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Tampa Bay Buccaneers – All In

TAMPA BAY BUCCANEERS – ALL IN

Ganz New England ist sicherlich noch immer geschockt. Angesichts der Tatsache das ihr langjähriger Quarterback Tom Brady (43) der Franchise im Frühjahr den Rücken gekehrt hat. Brady war nicht nur das Gesicht der Patriots, sondern auch der Garant für die Erfolge der letzten 20 Jahre. Nun schlägt er ein neues Kapitel auf. Für manche vielleicht etwas überraschend bei den Tampa Bay Buccaneers. Doch mit Blick auf das Ganze kann man erkennen, dass die Unterschrift in Florida Sinn macht.

KLEINES FENSTER

In den vergangenen Jahren gab es nur sehr wenig Highlights für die Fans der Bucs. Die Playoffs sah man das letzte mal in der Saison 2007. Dazwischen liegen mehr als nur eine Handvoll enttäuschender Spielzeiten. Als jedoch die Verpflichtung des legendären Quarterbacks bekannt gegeben wurde, ging ein ganzer Ruck durch die Franchise. Eine Strahlkraft von der es nur wenig Spieler gibt. Folge der Verpflichtung war, dass sich die Buccaneers vor Spieleranfragen gar nicht retten konnten. Gerade in der Free Agency sollen sich der Franchise unglaublich viele Spieler angeboten haben, dass man zeitweise sogar eine Standard-Nachricht an die Agenten raushaute. Täglich kamen neue Anfragen hinzu. Jeder wollte nun ein Teil der Buccaneers werden um gemeinsam mit Brady auf dem Grün zu stehen.

Das Tampa Bay gerade unter ihrem Head Coach Bruce Arians (68) nicht blind große Namen verpflichtete war zu erwarten. Arians wählte lediglich Spieler aus, welche er für das System brauchbar hielt. Trotzdem haben er und seine Franchise ein klares Signal an die Liga gesendet. Ein Signal welches auch bis dato noch nicht abgerissen ist. Das Team wurde mit richtig großen Namen gefüllt. Nur wenige Teams können einen derart prestigeträchtigen Kader aufweisen. Dies ist sicherlich die Folge des Brady Transfers. Der Franchise ist bewusst, dass Brady mit seinen 43 Jahren nicht die Zukunft ist. Der Spielmacher unterschrieb für 2 Jahre, wonach er zum Ende seines Vertrags dann Mitte 40 ist.

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Folglich bleibt nur ein sehr kleines Fenster um wirklich einen Run auf den Titel zu starten. Dementsprechend fühlte man sich auch unter Druck gesetzt, den bereits vorhandenen Kader entsprechend noch weiter zu verstärken. Die Franchise geht im wahrsten Sinne des Wortes „All In“. Nur so lässt sich der Traum von einem Super Bowl verwirklichen. Daher kann man nun besser verstehen, warum Brady als neues Domizil die Buccaneers erwählte. Ihm war u.a. wichtig, nicht bzw. kaum gegen die Patriots spielen zu müssen. Eine nach wie vor bestehende Verbundenheit zu „seiner“ Franchise lässt sich also nicht von der Hand weisen. Ein Team in der AFC war somit schon mal nicht möglich. Ein Spiel gegen seine alte Heimat würde in diesem Jahr nur passieren, wenn es die Pats und Bucs in den Super Bowl schaffen, was angesichts des 2 – 4 – 0 Starts der Patriots eher unwahrscheinlich ist.

Ebenso befindet sich der Strippenzieher in einer Phase seiner Karriere, wo er mehr Unterstützung benötigt wie es früher in seiner Laufbahn der Fall war. Das er weiterhin starke Leistungen zeigen kann, sieht man aktuell. Trotzdem benötigt er auch größere Waffen wie ihm das in New England gewährt werden konnte. Dort schaut es in Sachen Anspielstationen eher mau aus. Ganz anders hingegen in Tampa Bay. Dort hat er fast eine Allstar Offensive zur Verfügung. Kaum ein Team hat an Offensiver Schlagkraft mehr zu bieten wie eben jene Buccaneers. 

OFFENSIVE SCHLAGKRAFT

Schaut man sich den Offensiven Supporting Cast von Brady an, dann bekommt man schon ein Gefühl der Möglichkeiten, welche in dem Team schlummern. Mit Mike Evans (27, WR) und Chris Godwin (24, WR) hat man zwei der besten Receiver der Liga in seinen Reihen. Beide schafften es sogar in unsere Top 10 der Wide Receiver! Außerdem verfügt man mit O.J. Howard (25, TE) über einen soliden Blocker und Fänger auf der Tight End Position. Da man jedoch die Strahlkraft Bradys nutzen wollte und für jedes Upgrade dankbar war, gelang ein weiterer Coup. Tight End Legende und dreimaliger Super Bowl Champion Rob Gronkowski (31) wurde aus dem Ruhestand zurückgeholt. Für einen 4. Runden Pick wurde er von den Patriots ertradet. Er und sein Quarterback kennen sich genau und wollen es noch mal gemeinsam wissen.

