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Super Bowl Vorschau – Tampa Bay Buccaneers

SUPER BOWL VORSCHAU – TAMPA BAY BUCCANEERS

Wahrscheinlich könnt ihr es genauso wenig erwarten wie wir, dass der Kickoff zum Super Bowl LV ausgeführt wird. Schon jetzt kann man sagen, dass es ein Geschichtsträchtiger werden wird. Mit den Tampa Bay Buccaneers steht nicht nur ein vermeintlicher Underdog im wichtigsten Spiel des Jahres, sondern ihnen gelang sogar ein großes Kunststück. 55 Jahre hat es gedauert, bis es tatsächlich einer Franchise gelang den Super Bowl im eigenen Stadion klar zu machen!

DER BOWL@HOME

Das Team von Head Coach Bruce Arians (68) bezwang die starken Green Bay Packers mit 31 – 26 und konnte so das Ticket nach Hause lösen. Die Tampa Bay Buccaneers werden das erste Team in der NFL Geschichte sein, welches den Super Bowl im heimischen Stadion austragen darf. „Finale Dahoam“ sozusagen. Bucs Fans werden allerdings auf einen besseren Ausgang hoffen, wenn ihre Männer die Kansas City Chiefs empfangen. Der amtierende Champion aus der AFC wird sicherlich der große Favorit bleiben. Daran ändert auch ein heimischer Super Bowl nichts. Warum? Das könnt ihr in unserem Artikel über die Chiefs nachlesen.

Letztlich ist es ja auch so, dass aufgrund der Corona-Situation die Stadt Tampa Bay das Spektakel gar nicht so auskosten kann, wie das womöglich unter „normalen“ Umständen der Fall wäre. Lediglich 22.000 Zuschauer werden im Raymond James Stadium zugegen sein. Das ist gerade mal 1/3 des tatsächlichen Fassungsvermögens. Man könnte also sagen, dass es einen Beigeschmack hat. Den Spielern und Verantwortlichen wird es mehr oder weniger egal sein, denn an der Reichweite und Prestige wird es nichts ändern. Für die Meisten wird es das wichtigste Spiel ihrer Karriere sein. Alleine Head Coach Bruce Arians wird mit seinen 68 Jahren nicht mehr all zu viele Chancen bekommen, auch als Head Coach einen Super Bowl zu gewinnen. Derzeit hat er zwei als Assistent bzw. Offensive Coordinator auf der Habenseite, keinen jedoch als Hauptverantwortlicher. 

Dennoch wird er aus Sicht der Buccaneers als einer der erfahrenen Protagonisten in dieses Spiel gehen. Schließlich war er ja an den Siegen der Pittsburgh Steelers 2005 und 2008 bereits beteiligt. Für langjährige Spieler der Franchise ist das ohnehin der erste Playoff Trip überhaupt. Seit 2007 hatte man noch nicht mal die Playoffs gesehen und jetzt gleich der Run über die Wild Card in den Super Bowl! Wie schwierig es allgemein ist als Wild Card Team in den Super Bowl zu kommen zeigt alleine die Tatsache, dass man alle drei möglichen Partien auswärts spielen muss. Für Tampa Bay ging der Weg nach Hause also über Washington, New Orleans und Green Bay. In der Wild Card Round bezwang man das Washington Football Team mit 31 – 23. Eine Woche später konnte man gegen Drew Brees (42, QB) und seine New Orleans Saints einen 30 – 20 Auswärtssieg einfahren. Das Meisterstück zur NFC Championship gelang dann jedoch gegen den wahrscheinlich heute Abend frisch gekürten M.V.P. der NFL, Aaron Rodgers (37, QB) und seine Green Bay Packers. Im legendären Lambeau Field von Green Bay konnte man alle Zweifel beiseitelegen und mit einem Sieg den erst zweiten Super Bowl der Franchise Geschichte erzwingen.

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DER KATALYSATOR

Was ist nun bei Tampa Bay passiert, dass man es das erste Mal seit 13 Jahren in die Playoffs bzw. sogar in den Super Bowl geschafft hat? Wir hatten bereits im Laufe der Saison geschrieben, dass die Tampa Bay Buccaneers „All In“ gehen. Trotzdem gehört etwas mehr dazu als alles auf eine Karte zu setzen. Am Ende kann man das Blatt drehen und wenden wie man möchte, der Erfolg kam mit niemand geringerem als Tom Brady (43, QB). Für Brady ist es bereits der 10. (!!!!!) Super Bowl! Keinem Spieler zuvor gelang dies. Niemand steht so für Erfolg wie Brady. Jahrzehnte lang dominierte er mit den New England Patriots die NFL. Holte mit seiner Franchise sechs Super Bowl Siege bei neun Teilnahmen. Schon vor der Saison wurde er mit Michael Jordan (57) und Muhammad Ali (74+) als der wahrscheinlich größte Sportler der US Geschichte gefeiert. Nun könnte er mit einem weiteren Sieg im Super Bowl, sogar Debatten als der Größte überhaupt lostreten.

