Sonntag auf Montag findet das größte Spiel des Jahres statt! Die 54. Auflage des Super Bowls steht bevor. Damit endet nicht nur die 100. Saison der National Football League, sondern auch die Durststrecke zweier Teams. Aufeinander treffen nämlich die Kansas City Chiefs und die San Francisco 49ers. Gerade in den 80er Jahren avancierte das Team von der Bay Area zu einer erfolgsverwöhnten Franchise. Zwischen 1981 und 1994 holte man insgesamt fünf mal den Super Bowl. Seither wartet man auf den großen Triumph. Bei den Kansas City Chiefs ist der letzte Erfolg sogar noch viel länger her. Zuletzt bestritten die Chiefs Super Bowl IV vor 50 Jahren!

Zurück An Die Spitze

Wenn beide Teams in Miami Gardens, Florida aufeinander treffen, geht es nicht einfach nur um den Titel der Jubiläumssaison der Liga. Für San Francisco ist es die Rückkehr nach zuletzt beschwerlichen Jahren. Innerhalb weniger Jahre schaffte ein Super Bowl reifes Team, welches den großen Coup versäumte, sich komplett umzubauen. Man trennte sich von Leistungsträgern und ging neue Wege. Die Quittung waren einige Jahre in der Versenkung. Die letzten vier Spielzeiten beendete man nicht nur mit einer negativen Bilanz, sondern mit im Schnitt gerade mal 4,25 Siegen pro Saison. Trauriger Tiefpunkt war die Saison 2016 mit zwei (!!!) Siegen.

Für die Fans der ambitionierten Franchise war dieser Fall nur schwer mit anzusehen. Hatte man noch zum Start der 2010er Jahre ein Titelreifes Team. Spieler wie Colin Kaepernick (32, QB), NaVorro Bowman (31, MLB) und Patrick Willis (35, MLB) prägten das Team von der Westküste. Zwei mal scheiterte man im NFC Championship Spiel, 2012 im Super Bowl gegen die Baltimore Ravens. Danach versuchte man das schwindende Titelfenster noch irgendwie aufrecht zu erhalten, was jedoch nicht mehr gelang. Schnell war klar, man braucht eine Veränderung. Der erste Gewinn auf dem Weg zurück zum Erfolg war John Lynch (48, GM). Lynch wurde als General Manager 2017 angeheuert. Seither verläuft der Aufbau des Teams in eine ganz andere Richtung. Der ehemalige Defensive Back bewies großes Geschick bei Spielertransfers und vor allem auch in der Überzeugungsarbeit. Man schaffte es gestandene Spieler wie Richard Sherman (31, CB) von seinem Konzept zu überzeugen. Selbiges gelang mit Kyle Shanahan (40, HC).

Shanahan war von mehreren Franchises heißbegehrt. Trotzdem entschied er sich am Ende für die San Francisco 49ers. John Lynch hat einen sehr großen Anteil daran. Er schaffte es einen Funken zu entzünden, welcher Shanahan weiterführte in seiner Arbeit als Head Coach. Beide verstehen das Business aber auch ihr Handwerk. So bekam Shanahan finanzielle Unterstützung und das Vertrauen sein Team so aufzubauen wie man es für einen Titelrun benötigt. Das es am Ende so schnell ging, mag für den ein oder anderen Überraschend sein. Verfolgt man aber den Weg der 49ers seit Lynchs Einstellung ist es gar nicht so überraschend. Man verbesserte stetig den Kader und schaffte es die notwendigen Puzzleteile in geringer Zeit zu einem schönen Bild zusammenzusetzen.

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Das Team trägt in der Offensive die Handschrift ihres Head Coaches. Man spielt einen guten offensiven Football. Das zeigen die Statistiken. Auf dem Boden ist man überragend und gehört mit seinen schnellen, dynamischen Spielern zu den Besten der gesamten Liga. Das Passspiel mag rein von den Zahlen her betrachtet nicht außergewöhnlich sein aber gnadenlos effektiv. Der Matchplan der Franchise ist aktuell nicht unbedingt abhängig oder gar ausgelegt auf ein häufiges Passspiel. Zu meist gelingt es den 49ers ihr Laufspiel aufzuziehen und mit einer Führung im Rücken, möchte man natürlich die Uhr weiterlaufen lassen. Selten lag San Francisco in dieser Spielzeit zurück. Somit passt man natürlich seinen Gameplan an oder erwartet mitunter eine Führung. Die starke Defensive unterstützte dies natürlich. Auf die starke Defensive vertrauen und Laufen. So soll wohl auch der Matchplan im 54. Super Bowl aussehen.