Zu allem Überfluss wurde in dieser Woche auch bekannt, dass das Team aus Florida sich auch mit Antonio Brown (32, WR) einig ist. Vor allem Brady soll sich für diese Verpflichtung stark gemacht haben. Es bleibt abzuwarten ob es Brown schafft sein Ego zurückzustellen und sich dem Teamgeist unterordnen kann. Sein Head Coach hat bereits klar Stellung bezogen und verkündet, dass dieses Projekt nur funktionieren wird, wenn der Spieler sein Ego zügelt und sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Ansonsten könnte auch dieses Projekt für den Exzentriker, welcher zuletzt nur durch Negativpresse aufgefallen ist beendet sein. Für Brown steht ohnehin viel auf dem Spiel mit 32 ist es möglicherweise nicht nur seine letzte Chance in der NFL, sondern auch auf einen Super Bowl. Ein Titel der ihn bislang verwehrt blieb.

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Falls jemand glaubt, dass es das schon mit den großen Namen der Offensive war, der täuscht sich. Denn auch im Offensiven Backfield hat man noch einiges zu bieten. Während sich der junge Ronald Jones II (23) als verlässlicher Läufer etabliert hat und somit zum Hauptläufer ernannt wurde, gibt es noch weitere große Namen die teilweise gar keine Rolle mehr spielen. Einer dieser Namen ist LeSean McCoy (32, RB). McCoy unterschrieb mit über 11.000 Rushing Yards im Gepäck. In der aktuellen Saison bekam er jedoch nur 6 mal den Ball. Das Ergebnis, unterirdische -1 Laufyards. 

Etwas besser schaut es bei den von den Jacksonville Jaguars überraschend entlassenen Leonard Fournette (25, RB) aus. Der Powerläufer sammelte überwiegend als Backup seine Yards. Mit 4.9 Yards im Schnitt hat er hier sogar einen Karrierebestwert. Allerdings muss auch er sich dem System Arians unterordnen und fungiert daher eher als „Zwischenläufer“ um Jones Auszeiten zu verschaffen. Angesichts der Namen kann man aber festhalten, dass dieses Team in den kommenden zwei Jahren definitiv um den Titel mitspielen möchte. Nach 2002 soll es nach Möglichkeit den zweiten Super Bowl für die Franchise geben. Das man dafür nicht nur eine gute Offensive benötigt, hat der erfahrene Coach Arians auch erkannt.

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DER WOLF IM SCHAFSPELTZ

Bei der ganzen Offensiven Powerkraft, rückt die Defensive etwas aus dem Fokus und dabei ist sie eines der Prunkstücke des Teams. So gut eine Offensive auch ist, Titel gewinnt die Verteidigung. Daher hat man auch gegen den Ball gut gearbeitet und starke Namen verpflichtet. Der Start der Defensivsanierung begann jedoch bereits in der letzten Spielzeit. Arians hat sehr schnell erkannt, dass er auch auf der anderen Seite des Balles etwas tun muss, um erfolgreich zu sein. Es wurden erfahrene Spieler geholt, welche bei engen Spielen Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen sollen. Ebenso hat man das gesamte Konzept überarbeitet.

Mittlerweile setzt man darauf, den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Daher ist es wenig überraschend, dass der Pass Rush zu den größten Stärken der Verteidigung zählt. Mit. 3,6 Sacks pro Partie gibt es nur zwei Teams die besser sind. Das ist ein Sack in 9,09 % der Dropbacks des Gegners. Ein ebenfalls Spitzenwert! Das passt dann auch zu dem Bild, dass die Verteidigung der Buccaneers mittlerweile zu einer sehr verlässlichen geworden ist. Sie gehört allgemein mittlerweile zu den Besten der gesamten Liga. Wenn alle über die Offensive sprechen, eine willkommene Ablenkung. So wirkt die Defensive ein bisschen wie der Wolf im Schafspelz. 

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Denn nicht nur die Passverteidigung ist top. Gegen den Lauf ist man sogar noch stärker! Hier gibt es keine die besser ist als jene der Bucs. Kein Team hat weniger Rushing Yards in der aktuellen Saison zugelassen, wie das Team aus Florida. Wenn man also gegen beide Varianten äußerst effektiv und gut verteidigt, ist das natürlich sehr wertvoll. Wir sehen hier eines der besten Teams, welches diese Franchise jemals hatte. Das beängstigende ist aber auch, dass es den Anschein hat, als wird das Team immer stärker.

Aufgrund der fehlenden Vorbereitungsspiele war es ein Start von 0 auf 100. Daher hat der Motor zu Beginn der Saison noch etwas gestottert. Nun fangen wir offensichtlich langsam an, dass wahre Potenzial in diesem Team zu sehen. Angetrieben von einem weiterhin hungrigen 43 jährigen Megastar. Angetrieben von Spielern die etwas beweisen wollen. Angetrieben von Spielern, für die es die letzte Chance auf einen Titel ist. Angetrieben von einem Office, dass fast 20 Jahre im Nirgendwo vergessen machen möchte. Angetrieben von einer Fangemeinschaft, die so sehr leiden musste. Angetrieben vom Ziel wieder den Super Bowl zu gewinnen. Angetrieben von einem hohen Einsatz und Risiko ist man nun „All In“ gegangen! Am Ende bleiben für alle Protagonisten entweder Sieg oder Niederlage! Dazwischen wird es nichts geben!

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