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Tennessee Titans – Der Dampfhammer Der NFL

TENNESSEE TITANS – DER DAMPFHAMMER DER NFL

Denkt man an die Tennessee Titans der letzten jüngsten Vergangenheit, hat jeder NFL Fan wohl zuerst den bulligen Runningback Derrick Henry (27) vor Augen. Seit fünf Jahren treibt der Hüne sein Unwesen in der NFL. Zuerst zwei Jahre als Runningback Nummer zwei. Seit 2018 ist Henry als Nummer eins im Backfield gesetzt und bestimmt das Offensivspiel seines Teams seitdem wie kein anderer Runningback der National Football League. Auch dieses Jahr trug er entscheidend zum Erreichen der Playoffs bei und schrieb sich zugleich noch in die Geschichtsbücher. 2000 Rushing Yards in einer Spielzeit, dies schafften bisher nur sieben andere Footballspieler. Er ist einer der beiden Hauptgründe für die Kehrtwende der Titans, von der erfolglosen grauen Maus, zum ernstzunehmenden Kontrahenten.

Neue Zeitrechnung nach Mariota

Einst draftete man in Tennessee, mit einem äußerst hoch gelobten College Quarterback, die vermeintliche Zukunft der Franchise. 2015 hatte man den zweiten Draftpick overall inne und entschied sich für den hawaiianischen Quarterback Marcus Mariota (27) von der University of Oregon. Der junge Spielmacher kam mit jeder Menge Vorschusslorbeeren nach Tennessee, schließlich war er der amtierende Heisman Trophy Gewinner der damaligen College Saison. Drei weitere Auszeichnung erspielte er sich im dort und kam als Heilsbringer in die NFL. Doch so richtig zu überzeugen wusste Mariota nie. 29 Siege und 32 Niederlagen standen am Ende der letzten Saison auf seiner Habenseite. Außerdem 13433 Passing Yards, 77 Touchdowns und ganze 44 Interceptions. Während seiner Zeit als Titan brachte er nur 62,9 Prozent seiner Pässe an den Mann, kam in einer Saison nie auf über 3500 Passing Yards, führte sein Team in fünf Spielzeiten nur ein einziges Mal, mit Ach und Krach in die Playoffs und hatte schlussendlich ein jahresübergreifendes Quarterback Rating von 89,6. Allessamt nicht die Zahlen wie man sie sich von seinem Franchise Quarterback versprach.

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Mit Mariota beendeten die Titans drei Spielzeiten mit 9-7 und eine gar mit 3-13, als graue Maus tümpelte man irgendwo in der NFL umher. Mitte der Saison 2019-2020 zog man schließlich die Reißleine und machte den ehemaligen Miami Dolphin, Rayan Tannehill (32), zum Starting Quarterback. Nach dem Wechsel ging es für das Team stetig bergauf. Zwar beendete man ein weiteres Jahr mit 9-7, erreichte mit dem neuen Passgeber aber prompt die Playoffs. Im Vergleich zu Mariota´s 29 Siegen und 32 Niederlagen in fünf Jahren, stehen nun Tannehill´s 18 Siege und neun Niederlagen. Prozentual eine deutliche Steigerung. Sogar in Sachen MVP wurde sein Name bis zur Mitte dieser Saison öfter in den Ring geworfen. Mit anderen Kandidaten, wie Aaron Rodgers (37), Patrick Mahomes (25) oder Josh Allen (24) konnte er aber bis zum Schluss nicht mithalten. Saisonübergreifend kommt Tannehill bei 27 Partien für sein neues Team in der regulären Spielzeit auf 6561 Passing Yards, 55 Passing Touchdowns und nur 13 Interceptions. Statistiken aller erster Sahne und noch wichtiger: Ihm passieren extrem wenige Fehler. Egal ob Quarterback oder Franchise, beide Seiten profitierten ungemein vom Wechsel des Passgebers, von den Miami Dolphins in Richtung Nashville.