Für Kansas City wird eine ganz andere devise lauten. Hier haben die Spieler die Möglichkeit Helden zu werden. Auch wenn San Francisco seit 26 Jahren auf einen Titel wartet, ist das noch gar nichts im Vergleich zu den Chiefs. Kansas City bestritt seinen letzten Super Bowl vor 50 Jahren. Dies ist auch der bisher einzige und somit letzte Super Bowl Triumph. Für das Team rund um Head Coach Andy Reid (61) ist es die Gelegenheit den Schmerz der letzten Jahre wegzublasen. Kansas City ist seit Jahren Dauergast in den Playoffs, aber nie hat es für den großen Clou gereicht. Letztes Jahr stand man schon kurz bevor, ehe die New England Patriots in Overtime das AFC Championshipspiel für sich gewinnen konnten. Wie so häufig in den vergangenen Jahren, biss man sich an dem Team aus New England die Zähne aus. Dieses Jahr soll es nun endlich gelingen.

Die Hoffnungen hierbei beruhen auf Quarterback Patrick Mahomes (24). Der Spielmacher wird bzw. ist der kommende Superstar der Liga. Er wird eine der Rollen einnehmen, welche Peyton Manning (43) oder Tom Brady (42, QB, Patriots) hinterlassen haben bzw. werden. In seinen beiden Spielzeiten als Starter führte der Spielmacher sein Team ins AFC Championship Spiel und Super Bowl. Nun könnte sogar noch der Titel hinzukommen. Mit Mahomes, so sind sich Experten sicher, werden die Chiefs auch in den kommenden Jahren um den Titel mitspielen. Mit seinem starken Arm und starken Waffen, wird er der überragenden Defensive der 49ers das Fürchten lehren.

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Ein Blick Auf Die Defensiven

Wie bereits angesprochen, gehört die Defensive San Francisco’s zu den Besten der Liga. Das Team verfügt über einen unglaublich starken Pass-Rush. Angeführt von Rookie Nick Bosa (22, DE) bereitet man der O-Line richtig Kopfschmerzen. Außergewöhnlich ist dabei, dass es den 49ers meist reicht, wenn sie „nur“ vier Spieler verwenden um den Quarterback zu stressen. Die Linebacker können dann zusätzlich in der Pass- oder Laufverteidigung eingesetzt werden. Zusätzlich hat man natürlich trotzdem die Option hin und wieder zu blitzen. Diese Varibilität macht es dem Team einfach auf Situation zu reagieren. Man ist aber auch auf allen anderen Defensivpositionen ungemein ausgeglichen besetzt. Die Passverteidigung funktioniert sehr gut. Richard Sherman nimmt in der Regel einen Leistungsträger nahezu komplett aus dem Spiel. Auch dieser Vorteil, lässt Defensive Coordinator Robert Saleh (41) gut planen.

Der DC ist stets perfekt auf die gegnerische Offensive vorbereitet und weiß um die Stärken und Schwächen seiner Spieler. Saleh der am Freitag 41 wurde wird eine Schlüsselrolle einnehmen am Sonntag. Man darf gespannt sein, was er sich für die Mobilität von Mahomes einfallen lässt. Gerne läuft der Quarterback auch selbst mal, wenn man ihm zu viel grüne Wiese überlässt. Hier sind wir schon sehr gespannt, wie die 49ers die brachiale Offensive der Chiefs verteidigen werden.

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Was Andy Reid sicherlich große Sorgen bereiten wird, ist seine eigene Defensive. Diese ist zwar im Vergleich zum letzten Jahr deutlich verbessert, aber eben nicht Top. Man lässt viele Yards zu und ganz besonders gegen den Lauf. Das ist noch dazu die große Stärke der Offensive der Kalifornier. Schafft man es nicht den Lauf seines Kontrahenten zu stoppen, wird das ein wahnsinnig großer Vorteil für San Francisco sein. Vielleicht sogar ein Spielentscheidender. Trotzdem muss man aber auch immer wieder erwähnen, dass in den letzten Jahren die Verteidigung meist da war, wenn sie gebraucht wurde. Punktuell konnte auch die Verteidigung überzeugen und schaffte es die Vorgaben bzw. Matchpläne entsprechend umzusetzen. Auch am Montagmorgen wird man im US-Bundesstaat Missouri darauf vertrauen.

Ansonsten muss man zumindest in der Red Zone seine Arbeit leisten. Das war ohnehin eine der Stärken der Verteidigung der Chiefs. Trotz vieler zugelassener Yards, lässt man allgemein eher wenige Scores zu. Mit im Schnitt 19,2 zugelassenen Punkten pro Spiel, rangiert man auf den 7. Platz der Liga. Dies zeigt, dass man stets an die eigene Chance glaubt und auch wenn der Gegner schon 70 oder gar 80 Yards überbrückt hat, man keine Punkte leichtfertig herschenkt. Natürlich wird man das auch im Super Bowl nicht. San Francisco wird somit um jeden Score hart arbeiten müssen.