Wer also glaubt, dass Brady mit einer erneuten Teilnahme schon zufrieden ist, der irrt. Der Spielmacher wird alles dafür geben, auch diesen Titel mit seiner neuen Franchise zu gewinnen. Für viele kam es überraschend als er im vergangenen Frühjahr seinen Wechsel nach Florida verkündete. Es halten sich jedoch Gerüchte, dass die Patriots bereits vor längerer Zeit über eine Erneuerung auf der wichtigsten Position des Spiels nachgedacht haben. Bill Belichick (68) Head Coach der Patriots soll laut Insidern Brady sogar mal den San Francisco 49ers angeboten haben, ehe Eigentümer Robert Kraft (79) den Irrsinn beendete. Trotzdem soll diese Aktion Narben beim Strippenzieher hinterlassen haben. So wollte er es außerhalb von New England letztlich erneut allen beweisen, dass er auch ohne seinen langjährigen Mentor und Head Coach Erfolg haben kann. Für manche Experten steht für Brady sogar mehr auf dem Spiel als für Chiefs Youngster Patrick Mahomes (25, QB)

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Am Ende sollte man aber nicht vergessen, dass dieses Spiel weitaus mehr als nur Brady vs. Mahomes ist. Weder Brady noch Mahomes werden das Spiel alleine für ihre Teams entscheiden können. Dazu benötigen sie ihre Anspielstationen in der Offensive und eine gute Defensive. Im Aufeinandertreffen der beiden Teams in der 12. Woche, gingen die Chiefs mit 27 – 24 als Sieger vom Feld. Das Quarterback-Duell ging deutlich an Mahomes. Allerdings wirkt die Offensive der Bucs deutlich besser abgestimmt als zum damaligen Zeitpunkt.

DIE OFFENSE

Das Waffenarsenal der Bucs ist voll geladen und hat mit Tight End Rob Gronkowski (31) einen erfahrenen Super Bowl Sieger in ihren Reihen. Komplettiert wird die Offensive durch brandgefährliche Wide Receiver! Mike Evans (27, WR) und Chris Godwin (24, WR) gehören zu den Besten auf ihrer Position. Eine Schande, dass beide erst zum ersten Mal in der Postseason ihr Können zeigen dürfen. Für den langjährigen Megastar Antonio Brown (32, WR), welcher zuletzt mehr durch negativ Schlagzeilen von sich Reden machte, ist es die wahrscheinlich letzte Chance auf einen Super Bowl Ring. Erst auf Brady’s Wirken hin, wurde der Spieler während der Saison überhaupt unter Vertrag genommen. Es hieß immer wieder das Head Coach Bruce Arians nicht begeistert von einer Verpflichtung Browns gewesen sein soll. So hat die Legende sicherlich viel Verantwortung übernommen und wahrscheinlich auch Brown klar gemacht, was für ihn auf dem Spiel steht. Entsprechend Lammfromm gibt sich Brown seither. Ein Einsatz soll trotz Knieverletzung möglich sein. In welchem Zustand sich der Spieler jedoch tatsächlich befindet, lässt Raum für Spekulationen.

Auch Systemspieler wie Scotty Miller (23, WR) haben ihren Platz im Team gefunden. Gerade bei tiefen Pässen fand Brady im schnellen Miller einen verlässlichen Empfänger. Ähnlich erging es Back-Up Tight End Cameron Brate (29). Brate avancierte in diesen Playoffs zu einer echten Gefahr und zu einem wichtigen Blocker im Laufspiel. Hier hat man ebenfalls einiges in der Hinterhand. Das Laufspiel der Buccaneers sollte niemand unterschätzen. Gefährlich machen es hier auch die beiden unterschiedlichen Läufer. Braucht man einen Power Run, jemand der die Verteidigung müde läuft und wie eine Dampfwalze agiert, hat man mit Leonard Fournette (26) den Richtigen. Fournette bringt bei einer Körpergröße von 1,83 Meter ganze 103 kg auf die Waage. Als der ehemalige 1. Runden Pick von den Jacksonville Jaguars im Laufe der Saison entlassen wurde, fand er in Florida einen ambitionierten Abnehmer. Während die Jags an einer 1 – 15 – 0 Saison zu knabbern haben, steht Fournette im Super Bowl!