2K Henry

Größte Unterstützung erhält Tannehill von seinem Elite Runningback Derrick Henry. Zum zweiten Mal in Folge konnte sich dieser dir Krone des Rushing Leaders der NFL aufsetzen und das mit weitem Abstand. Wie einst Bud Spencer (+86) in „Sie nannten ihn Mücke“ pflügt Derrick Henry regelrecht durch gegnerische Defensive Lines. Durchbricht er diese scheppert es regelmäßig auch für die konkurrierenden Defensive Backs. Mit 2027 Rushing Yards und 17 Rushing Touchdowns steht Henry, mit weitem Abstand, an der Spitze aller Ballträger. Fast 500 Yards mehr als der zweite Platz, Dalvin Cook (25, Minnesota Vikings), konnte er erlaufen. Der letzte Runningback der die 2000 Yards Grenze passierte war Chris Johnson (35) im Jahr 2009, ebenfalls für die Tennessee Titans. Er wurde damals zum Offensive Player oft he Year gekürt. Eine Ehre die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch Henry ereilen wird. Insgesamt konnten erst acht Akteure mehr als 2000 Yards erlaufen. Damit reiht sich Henry in seiner fünfjährigen Karriere direkt hinter Legenden wie Eric Dickerson (60), Adrian Peterson (35, Detroit Lions), Jamal Lewis (41) und Barry Sanders (52) ein. Mücke wäre stolz.

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Natürlich stellt sich nun die Frage: Wieviel Sprit hat Henry noch für die Postseason im Tank? Als Titans Anhänger muss man sich da aber wahrscheinlich keine Sorgen machen. In den letzten Jahren machte es den Eindruck als würde Henry, mit immer weiterem Fortschritt der Saison, immer besser werden. Besonders die zweite Saisonhälfte ist der Zeitraum des Runningbacks. Jedes Jahr steigerte Henry bisher alle seine Statistiken, egal ob Laufversuche, Rushing Yards, oder Rushing Touchdowns. Diese Saison trug er sage und schreibe 378 Mal den Ball. Dass er bei diesem enormen Pensum bisher frei von Verletzungen blieb, ist seiner enormen Fitness und Körperstatur geschuldet. Es lässt sich auch kaum Abstreiten, dass der Heisman Trophy Sieger für den besten College Spieler von 2015 hierfür die ein oder andere Stunde im Weight Room verbringt. Bei 1,91 Meter Körpergröße bringt es die menschgewordene Maschine auf 108 kg. Für diese Maße ist er aber enorm flink und ist die Masse erstmal in Schwung gebracht, läuft er meist unaufhaltbar in Richtung Endzone, der Albtraum sämtlicher Defensive Backs und die Entstehung schon jetzt legendärer Stiff Arms und Runs, Stichwort: „Josh Norman“

JahrAttemptsRush Yds.AVGTD´s
202037820275,417
201930315405,116
201821510594,912
20171767444,25
20161104904,55
Gesamt118258605,055

Effektivität, Schwächen & Stärken

Bekommen die Titans erst einmal ihr Laufspiel ins Rollen, können sie relativ einfach ihren restlichen Gameplan etablieren. Das komplette Spiel ist zu aller erst auf Henry abgestimmt, je nachdem wie die gegnerische Defense darauf eingeht, setzt man andere Akteure in Szene. Nur zwei andere Teams der NFL setzten Play Action Spielzüge öfter um als die Tennessee Titans mit 173. Ganz oben stehen die Los Angeles Rams mit 194 Pässen aus angetäuschten Läufen, dahinter die Buffalo Bills mit 181. Die meisten Yards holten dabei die Bills mit 1567 raus, die Titans finden sich hier sogar auf dem zweiten Rang wieder. 1534 Passing Yards legte man alleine bei Play Action Spielzügen zurück. Das ist beinahe die Hälfte der gesamten 3819 Passing Yards Tannehill´s und nach dem Laufspiel die größte Waffe der Offensive.

Beinahe könnte man sogar zwei 1000 Yards Receiver vorweisen, was eine kleine Schwäche des Teams vorweist. Es ist natürlich nicht schlecht zwei Receiver über der magischen Grenze zu haben, aber neben den beiden Wide Receivern A.J. Brown (23) und Corey Davis (25), sowie den beiden Tight Ends Jonnu Smith (25) und Anthony Firkser (25) verteilt Tannehill die Bälle alles andere als vielseitig. Werden Pässe geworfen, gehen sie meist in die Hände dieser Akteure. A.J. Brown kristallisierte sich in seiner zweiten 1000 Yards Saison erneut als liebste Anspielstation des Quarterbacks heraus. Der bullige Ballempfänger hatte 70 Catches für 1075 Yards, sowie elf Touchdowns. Sein Nebenmann, Corey Davis, konnte das Ei 65 Mal fangen und kam dabei auf 984 Yards und fünf Touchdowns. Das Passspiel ist zwar nicht vielseitig oder überraschend für gegnerische Verteidiger, die Effektivität kann man diesem aber nicht absprechen. Besonders in der Redzone kann den Titans kaum ein Team etwas vormachen. Die 75 Prozent Effektivität können nur die Green Bay Packers mit 80 Prozent toppen. Diese Statistik ist nur auf Touchdowns bezogen, sobald die Titans also die zwanzig Yard Linie des Gegners überschreiten, enden sie bei drei von vier Drives in der Endzone für sechs Punkte. Was natürlich auch an der starken Offensive Line liegt. 1,6 erlaubte Quarterback Sacks pro Partie ist der sechstbeste Wert der gesamten Liga. Davor liegen alle anderen Spitzenteams der NFL. Die Pittsburgh Steelers (0,9), die Indianapolis Colts (1,3), die Green Bay Packers (1,3), die Tampa Bay Buccaneers (1,4) und schlussendlich die Kansas City Chiefs (1,5). Sogar die schwere Verletzung vom überaus wichtigen Left Tackle Taylor Lewan (29) für Tannehill´s Blind Side, in Woche sechs, steckte man bisher ohne große Probleme weg.