Ein Blick Auf Die Offensiven

Schaut man sich alleine die Offensiven beider Teams an, dann müsste es eigentlich ein High-Scoring-Game werden. San Francisco überrennt die Gegner und wandte sein Passspiel geschickt und präzise an. Das stellt den Gegner vor eine große Herausforderung. Umgekehrt haben die Chiefs mit Patrick Mahomes einen Spieler, der das Spiel alleine entscheiden kann. Zusätzlich hat Mahomes noch Waffen wie Travis Kelce (30, TE). Der Tight End gehört seit Jahren zu den Besten auf seiner Position. Nur wenige können ihm aktuell das Wasser reichen. Seine Bilanz in den aktuellen Playoffs ist angsteinflössend: 13 Receptions, 164 Yards Raumgewinn und 3 TD’s.

Unterstützung erhält Kelce zusätzlich von Tyreek Hill (25, WR). Der „Gepard“ ist momentan der wohl schnellste Spieler der NFL. Ihm mit seiner Schnelligkeit und Gewandtheit zuzuschauen macht schlicht und einfach Spaß. Wir werden sicherlich mindestens einen langen Pass von Mahomes auf Hill im laufe der Partie sehen. Kaum ein Verteidiger kann Hill im 1 on 1 stoppen. Ohne die Hilfe eines Safety’s läuft Hill seinem Gegner buchstäblich davon. Das macht es für Gegner auch so wahnsinnig schwierig gegen die Chiefs zu bestehen. Nimmt man Kelce in Doppeldeckung, ist Hill da und kann dann unter Umständen sogar ganz tief gehen. Nimmt man den schnellen Passempfänger in Doppelmanndeckung, hat Kelce den Platz um für großen Schaden zu sorgen. Mit diesen beiden Waffen ist Mahomes brandgefährlich und kann ein Spiel in Sekunden entscheiden. Man sollte die Houston Texans fragen, welche innerhalb von wenigen Minuten eine 24 – 0 Führung in der Divisonal Round herschenkten.

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Die Offensive der 49ers ist bei weitem nicht mit einer solchen individuellen Powerkraft ausgestattet. Quarterback Jimmy Garoppolo (28) hat sich zu einem verlässlichen Strippenzieher gemausert. Nur schweren Herzens haben ihn die Patriots an San Francisco abgegeben. Dort meldete er sich nach seiner Kreuzbandverletzung aus der letzten Saison in beeindruckender Art und Weise zurück. Jimmy G. versucht nicht den Helden zu spielen, sondern ist ein Teamspieler. Er macht genau das was von ihm erwartet wird. Dafür bekam er erst diese Woche viel Lob und Respekt von seinem Head Coach Shanahan.

Das Konzept der 49ers ist jedoch nicht angelegt auf Stars. Schaut man sich die Aufteilung der Rushing Yards an, dann sieht man schnell, dass es viele verschiedene Läufer gibt, ohne das einer weit vom anderen entfernt ist. Drei Running Backs wurden im Laufe der Saison ziemlich gleich oft eingesetzt. Schaut man sich die Statistik an, dann sieht man wie nah alle drei beieinander liegen. Das ist sehr ungewöhnlich!

Spieler Laufversuche Yards TD’s
Tevin Coleman 137 544 6
Raheem Mostert 137 772 8
Matt Breida 123 623 1

Sogar zwei Wide Receiver kommen noch auf jeweils über 100 Yards Raumgewinn durch Läufe. Die O-Line macht dies bzgl. einen wahnsinnig guten Job. Aber auch durch die Luft hat man fähiges Personal. George Kittle (26, TE) ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Der Tight End hatte letzte Saison seine Break-Out-Season. Aktuell gibt es wohl nur noch Kelce der auf dieser Position einen Hauch besser ist. Ansonsten sind beide Spieler das Non-Plus-Ultra innerhalb der Liga. Auf der Wide Receiver Postion haben die 49ers keinen Tyreek Hill aber dafür Deebo Samuel (23, WR) und Emanuel Sanders (33, WR). Sanders wurde von den Denver Broncos geholt und bewies mit all seiner Erfahrung warum. Sanders spielt in der Entwicklung von Samuel eine große Rolle und ist selbst weiterhin ein gefährlicher Spieler. Samuel ist ein Rookie der 2019 in der 2. Runde ausgewählt wurde. Je länger die Saison dauerte, desto mehr wurde er von seinem Head Coach ins Offensivspiel eingebunden.

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Wir dürfen uns also wirklich freuen. Die Chancen stehen gut, dass wir nach der Magerkost aus dem letzten Jahr, wieder einen ereignisreichen Super Bowl zu Gesicht bekommen. Für beide Teams ist es angerichtet und wir dürfen uns wirklich freuen. Mit Mahomes und Garoppolo stehen sich zwei Spieler der neuen Quarterback Generation gegenüber. Beide haben die Möglichkeit in den kommenden 10 Jahren diese Liga zu prägen. Einer der beiden wird bereits am kommenden Montag damit anfangen den Thron zu besteigen. Beide Defensiven werden alle Hände voll zu tun haben. Möglicherweise wird es nach dem Super Bowl mit den wenigsten Punkten, einer mit den meisten. Wir sind gespannt und drücken beiden Teams die Daumen. Möge der Bessere gewinnen!

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