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Sein Pendant ist ähnlich gefährlich. Ronald Jones II (23, RB) ist mit 1,80 Meter etwas kleiner und bringt knapp 10 kg weniger auf die Waage wie Fournette. Daher ist Jones eher ein schneller und wendiger Spieler. Jemand der sich geschickt durch die Lücken schlängelt und wenn möglich Kontakt mit dem Gegner vermeidet. Anders als Fournette, bei dem es auch mal krachen darf. Alles in allem sind die Bucs angeführt von Brady in der Offensive stark besetzt. Wahrscheinlich sogar wesentlich tiefer als die Chiefs. Diese haben allerdings in Patrick Mahomes, Travis Kelce (31, TE) und Tyreek Hill (26, WR) die beste dreier Combo der gesamten Liga. Hier wird die Defensive gefragt sein.

DIE DEFENSE

Vor wenigen Wochen haben wir einen Artikel zu den Defensiven der verbleibenden Playoff Teams verfasst. Diesen könnt ihr auch gerne HIER nochmal nachlesen. Damals hatten wir speziell die Laufverteidigung der Bucs gelobt, welche die Beste der gesamten Liga darstellt. Auch in den Playoffs konnte man in diesem Bereich vollends überzeugen. Washington’s Runningbacks hielt man bei einem unterirdischen Schnitt von 2,35 Yards pro Laufversuch! Man nahm den Hauptstädtern ihr gesamtes Laufspiel. Ein Sieg war so kaum mehr möglich. Etwas besser präsentierten sich die Saints mit Starläufer Alvin Kamara (25, RB). 104 Rushing Yards schafften die Saints gegen die Defense. Trotzdem zu wenig, weil man im Backfield zu überzeugen wusste. Gegen Green Bay präsentierte man sich dann wieder wie gewohnt stark auf dem Boden. Aaron Jones (26, RB) welcher in der Regular Season über 1.100 Rushing Yards erlief, war quasi ein Non-Factor in der Partie. Ganze 16 mal liefen die Packers nur und waren so aufgrund des Rückstands gezwungen, Rodgers den Ball in die Hände zu legen.

Dies führt uns dann auch gleich zur mehr oder weniger größten Überraschung der Playoffs. Die Passverteidigung der Buccaneers! Ohne eine dermaßen große Steigerung, wäre ein solcher Run definitiv nicht möglich gewesen. Gerade bei tiefen Pässen war man im Verlauf der Saison immer wieder sehr anfällig. Von dieser Schwäche ist in den Playoffs kaum etwas zu sehen. Auch wenn man weiterhin Yards durch die Luft zulässt, so gehörten die Turnovers zum großen Plus. Bisher konnte man in den drei Playoff Partien für insgesamt sieben Ballwechsel sorgen! Gerade gegen die Chiefs, welche für wenig Ballverluste bekannt sind, könnte das ein entscheidender Faktor werden. Angeführt wird die Defensive von Devin White (22, LB) welcher für mich der bisherige M.V.P. in den Playoffs war. Der Youngster konnte jedem Spiel seinen Stempel aufdrücken. Er wird zum entscheidenden Mann für die Defensive werden.

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Natürlich ist er nicht gänzlich allein. Während der Pass Rush rund um Jason Pierre-Paul (32, DE) alles tun wird um die O-Line der Chiefs unter Druck zu setzen, baut Defensive Coordinator Todd Bowles (57) auf eine stabile Passverteidigung. Fakt wird allerdings sein, dass die Secondary rund um Cornerback Carlton Davis (24) auf noch keine Offensive wie jene der Chiefs in den Playoffs getroffen ist! Gerade in Sachen Speed sehe ich niemanden der bei Tyreek Hill mithalten kann. Die Wucht und Power von Kelce wird ebenfalls nur sehr schwer zu stoppen sein. Selbst an einem perfekten Tag für die Bucs, wird Mahomes mindestens an die 30 Punkte auf das Grün zaubern. Der Matchplan der Bucs wird also eher in die Richtung gehen, das Laufspiel der Chiefs zu unterbinden, den Schaden durch Pässe so gering wie möglich zu halten und in der Offensive alles zu geben. Wir dürfen also sicherlich ein High-Scoring-Game erwarten. Aktuell sehe ich die Chiefs zwar vorne, aber es wäre nicht das erste Mal, dass der Underdog uns eines Besseren belehrt. Gerade bei einem Super Bowl im heimischen Stadion! Go Bucs!

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