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Besonders ausschlaggebend für den Erfolg der Titans ist die Turnover Statistik. Insgesamt können sie hier eine Differenz von plus Elf vorweisen, Bestwert der Liga. Offensiv geschehen ihnen sehr wenige Fehler. Nur fünf Fumbles und sieben Interceptions hatte man im Laufe der regulären Saison, kein anderes Team gab den Ball seltener her. Auf der anderen Seite konnte man fünfzehn Interceptions fangen und fünf gegnerische Fumbles sichern, Platz acht in der gesamten NFL. Dennoch stellt die Defensive eine weitere Schwäche dar. Mit 4439 erlaubten Yards Raumgewinn durch die Luft steht man unter den vier schlechtesten Teams, 36 erlaubte Passing Touchdowns sind sogar der zweitschlechteste Wert hinter den Detroit Lions mit 38. Gegen den Lauf findet man sich im Punkto Raumgewinn wie auch erlaubten Rushing Touchdowns im Mittelfeld der NFL wieder. Größte Schwachstelle Defensiv ist aber der fehlende Druck auf gegnerische Quarterbacks. Der beste Pass Rusher Tennessee´s ist Linebacker Harold Landry III (24) mit mageren 5,5 Sacks. Das gesamte Team kommt auf nur 19 Sacks, nur einen mehr als die Jacksonville Jaguars und zwei mehr als die Cincinnati Bengals. Im Vergleich zu anderen Teams die die Playoffs erreichten, absolut unterirdisch.

Soll in den Playoffs also ein Sieg her, muss dringen die Defensive stabilisiert werden, den offensiv Schwache Teams gibt es in den Playoffs der AFC dieses Jahr keines. Im Angriff ist die Abhängigkeit von Henry für jeden klar ersichtlich, beim Blick auf die Statistiken fällt aber auf das sie gar essenziell ist. Diese Saison hatte Henry nur sechs Partien bei denen er unter der 100 Rushing Yards Marke blieb, die Hälfte davon verlor man anschließend. Der Spielplan Tennessee´s war allerdings auch nicht der einfachste. Egal ob Pittsburgh Steelers, Indianapolis Colts, Cleveland Browns oder Green Bay Packers, jede Niederlage geschah gegen ein Team welches nun in den Playoffs steht, oder bis gestern stand. Einzig und allein die Schmach aus Woche acht gegen die Cincinnati Bengals lässt sich hier ausklammern. Mit elf Siegen und fünf Niederlagen konnte man sich in der AFC South schlussendlich noch vor die Indianapolis Colts schieben und hat im Gegensatz zu diesen das einfachere Los gezogen. Indianapolis musste sich bereits gestern gegen eines der heißesten Teams geschlagen geben, den Buffalo Bills. Aber auch der Gegner der Titans ist kein unbeschriebenes Blatt. Erneut trifft man auf die Baltimore Ravens, ein alter Bekannter aus den Divisional Playoffs des letzten Jahres. Damals konnte man mit 28-12 für eine Überraschung sorgen und in die nächste Runde einziehen. Scheiterte aber im AFC Championship Game gegen den späteren Super Bowl Sieger, den Kansas City Chiefs. Der Plan der Titans wird sich von dem der regulären Saison kaum unterscheiden. Henry und das Laufspiel etablieren, Play Action Pässe einbauen und den Gegner zermürben, wie weit der Dampfhammer sein Team dieses Jahr tragen kann wird spannend.

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